Generalaudienz: Das liturgische Jahr als Weg mit Christus leben
Das liturgische Jahr ist kein religiöser Kalender, der lediglich festlegt, wann Weihnachten, Ostern oder Pfingsten gefeiert werden. Es ist ein geistlicher Weg durch die Heilsgeschichte, der uns daran erinnert, dass unser Leben auf Christus hin ausgerichtet ist. Das betonte Papst Leo in seiner sechsten Katechese zum Katechesezyklus, der der Liturgiekonstitution „Sacramentum Concilium“, gewidmet ist

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt
„Das liturgische Jahr ist somit als die fortwährende Vergegenwärtigung des Heilswerkes zu verstehen, das Christus in der Geschichte vollbringt. Indem die Kirche diesen Kreislauf des Jahres durchläuft, bleibt sie mit dem Erlösungswerk des Herrn in Berührung, sodass alle Gläubigen mit seiner Gnade erfüllt werden. Die Begegnung mit Jesus Christus, der für uns gestorben und auferstanden ist, ist das Ziel, das die Kirche stets verfolgt, indem sie die Feier des Osterereignisses in jedem Moment in den Mittelpunkt stellt,“ begann der Papst seine Ausführungen zum 5. Kapitel der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, deren Leitprinzip die aktive und bewusste Teilnahme aller Gläubigen war.
Die Kirche führt die Gläubigen durch die großen Geheimnisse des Glaubens
So führe die Kirche die Gläubigen durch die großen Geheimnisse des Glaubens – von der Erwartung des Messias bis zur Hoffnung auf die Wiederkunft Christi. Wer das Kirchenjahr bewusst lebt, gehe nicht einfach durch die Zeit – er gehe mit Christus und ihm entgegen.
Der Sonntag: „Tag der Tage“
Eine ganz besondere Bedeutung komme dabei dem Sonntag zu, den das Zweite Vatikanische Konzil „Grundlage und Kern des ganzen liturgischen Jahres“ und den „Ur-Feiertag“ nenne, führte der Papst weiter aus. Nicht umsonst habe ihn der heilige Johannes Paul II. als Dies Domini – „Tag des Herrn“ -, „Tag der Kirche“, „Tag des Menschen“ und schließlich als den „Tag der Tage“ bezeichnet.
„Um den Sonntag zu heiligen, ist die Feier der Eucharistie unerlässlich. Das Hören des Wortes Gottes und die Teilhabe am Leib Christi setzen nach den Worten der Konzilsväter das convenire in unum voraus: die freudige Zusammenkunft der Gläubigen. In dieser Versammlung macht die christliche Gemeinschaft ihre Gemeinschaft mit dem Herrn sichtbar und bezeugt ihre Zugehörigkeit zu Christus und ihre Treue zur Kirche.“

Gruppenfoto mit dem Papst (@VATICAN MEDIA)
Nein zur bloß virtuellen Anwesenheit bei der Messfeier
Wenn die Gläubigen also zusammenkommen, um das Wort Gottes zu hören und am Leib Christi teilzuhaben, werde die Kirche als Gemeinschaft sichtbar. Doch diese Zusammenkunft könne nicht durch eine bloß virtuelle Anwesenheit ersetzt werden und dürfe auch nicht passiv sein, so die Warnung von Papst Leo.
Daher sein Appell:
„In diesem Zusammenhang fordere ich alle auf, die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen, damit auch diejenigen an der heiligen Messe teilnehmen können, die sonntags nicht von der Arbeit freigestellt sind.“
Maria und die Heiligen im liturgischen Jahr
Mit Blick auf die Entwicklung des Jahreskreises im Lauf der Geschichte erinnerte der Papst daran, dass auch Maria und die Märtyrer und Heiligen ihren Platz im liturgischen Jahr gefunden hätten.
Der Papst schloss seine Katechese mit folgendem Denkanstoß:
„Das liturgische Jahr vergegenwärtigt so in sakramentaler Weise die Pädagogik der Heilsgeschichte: Es führt die Gläubigen von der Erwartung des Messias zur Fülle des Pascha-Mysteriums und zur Vorwegnahme der künftigen Herrlichkeit. In ihm feiert die Kirche die heilbringende Aktualität des Mysteriums Christi und ermöglicht es den Gläubigen, immer tiefer daran teilzuhaben. Deshalb bildet das liturgische Jahr das inspirierende Prinzip und den wesentlichen Bezugsrahmen für jedes pastorale Handeln.“
Die Erinnerung an den heiligen Maximilian Kolbe
In seinem Grußwort an die Pilger aus Polen hat Papst Leo mit folgenden Worten an den heiligen Maximilian Kolbe erinnert, dessen Gedenktag die katholische Kirche am 14. August begeht:
„Am Vorabend von Mariä Himmelfahrt feiern wir das liturgische Gedenken an den heiligen Maximilian Maria Kolbe, der sein Leben für einen Mitgefangenen im Konzentrationslager Auschwitz geopfert hat. Möge uns die Erinnerung an diese Ereignisse auf den Weg des Friedens führen, den uns die Unbefleckte Empfängnis weist.“
vaticannews – skr, 12. August 2026
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