„Bewahrung der Schöpfung ist theologische Frage“


Die Internationale Theologische Kommission hat ein Dokument mit dem Titel „Sorge für unser gemeinsames Haus“ erstellt. Der Text, den der Vatikan an diesem Mittwoch veröffentlichte, betont, dass die Bewahrung der Schöpfung eine theologische Frage ist: Die Art und Weise, wie wir uns um die Schöpfung kümmern, offenbart und prägt die Beziehung zu Gott

Quelle
Internationale Theologische Kommission
Veröffentlichte Dokumente
Dokumente der Internationalen Theologischen Kommission

Isabella Piro – Vatikanstadt

Wie soll man aus christlicher Sicht auf die „ökologische und soziale Krise“ reagieren, in die die Menschheit geraten ist? Diese Frage steht im Mittelpunkt des neuen Dokuments der „Internationalen Theologischen Kommission“, die beim vatikanischen Glaubensdikasterium angesiedelt ist. Der volle Titel lautet „Sorge für unser gemeinsames Haus – Eine verantwortungsvolle und geschwisterliche Antwort auf den dreifaltigen Gott“. Es wurde diesen Mittwoch auf Italienisch veröffentlicht.

Der Text, der mit Genehmigung von Leo XIV. veröffentlicht wurde, ist das Ergebnis von Überlegungen, die zwischen 2022 und 2025 angestellt wurden. Ausgangspunkt ist ein „dreifacher Wandel“, der im Laufe der Jahre dazu geführt hat, dass die spontane Wahrnehmung der Natur als Schöpfung Gottes verloren gegangen ist; dass sich eine zunehmend anthropozentrische und ausbeuterische Sichtweise in der Beziehung zwischen Mensch und Schöpfung durchgesetzt hat; und dass sich eine globale Krise ausgebreitet hat.

Alles ist mit allem verbunden

Das Dokument ist in drei Kapitel unterteilt: Im ersten („Das gemeinsame Haus, Werk des dreifaltigen Gottes“) wird „der nicht nur göttliche, sondern auch dreifaltige Abdruck“ hervorgehoben, der in der Schöpfung vorhanden ist. Dieser Prägung sind Merkmale der Sakramentalität eigen – das heißt, sie ist Zeichen „einer heiligen und verborgenen Wirklichkeit“, die ihren „höchsten Ausdruck“ in der Eucharistie findet. Der Mensch wird seiner Berufung gerecht, wenn er die Beziehungen zu Gott, zu den anderen und zur Schöpfung richtig gestaltet. „Nichts und niemand steht für sich allein, betont das Dokument. „Alles ist mit allem verbunden“, um „eine einzige Lebensgemeinschaft“ zu bilden.

Der Ursprung des Universums nach Wissenschaft und Glauben

Das erste Kapitel vertieft den Dialog mit einigen wissenschaftlichen und philosophischen Weltbildern und verdeutlicht, wie der Glaube an den Schöpfergott etwas bietet, was die Wissenschaft nicht geben kann, auch wenn sie „zu Recht“ die ersten Phasen des Universums erforscht. Während sich die Kosmologie nämlich damit befasst, wie die Welt entstanden ist, erklärt der Glaube das Warum: Gott gibt dem Universum einen metaphysischen, nicht nur physikalischen Ursprung und ruft frei ins Dasein, was an sich nicht existieren würde.

Nach dem Bild und Gleichnis Gottes

Das zweite Kapitel („Der Mensch im gemeinsamen Haus“) beginnt mit einer Betrachtung über den Menschen, der nach den Worten des Buches Genesis „nach dem Bild und Gleichnis Gottes“ geschaffen wurde. Das gibt den Theologen Anlass, erneut zu betonen, dass Unterschiede – hinsichtlich Ethnie, Geschlecht, Kultur, sozialem oder wirtschaftlichem Status – in keiner Weise eine hierarchische Abstufung bedeuten. Ihre Instrumentalisierung, um andere zu diskriminieren oder zu unterwerfen, widerspricht dem Plan Gottes.

Aufruf zur ökologischen Umkehr

Die Theologenkommission fasst dann einige „sehr alarmierende Fakten zur ökologischen Krise“ zusammen: den Verlust der biologischen Vielfalt; die Luftverschmutzung; die Verschlechterung der Wasserqualität; den Krieg, der die Zerstörung der Umwelt „brutal“ beschleunigt; die „äußerst schwerwiegenden“ Folgen all dessen für die Ärmsten, deren natürliche Ressourcen ausgebeutet werden und die zur Migration gezwungen sind. Daraus ergibt sich der eindringliche Appell der Kommission: Angesichts einer „beispiellosen“ ökologischen Krise sind nicht nur wissenschaftliche und technische Lösungen erforderlich, sondern auch und vor allem „ein Wandel der kulturellen Werte“, eine echte ökologische Umkehr in der Lebensweise.

