Bischof: „Ukraine hat das Recht auf Verteidigung“
Der Vorsitzende der Lateinischen Bischofskonferenz der Ukraine verteidigt das Recht seines Landes auf Selbstverteidigung
Quelle
Witalij Skomarowskyj – Wikipedia
Ukraine: „Werdet nicht müde, frei zu sein!“ – Vatican News
Gallagher in Moskau: Diplomatie und Dialog für den Frieden

„Wenn ein Feind eindringt, indem er Fenster aufbricht und Türen eintritt, würde jeder seine Familie und seine Lieben verteidigen“, sagte Bischof Vitalij Skomarovskyi von Luzk in einem Interview mit den vatikanischen Medien.
„Hier geht es um unser gemeinsames Zuhause, um das Band, das uns alle Ukrainer verbindet. Die Ukrainer haben sich erhoben, um ihr Land zu verteidigen. Der Preis, den wir dafür zahlen müssen, ist wirklich sehr hoch, aber ebenso hoch ist die Bedrohung, die über uns schwebt. Der Feind ist nicht einfach gekommen, um uns ein anderes politisches System aufzuzwingen oder neue Wahlregeln zu diktieren: Er ist gekommen, um zu töten, um zu zerstören! Und deshalb ist die Ukraine als Reaktion auf diese Aggression gezwungen, sich zu verteidigen.“

Bischof Vitalij Skomarovskyi von Luzk
„Echte Gewissensfreiheit, die nicht nur auf dem Papier steht“
Skomarovskyi äußerte sich aus Anlass des 35. Jahrestags der Unabhängigkeit der Ukraine; er wurde an diesem Montag überall im Land gefeiert. In Kyiv nahmen an der zentralen Veranstaltung EU-Ratspräsident António Costa und der neue britische Ministerpräsident Andy Burnham teil.
„Aus historischer Perspektive sind 35 Jahre nicht viel“, so der Bischof. „Aber für uns hier in der Ukraine stellen sie, wenn wir an alles zurückdenken, was wir in dieser Zeit erlebt haben, einen sehr langen und ereignisreichen Zeitraum dar. Wir haben die schwere Wirtschaftskrise der 90er Jahre und die anschließenden Bemühungen um den Wiederaufbau durchlebt. Und nun befinden wir uns seit 2014 de facto in einem Kriegszustand, der dann 2022 in eine groß angelegte Aggression gemündet ist. Auch wenn es sich nur um einen kurzen Ausschnitt in der jahrtausendealten Geschichte handelt, umfasst er für uns doch einen immensen Weg.“
Die heutige Ukraine biete, auch wenn nicht alles perfekt sei, doch „echte Gewissensfreiheit, die nicht nur auf dem Papier steht“. Das sei „außergewöhnlich und einzigartig“, vor allem wenn man auf die Vergangenheit blicke.

