Papst: „Der Wirklichkeit der Menschen ins Gesicht sehen“


Der Dialog mit der Welt von heute „gehört zur ureigenen Sendung der Kirche“. Das hat Leo XIV. an diesem Samstag bekräftigt

Quelle
Teilnehmer des Treffens „Fratelli tutti: Nord-Süd sozial-ökologischer Dialog“ (12. September 2026)/Übersetzung
Nord-Süd-Dialog von Amerikanern in Rom – Vatican News

Jesus habe die Jünger nach seiner Auferstehung damit beauftragt, „sein Licht in die konkreten Realitäten jeder Epoche zu tragen“, so der Papst bei einer Audienz für einen Nord-Süd-Dialog für den amerikanischen Doppelkontinent. Die Kirche sei, wie auch das Konzil hervorgehoben habe, dazu gerufen, „der Wirklichkeit der Männer und Frauen, zu denen sie gesandt ist, ins Gesicht zu sehen“.

„Das Gebot des Evangeliums, sich um die Armen zu kümmern, verlangt zudem, dass dieser Blick insbesondere auf diejenigen gerichtet ist, die am stärksten unter den Folgen des sozialen, wirtschaftlichen und technologischen Wandels leiden.

„Die Widersprüche der heutigen Welt enttarnen“

Zum Auftrag der Kirche gehöre, „die Widersprüche zu enttarnen, die das persönliche und soziale Leben der zeitgenössischen Welt kennzeichnen“. „Ein solches Engagement hat seine Wurzeln im Geheimnis des christlichen Glaubens selbst. Gott ist in unsere Geschichte eingetreten. In Jesus Christus hat er unsere Menschlichkeit angenommen und der Kirche den Auftrag übertragen, das Evangelium unter den konkreten Lebensumständen der Völker zu verkünden. Von der Heiligen Schrift bis hin zu den großen Kirchenvätern wie dem heiligen Ambrosius und dem heiligen Augustinus hat die christliche Tradition gelernt, innerhalb der Geschichte zu unterscheiden, was dem Menschen wirklich dient und was sich letztendlich gegen ihn wendet.“

Der amerikanische Nord-Süd-Dialog ist vom lateinamerikanischen Bischofsrat Celam und der US-Bischofskonferenz organisiert worden und brachte Vertreter von ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen. Leo würdigte dementsprechend die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der Kirche mit den verschiedensten gesellschaftlichen Kräften. Schließlich stünden ja alle vor gemeinsamen Herausforderungen, etwa der Künstlichen Intelligenz.

Zusammenarbeit gegen die Fragmentierung

„Angesichts des technologischen Fortschritts lautet die entscheidende Frage nicht einfach, ob wir bestimmte Instrumente akzeptieren oder ablehnen, sondern welche Menschheit wir gestalten wollen und welchen Platz jeder Einzelne darin einnehmen wird. Eine Verantwortung dieser Tragweite übersteigt die Möglichkeiten jeder einzelnen Institution. Deshalb ist es notwendig, die Logik der Subsidiarität mit neuem Elan aufzugreifen und dabei die Eigenverantwortung jedes Akteurs sowie gleichzeitig die Notwendigkeit der Zusammenarbeit anzuerkennen.“

Zusammenarbeit verhelfe dazu, dass aus legitimen Unterschieden keine Fragmentierung entstehe, so der Papst. In seiner ersten Enzyklika Magnifica humanitas habe er deswegen formuliert, dass Pluralismus ein Prinzip der Einheit brauche.

„Die synodale Erfahrung der Kirche kann hier eine Lehre bieten: Den Unterschieden wirklich Gehör zu schenken bedeutet nicht, sie zu verwässern, sondern zu lernen, sie zu unterscheiden und ausgehend von ihnen das zu suchen, was dem Wohl aller dient. Diese Übung erweist sich als besonders notwendig in einer Zeit, in der polarisierte Narrative sofortige Verbreitung finden und in der die Konfrontation leicht zu einem Machtinstrument werden kann.“

„Die Prinzipien der Soziallehre ersetzen nicht die Entscheidungen, die Sie treffen müssen“

Der Papst wies – nunmehr nicht mehr auf Spanisch, sondern auf Englisch – auch auf die Aktualität der katholischen Soziallehre hin. „Ihre Grundsätze ersetzen nicht die Entscheidungen, die Sie treffen müssen; vielmehr bieten sie Maßstäbe an, anhand derer Sie beurteilen können, ob diese Entscheidungen tatsächlich die Menschenwürde achten und dem Gemeinwohl dienen.“

Leo XIV. rief auch zu einer „gesunden Kultur des Verhandelns“ auf. Bei einem Konsens dürfe es nicht nur darum gehen, wieviele Leute ihn unterstützten, sondern ob er wirklich wichtige Interessen beschütze und keine üblen Auswirkungen auf das Leben der Menschen habe. „Möge der Fortschritt unserer Zeit keine neuen Trümmer hinterlassen, und möge alles, was wir errichten, wirklich ein Zuhause und ein Zufluchtsort für alle sein, angefangen bei denjenigen, die es am dringendsten brauchen.“

vatican news – sk, 12. September 2026

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

Dein Beitrag zu einer großen Mission: Unterstütze uns dabei, das Wort des Papstes in jedes Haus zu tragen

Themen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Vatikan.va

Archiv

Empfehlung