„Wandel der kulturellen Werte“

Die Sünde gegen die Schöpfung und gegen den Schöpfer

Das Dokument schlägt zudem vor, von einer „Sünde gegen die Schöpfung und gegen den Schöpfer“ zu sprechen – eine theologische Formulierung, die Umweltschäden mit der Ablehnung des göttlichen Schöpfungsplans verbindet und dabei sowohl rein wissenschaftliche Begriffe (wie „Ökozid“) als auch die Verwässerung der Verantwortung vermeidet. Der gegenwärtige historische Moment „verlangt von allen, angefangen bei den Verantwortlichen des öffentlichen Lebens, dringendes Handeln zugunsten der Nachhaltigkeit des Planeten und der Bewohnbarkeit unseres gemeinsamen Hauses. Dies ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine theologische Notwendigkeit“.

„Dringendes Handeln zugunsten der Nachhaltigkeit des Planeten und der Bewohnbarkeit unseres gemeinsamen Hauses. Dies ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine theologische Notwendigkeit“

Die Eucharistie, eine „ökologische Schule“

Der Blick des Glaubens führt dazu, auch „zwei inakzeptable Extreme“ zurückzuweisen: einen räuberischen Anthropozentrismus, der die Menschheit als „absolute Herrin der gesamten Schöpfung“ betrachtet, und einen Bio- oder Ökozentrismus, der die Natur verabsolutiert. Die christliche Sicht hingegen ist die eines „kontextbezogenen Anthropozentrismus“, der den Menschen als „Verwalter und Diener der Schöpfung“ versteht. Diese doppelte Berufung findet ihren Höhepunkt in der Eucharistie, einer „ökologischen Schule“ des achtsamen Umgangs mit Gott und der Schöpfung, dank der „eine positive und proaktive Haltung gegenüber der Natur“ gefördert wird.

Ökologische Spiritualität

Das dritte Kapitel („Die Sorge um das gemeinsame Haus“) bietet einige praktische Leitlinien, die sich um fünf grundlegende Beziehungen des Menschen drehen. Aus der Beziehung zu Gott ergibt sich eine Logik der Geschwisterlichkeit, Solidarität, Unentgeltlichkeit und Demut, die zu sozialer Gerechtigkeit führt. Aus der Beziehung zu sich selbst entspringt eine „ökologische Spiritualität“, die zu einem gesunden, konsumbewussten („Jeder Kauf ist ein moralischer Akt“) und verantwortungsvollen Lebensstil einlädt.

„Jeder Kauf ist ein moralischer Akt“

Der Schrei der Erde und der Armen

Aus der Beziehung zur Schöpfung ergeben sich Prinzipien wie Ehrfurcht; Nachhaltigkeit; das Hören auf den „markerschütternden Schrei“ der Erde, der „auf tragische Weise mit dem Schrei der Armen verbunden ist“; die Achtung vor dem Leben (die es dem Menschen erlaubt, die natürlichen Ressourcen zu nutzen, jedoch nach Bedarf und in Maßen); Askese und Fasten (als moralische Antwort auf die Übernutzung der Ressourcen, insbesondere in den reichen Ländern); sowie ein differenziertes Engagement entsprechend der Verantwortung der verschiedenen Nationen.

Die Heiligkeit des menschlichen Lebens und die Ablehnung des Krieges

Darüber hinaus ergeben sich aus der Beziehung zum Nächsten die Heiligkeit des menschlichen Lebens (ein bedingungsloses und unveräußerliches Recht, das die Staaten schützen und fördern müssen, auch durch die Ablehnung des Krieges); die universelle Bestimmung der Güter (das „gemeinsame Haus“ muss auch für künftige Generationen gepflegt werden); die Geschwisterlichkeit (Gegenmittel gegen einen „falschen, egoistischen, grausamen und gierigen“ Individualismus); die Barmherzigkeit; und die vorrangige Option für die Armen.

Die interreligiöse Zusammenarbeit

Als fünften und letzten Zusammenhang reflektiert die Kommission über den Beitrag verschiedener Religionen zur Bewahrung der Schöpfung. Insbesondere werden die gemeinsamen Elemente hervorgehoben: die Verbundenheit zwischen allem, was existiert; die Pflicht, alle Lebewesen zu achten; die Verantwortung des Menschen. Daher „sind aus Sicht des christlichen Glaubens die Türen offen für eine interreligiöse Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Aufgabe der respektvollen Bewahrung der gesamten Schöpfung“.

Moralische Verantwortung

Im Schlusswort des Dokuments bekräftigt die Kommission, dass die ökologische eine theologische Frage ist: Die Art und Weise, wie wir uns um die Schöpfung kümmern, prägt die Beziehung zu Gott selbst.

„Die Art und Weise, wie wir uns um die Schöpfung kümmern, prägt die Beziehung zu Gott selbst“

Der Text ruft zu einer „ökologischen Wende“ nach dem Vorbild des heiligen Franz von Assisi auf und schließt mit einer hoffnungsvollen Botschaft: Die Umweltkrise, so schwerwiegend sie auch sein mag, erschüttert nicht das Vertrauen in Gott, der „alles neu macht“.

vatican news, 2. September 2026

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