Auf der zentralen Unabhängkeitsfeier am Montag in Kyiv (ANSA)
„In manchen Zeiten war die Verfolgung blutig, in anderen eher stillschweigend“
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„Die Sowjetunion erkannte formal das Recht auf Gewissensfreiheit in ihrer Verfassung an; aus ideologischen Gründen wurden jedoch die Kirche und die Religion systematisch verfolgt. In manchen Zeiten war die Verfolgung blutig, in anderen eher stillschweigend. Gläubige wurden inhaftiert, manche gaben ihr Leben für den Glauben, während anderen schlichtweg jede berufliche Perspektive verwehrt wurde: Sie durften nicht unterrichten, nicht als Ärzte arbeiten oder öffentliche Ämter bekleiden. Es war eine Zeit wahrer Prüfung. Auch in den vorangegangenen zaristischen Zeiten hatte die katholische Kirche – und eigentlich alle Kirchen – schwere Einschränkungen erlitten. Selbst die orthodoxe Kirche, die damals im zaristischen Russland Staatskirche war, litt unter einer erstickenden ‚Umarmung‘ durch den Staat, die sie daran hinderte, ihren geistlichen Auftrag frei zu erfüllen. Deshalb stellen diese 35 Jahre der Unabhängigkeit und der Religionsfreiheit eine absolut einzigartige Erfahrung für unser Land dar.“
Allerdings haben die Jahrzehnte der Unabhängigkeit die Kirchen im Land auch vor einige Probleme gestellt, wie in anderen Ländern des früheren Ostblocks. Die heroische Zeit ist vorüber, es weht ein Wind der Säkularisierung.
Hat die Ukraine ein Recht auf Selbstverteidigung? Interview mit dem Vorsitzenden der ukrainischen Bischofskonferenz (Radio Vatikan)
Wie sich die Zeiten ändern – im Priesterseminar
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„Ich möchte ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung anführen. Als ich zu Zeiten der Sowjetunion im Priesterseminar arbeitete, führte der Staat eine strenge Auswahl der Kandidaten durch und schuf dabei unzählige Hindernisse. Infolgedessen gelangten diejenigen, die nur schwach motiviert waren oder einen labilen Charakter hatten, gar nicht erst ins Priesterseminar oder brachen die Ausbildung frühzeitig ab. Wenn bekannt wurde, dass ein junger Mann – der vielleicht seinen Wehrdienst abgeleistet oder die Universität besucht hatte – ins Priesterseminar eintreten wollte, wurde er einschüchternden Gesprächen unterzogen und unter Druck gesetzt, die Gründe für diese Entscheidung darzulegen. Der Eintritt ins Priesterseminar war ein schwieriges Unterfangen: Manche junge Männer mussten es zehn Jahre lang versuchen, bevor es ihnen gelang. Heute hingegen gibt es keine Hindernisse dieser Art mehr. Dennoch müssen wir mit Bitterkeit feststellen, dass die Zahl derer, die ins Priesterseminar eintreten möchten, gering ist, wenn nicht gar gegen Null geht… Kurz gesagt: Wir leben in einem völlig anderen Kontext mit anderen Gegebenheiten.“
Bischof Vitalij Skomarovskyi nimmt immer wieder an feierlichen Trauerfeiern für gefallene ukrainische Soldaten teil. „Ich weiß nicht, wie viele von denen, die sich dafür entscheiden, das Vaterland zu verteidigen, dies mit dem ausdrücklichen Gedanken tun: Wir opfern unser Leben“, sagt er in unserem Interview. „In Wirklichkeit wollen sie leben, sie hoffen, zu überleben. Aber als Soldaten verrichten sie eine Arbeit, die mit tödlicher Gefahr verbunden ist. Und leider kommt es vor, dass Verteidiger fallen, getroffen von feindlichen Kugeln und Granatsplittern. Die ukrainischen Bürger müssen an die Front ziehen, um sich zu verteidigen, denn es gibt niemanden, der dies an unserer Stelle tun könnte! Unser Volk ist gezwungen, an die Front zu gehen, um sein Land zu schützen: Das ist ein so großer Wert, dass es uns schwerfällt, ihn in seiner ganzen Tragweite zu begreifen. Wir nennen es Vaterland, es ist unser gemeinsames Zuhause, unsere gemeinsame Heimat.“

Nach einem russischen Angriff auf Saporischschja an diesem Dienstag (ANSA)
„Krieg ist ganz anders“
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Krieg sei ganz anders, als er sich das früher so vorgestellt habe, sagt der Bischof außerdem. „Diese Realität ist völlig anders. Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass Krieg genau so ist. Wirklich, der hl. Johannes Paul II. hatte voll und ganz recht, als er sagte: Krieg ist eine große Geißel, und wenn auch nur die geringste Möglichkeit dazu besteht, muss alles getan werden, um ihn zu vermeiden. Der Frieden ist ein unermessliches Geschenk, während der Krieg ein unermessliches Übel für jeden ist, der darin verwickelt ist.“
Er habe mittlerweile „zutiefst verstanden, dass das Gebet für den Frieden von unschätzbarem Wert ist“. „Denn der Frieden ist ein äußerst kostbares Gut. Wahrscheinlich wird einem dieser Wert vor allem dann bewusst, wenn der Frieden schwindet, wenn Krieg herrscht und wenn alle in Gefahr sind: Kinder, ältere Menschen, Schwache und Starke, ohne Ausnahme. Dann begreift man, wie sehr der Frieden, die Abwesenheit des Krieges, ein unschätzbares Geschenk für ein Volk und eine Nation ist.“
Solidarität, die Mut macht
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Hoffnung macht ihm immerhin die „Erfahrung von Solidarität“: So viele Menschen aus allen Teilen der Welt stünden in diesem Moment der Prüfung an der Seite des ukrainischen Volkes. „Das ist ein ganz großes Geschenk. Diese Solidarität entsteht nicht aus Zwang, sondern sprudelt direkt aus dem Herzen; sie ist die Stimme des Herzens der Menschen. Und all das gibt uns viel Kraft und Hoffnung. Lasst uns weiterhin beten, dass dieser Krieg so schnell wie möglich endet!“
Der Lateinischen Kirche der Ukraine gehören ungefähr zwei Prozent der Bevölkerung an, vor allem im Westen des Landes rund um Lviv (Lemberg). Die größte katholische Kirche des Landes ist die griechisch-katholische, zu der sich ca. acht Prozent der Bevölkerung bekennen. Sie feiern den Gottesdienst im byzantinischen Ritus.
Das Gespräch mit Bischof Vitalij Skomarovskyi führten Schwester Alina Petrauskaite und Svitlana Dukhovych vom ukrainischen Dienst von Vatican News und Radio Vatikan.
vatican news – sk, 25. August 2026
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25. August 2026,


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