Schweiz: Piusbrüder weihen vier Bischöfe ohne päpstliches Mandat
In Ecône im Schweizer Wallis hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. an diesem Mittwoch gegen das ausdrückliche Verbot des Papstes vier Bischöfe geweiht. Tausende von Menschen waren bei der Feier anwesend

Quelle
Papst appelliert an Piusbrüder: “Kehrt um!” – Vatican News
Salvatore Cernuzio – Vatikanstadt
Leo XIV. hatte die Piusbrüder in einem letzten, eindringlichen Brief vom 29. Juni unter Verwendung einer biblischen Metapher gebeten, das nahtlose Gewand Christi “nicht zu zertrennen”. Doch der Appell des Papstes blieb wirkungslos. Die Lefebvrianer vollzogen am Mittwoch die Weihe von vier Bischöfen ohne päpstliches Mandat, wobei die neuen Bischöfe die liturgische Frage “Habetis mandatum apostolicum?” einfach bejahten. Die Bruderschaft beruft sich auf die Notwendigkeit, die Kontinuität und das Überleben ihrer Gemeinschaft zu gewährleisten. Kardinal Victor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, sowie Papst Leo XIV. selbst hatten eindringlich vor dem schismatischen Akt gewarnt.
Die Zeremonie in Ecône
Mehr als tausend Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen sowie ungefähr 15.000 Laien nahmen an der Feier teil, die um 9 Uhr in einer weißen Zeltkonstruktion neben dem Seminar der Bruderschaft begann. Die Veranstaltung wurde in sechs Sprachen auf der Website der Piusbrüder per Livestream übertragen. Auf der Seite war in den vergangenen Tagen ein Countdown bis zur Zeremonie gestartet worden.
Die vier neugeweihten Bischöfe sind: Pascal Schreiber, Schweizer, 53 Jahre alt, 1998 in Ecône zum Priester geweiht; Michael Goldade, gebürtig aus North Dakota und in Kansas (USA) aufgewachsen; sowie Michel Poinsinet de Sivry, 42 Jahre alt, und Marc Happier, 36 Jahre alt, beide Franzosen. Die Handauflegung, die eine Exkommunikation latae sententiae nach sich zieht, wurde von Bischof Alfonso de Galarreta, dem Hauptkonsekrator, und Bischof Bernard Fellay, dem Mitkonsekrator, vorgenommen – also den noch lebenden der vier Bischöfe, die am 30. Juni 1988 unerlaubt von Erzbischof Marcel Lefebvre geweiht worden sind.
Die Ansprache des Generaloberen Pagliarani
Zu Beginn der Liturgie hielt der Generalobere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, eine kurze Ansprache, in der er erklärte: “Wir sind bereit, jeden Preis zu zahlen, um die Kirche zu retten.” Er sprach von einem “völlig außergewöhnlichen Umstand”, da “die kirchlichen Autoritäten seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil bis heute eine dem Glauben entgegenstehende Haltung an den Tag legen und gegen die heilige Tradition handeln”. Es sei eine “äußerst schwere Pflicht”, so Pagliarani, “diesen Priestern die Gnade des Bischofsamtes zu bringen”. “Wir sind der Ansicht, dass etwaige Strafen oder Zensuren gegen diese Handlung keinerlei Wert haben”, fügte er hinzu. Für die Lefebvrianer, so kommentierte ihr Oberhaupt abschließend, sei dieser Mittwoch daher “ein historischer Tag” und “ein Fest”.
Für die Weltkirche hingegen ist es ein Tag, an dem eine Wunde wieder aufreißt: die Wunde der Spaltung.
vatican news, 1. Juli 2026
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..
Themen
Schweiz
Bischöfe
Heiliger Stuhl
Katholische Kirche
Papst Leo XIV


Schreibe einen Kommentar