Ö: „Regensburger Rede bleibt Herausforderung“
Die sogenannten „Regensburger Rede“ – ein Vortrag von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) am 12. September 2006 an der Universität Regensburg – formuliert bis heute gültige Herausforderungen für eine zeitgemäße christliche Theologie

Quelle
Diesseits von Eden – Der Podcast der theologischen Fakultäten Österreichs & Südtirols
Regensburger Rede
Das hat der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück im Theologie-Podcast „Diesseits von Eden“ aus Anlass des 20. Jahrestages der Rede unterstrichen. Der Eklat, den ein „unglückliches Islamzitat“ von Benedikt XVI. in der Rede ausgelöst hatte und das zu Protesten u. a. von muslimischen Gelehrten geführt hatte, überlagerte laut Tück die eigentliche Stoßrichtung der Rede, die das Zueinander von Glaube und Vernunft zum Thema hatte.
Von bleibender Bedeutung sei die Forderung, dass eine zeitgemäße Theologie „traditionssensibel“ auch in dem Sinne sein müsse, dass sie die Kategorien und Sprachangebote der griechischen Philosophie nicht als Störfaktoren und Momente der Entfremdung verstehe, sondern als für das Christentum „konstitutiv“, so Tück unter Bezug auf Benedikt XVI. Diese Allianzen und Durchdringungen von Glaube und griechischer Vernunft bzw. Philosophie hätten den christlichen Glauben von Beginn an bestimmt, so Benedikt unter Verweis auf die Konzilien und frühchristlich ausbuchstabierten Bekenntnisse wie jenes von Nizäa (325).
Reaktion auf metaphysikkritische Tendenzen
Letztlich habe Benedikt XVI. mit diesen Reflexionen auf die „metaphysikkritischen Tendenzen“ in der gegenwärtigen Theologie reagieren wollen, führte Tück aus – und anhand verschiedener „Enthellenisierungswellen“ in der Kirchengeschichte aufgezeigt, dass diese zu einer Relativierung wesentlicher Gehalte der Tradition und damit des Glaubens führen würden. Man müsse die Thesen Benedikts nicht zwingend teilen, sie seien aber wichtige Marksteine für die Orientierung der Theologie in der Gegenwart, erklärte Tück.
Die Empörungswellen, die die Rede aufgrund eines Zitats des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaiologos (1350-1425) aus einer Unterhaltung mit einem persischen Gelehrten auslöste („Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“) müssten vor dem Hintergrund der Erinnerung an die islamistischen Anschläge vom 11. September 2001 und dem hohen Druck, unter dem der Islam damals stand, verstanden werden. Die Rede Benedikts fand fast auf den Tag fünf Jahre nach „9/11“ statt.
Das heikle Gewaltpotential der Religion
Eine bleibende Aufgabe im christlich-islamischen Dialog ortete Tück in der Klärung des Gewaltpotenzials der Religion. Dies betreffe Christentum und Islam in ähnlicher Weise. Auch hier weise die „Regensburger Rede“ einen Weg, insofern die Rückkopplung des Glaubens an die Vernunft ein „Domestizierungspotenzial gegenüber gewaltträchtigen Gottesinterpretationen“ biete. „Die Synthese von Glaube und Vernunft ist dafür aus meiner Sicht weiterhin eine hilfreiche Generalformel.“
Unzulässig seien jedenfalls kollektive Vorbehalte, wie sie aktuell wieder mit dem Schlagwort des „Politischen Islam“ vorgebracht würden. Tück: „Im Spektrum des heutigen Islam gibt es problematische Tendenzen, die die liberale demokratische Rechtsordnung im Sinne eines Scharia-Islam aushöhlen wollen. Hier ist politische Wachsamkeit wichtig.“ Den Islam jedoch unter einen Generalverdacht zu stellen sei „kontraproduktiv“.
kap – sk, 10. September 2026
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