Ältester Trappist der Welt und Überlebender der Mao-Verfolgung in Hongkong gestorben
Quelle
China: Ältester Trappistenmönch der Welt verstorben – Vatican News
Basilika Unsere Liebe Frau von Liesse von Liesse-Notre-Dame – Entdecken Sie dieses offene und einladende religiöse Gebäude | Offene Kirchen
Maria, Königin von China – St. Antonius Kirche

Von Alexander Folz
Hong Kong – Mittwoch, 12. August 2026
Der älteste Trappist der Welt, Pater Benedict Chao OCSO, ist im Alter von 108 Jahren in Hongkong gestorben. Mit ihm hat die Abtei Unserer Lieben Frau von der Freude auf der Insel Lantau den letzten Mönch verloren, der die kommunistische Verfolgung in China überlebte und die Gemeinschaft 1956 in der damaligen britischen Kolonie neu aufbaute.
„Angesichts des Heimgangs von Pater Benedict Chao von Lantau am 31. Juli möchten wir unsere Ehrfurcht vor jenen erneuern, deren langes Leben weiterhin ganz Gott dargebracht wird, in Schweigen, Gebet und Arbeit“, hieß es in einer Mitteilung des Ordens der Zisterzienser von der strengeren Observanz vom 1. August.
Chao starb am 31. Juli, wie die zum Päpstlichen Institut für die auswärtigen Missionen (PIME) gehörende Nachrichtenagentur AsiaNews berichtete. Nach Angaben des Ordens stand er 79 Jahre in Ordensgelübden und war 77 Jahre Priester. Das Begräbnis findet am Freitag, dem 14. August, in der Abtei statt.
Als älteste Trappistin der Welt gilt nun Schwester Sebastiana Yamaguchi Teruko aus der Abtei Imari in Japan. Geboren wurde sie am 15. Oktober 1918, sie ist also 107 Jahre alt.
Chao kam 1918 in Chengting in der nordchinesischen Provinz Hebei zur Welt. Im Jahr 1941 trat er mit 23 Jahren in die dortige Abtei Unserer Lieben Frau von der Freude ein, die auch unter ihrem französischen Namen Liesse bekannt war.
Gegründet worden war sie 1928 als Tochterkloster der Abtei Unserer Lieben Frau vom Trost im Gebirge von Yangjiaping, rund 130 Kilometer nördlich von Peking. Diese erste Zisterzienserabtei Chinas hatten Mönche der französischen Abtei Notre Dame de Sept-Fons 1883 errichtet.
In Yangjiaping lebten 1947 rund 75 Mönche, die meisten von ihnen Chinesen. Über die Anziehungskraft des beschaulichen Lebens auf die Menschen des Landes schrieb Dom Louis Brun, der dritte Abt von Unserer Lieben Frau vom Trost: „Man hat gesagt, die Chinesen hätten eine gewisse Begabung zur Kontemplation und seien mehr als manche anderen Völker für das kontemplative Leben veranlagt, und das wird ihrer Nüchternheit zugeschrieben, ihrem harten Leben, dem Vorhandensein vieler buddhistischer und taoistischer Klöster, dem nachdenklichen Wesen des Volkes, das weniger zum Handeln neigt als die Europäer […]. Man könnte sagen, was viele als Paradox ansehen werden, dass die Regel des heiligen Benedikt für die Chinesen geschrieben zu sein scheint.“
Bereits 1937 hatten japanische Truppen das Kloster in Chengting besetzt. Mehrere Mönche wurden damals inhaftiert oder getötet. Im Jahr 1947, in dem Chao seine ewigen Gelübde ablegte, begann jedoch das schwerste Kapitel der Verfolgungen.
Zuerst traf es das Mutterkloster Yangjiaping. Nachdem kommunistische Truppen im Sommer 1947 die gegnerischen Linien durchbrochen hatten, ermunterten sie die Bewohner der umliegenden Dörfer, die Abtei zu plündern.
Vor einem Revolutionsgericht wurden die Mönche öffentlich geschlagen und gefoltert, um sie zur Abkehr vom Glauben zu zwingen. Am 30. August brannten die Kommunisten die Reste des Klosters nieder und trieben alle Mönche auf einen Todesmarsch durch die Gebirge Nordchinas.
Die Hände mit Ketten oder Draht gefesselt, mussten die Mönche bei sintflutartigem Regen die Alten und Kranken auf den Schultern tragen. Sie durften nicht miteinander sprechen und wurden ausgepeitscht, wenn man sie im Halbschlaf oder beim stillen Gebet ertappte. Bis zu drei Mönche starben täglich an Erschöpfung und Entbehrung.
Im Januar 1948 wurden nach einem letzten Volksgericht in Panpou der 29-jährige Subprior Pater Chrysostomus Chang und fünf weitere Mönche erschossen. Zuvor sagte Chang zu seinen Mitbrüdern: „Wir sterben für die Sache Gottes. Erheben wir unsere Herzen ein letztes Mal zu ihm in der völligen Hingabe unseres Seins.“
Dem Kloster Liesse, in dem der junge Pater Chao lebte, erging es nicht anders. Auch die zweite Trappistenniederlassung in Hebei wurde in dieser Zeit von den Kommunisten angegriffen. Zwei Mönche kamen ums Leben, die übrigen flohen nach Xindu bei Chengdu in der Provinz Sichuan, die damals noch unter nationalchinesischer Kontrolle stand.
Der Abt hielt auch diese Zuflucht für vorübergehend. Deshalb sorgte er dafür, dass wenigstens ein Teil der Mönche China verließ, unter ihnen Chao. Sie gelangten in das Kloster Notre-Dame-des-Prairies in der kanadischen Provinz Manitoba. Im Jahr 1951 wurde die Gemeinschaft in Xindu tatsächlich aufgelöst.
Aus der Gruppe der nach Kanada geflohenen Mönche entstand der Plan, die Gemeinschaft in Hongkong neu zu gründen. Auf Bitten von Bischof Enrico Valtorta PIME wies der britische Gouverneur ihnen ein unbewohntes Grundstück auf den Höhen der Insel Lantau zu. Dort errichteten acht Mönche das Kloster mit eigenen Händen. Eingeweiht wurde es am 19. Februar 1956.
Im Jahr 1974 wählten die Mönche Chao zum dritten Prior der wiedererstandenen Gemeinschaft. Er übte das Amt bis 1998 aus. Ein Jahr später erkannte der Orden die Niederlassung auf Lantau als selbständige Abtei an. Seit Januar 2000 trägt sie wieder den Namen, den das Kloster in Hebei getragen hatte: Abtei Unserer Lieben Frau von der Freude.


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