Papst trifft sieben Missbrauchsopfer in Lourdes

Im Rahmen seiner Pastoralreise nach Frankreich hat Papst Leo XIV. an diesem Sonntagabend in Lourdes sieben Überlebende von sexualisierter Gewalt getroffen und ihnen zugehört. Das teilte das vatikanische Presseamt nach der Begegnung im Haus des Bischofs von Tarbes-Lourdes mit

Quelle
Missbrauchsbetroffene: „Der Papst hat sehr aufmerksam zugehört“ – Vatican News

Die Begegnung dauerte etwa zwei Stunden, Leo empfing vier Männer und drei Frauen, hieß es in der Mitteilung via Telegram. Begleitet wurden die sieben Missbrauchsüberlebenden von Bischof Gérard Le Stang von Amiens, er ist Vorsitzender des Rates zur Prävention und Bekämpfung von Pädophilie innerhalb der französischen Bischofskonferenz. „Der Papst traf sich mit jedem von ihnen einzeln und unter vier Augen, hörte sich ihre Geschichten, ihren Schmerz und ihr erlittenes Leid an – manchmal leider unter Mitwirkung oder im Schweigen derer, die ihnen hätten helfen können – sowie ihre Vorschläge, damit sich so etwas nicht wiederholt“, hieß es in dem Vatikan-Statement. Mit einigen habe der Papst auch kurz gebetet. Am Ende habe sich Leo mit allen in einem Raum des Bischofshauses versammelt, ihnen gedankt für das Teilen ihrer Leidensgeschichte und sein eigenes Engagement bekräftigte, „damit das erlebte Unrecht sich für andere nicht wiederholt“. Auch habe der Papst den Wunsch geäußert, „gemeinsam daran zu arbeiten, dass die Gemeinschaft der Gläubigen immer mehr zu einem Ort werde, an dem Männer und Frauen jeden Alters Trost und Heilung finden können“. Zuletzt bat Leo XIV. die Anwesenden, für ihn zu beten, und segnete sie.

Frankreichs Kirche hat reagiert

Frankreich gehört zu den Ländern, in denen sexualisierte Gewalt in der katholischen Kirche umfassend aufgearbeitet wurde. 2021 schätzte eine unabhängige Kommission, die CIASE, dass seit 1950 rund 216.000 Minderjährige von Priestern oder Ordensleuten missbraucht wurden; auf diese hohe Zahl war die Kommission durch Hochrechnungen gelangt. Die französische Kirche reagierte nicht mit Abwehr, sondern indem sie eine institutionelle Verantwortung anerkannte. Sie setzte auf Wahrheitssuche, Gerechtigkeit und Vergebung und richtete nicht zuletzt Entschädigungsstrukturen ein.

Für diesen Zugang ernteten die französischen Bischöfe ebenfalls an diesem Sonntag in Lourdes Lob von Papst Leo. „In den letzten Jahren habt ihr euch entschlossen mit der schmerzlichen Plage des Missbrauchs von Minderjährigen durch Mitglieder des Klerus auseinandergesetzt“, würdigte der Papst den bereits zurückgelegten Weg. Er dankte den Bischöfen, dass sie „mutige Maßnahmen ergriffen“ hätten, und sei sich auch darüber im Klaren, „dass einige Momente für eure Konferenz sehr schwierig waren“. Leo forderte die rund 180 französischen Bischöfe dazu auf, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen „und dabei größte Wachsamkeit zu wahren“, zugleich aber auch ihre Priester zu unterstützen und zu ermutigen.

Das Thema Missbrauch in Frankreichs Kirche

Den Wendepunkt in der Frage Missbrauch in der Kirche in Frankreich markierte der Fall des Priesters Bernard Preynat in Lyon, dessen Übergriffe und der Umgang der Kirchenleitung damit eine landesweite Debatte auslösten. Preynat wurde 2020 wegen sexualisierter Gewalt an Minderjährigen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Später erschütterten Vorwürfe gegen den populären Armenpriester Abbé Pierre sowie der Missbrauchsskandal am katholischen Internat Notre-Dame de Bétharram nur wenige Kilometer von Lourdes entfernt das Land. Auch der Wallfahrtsort selbst ist mit der Debatte verbunden: Bischof Jean-Marc Micas ließ in Lourdes die Mosaiken des wegen sexuellen und geistlichen Missbrauchs beschuldigten Priester-Künstlers Marko Rupnik am Portal der Rosenkranzbasilika verhängen; inzwischen sind sämtliche seiner Arbeiten an der Fassade abgedeckt, vor der Leo am Sonntagabend das Wort an Kranke zum Abschluss eines Rosenkranzgebets richtete.

Lourdes ist für Gläubige ein Wallfahrtsort der Heilung und des Trostes: Kranke und Leidende suchen dort im Gebet, in den Sakramenten und an der Quelle, die mit den Marienerscheinungen von 1858 verbunden ist, geistliche und mitunter auch körperliche Heilung. Dass Papst Leo bei seiner Frankreichreise Betroffene von sexualisierter Gewalt in Lourdes und nicht beispielsweise in Paris traf, gewinnt vor diesem Hintergrund eine symbolische Bedeutung. Der erste Papst, der Missbrauchsopfern persönlich zuhörte, war Benedikt XVI. im Jahr 2008 in Washington gewesen.

vatican news – gs, 27. September 2026

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