Piusbruderschaft betont nach unerlaubten Bischofsweihen “tiefe Freude”
Traditionalistische Piusbruderschaft betont nach unerlaubten Bischofsweihen “tiefe Freude”

Quelle
Katholisches Glaubensbekenntnis der Priesterbruderschaft St. Pius X. | Distrikt Deutschland
“Spaltungen” | Lutherbibel 2017 :: ERF Bibleserver
Von CNA Deutsch Nachrichtenredaktion
Redaktion – Donnerstag, 2. Juli 2026
Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. hat nach den am Mittwoch vorgenommenen Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat über eine “tiefe Freude” gesprochen. Die Bischöfe wurden geweiht, um die Spendung aller Sakramente in der überlieferten Form sicherzustellen.
“Da das Geschenk dieser vier neuen Bischöfe die notwendigen Mittel zur Bewahrung des heiligen Erbes der Tradition garantiert, stellt es wahrlich eine sehr große Gnade für die Bruderschaft selbst und für die ganze Kirche dar”, hieß es in einer Erklärung der Piusbruderschaft vom Mittwoch.
“Dies erfüllt die Priesterbruderschaft St. Pius X. mit tiefer Freude, und sie bringt Gott eine innige Danksagung dar”, so die Erklärung weiter. “Ihr ganz besonderer Dank gilt der allerseligsten Jungfrau Maria, die diese Weitergabe der Fülle des Priestertums ermöglicht hat – zur größeren Ehre Gottes, zur Ehre der Heiligen Kirche und zum Heil der Seelen.”
Nichtsdestotrotz hieß es: “Die Priesterbruderschaft bedauert aufrichtig, dass diese Weihen aufgrund der außergewöhnlichen Umstände ohne die Erlaubnis des Heiligen Vaters erteilt werden mussten. Sie bedauert es insbesondere, dass dem Generaloberen der Bruderschaft nicht die Möglichkeit gewährt wurde, Seine Heiligkeit Papst Leo XIV. persönlich zu treffen, um ihm in kindlicher Verbundenheit die schwerwiegenden Gründe darzulegen, welche diese Zeremonie notwendig machten.”
Erst am Montag, zwei Tage vor den Anfang Februar angekündigten Weihen, hatte sich Papst Leo XIV. in einem Schreiben persönlich an die Piusbruderschaft gewandt: “Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken, weil der schismatische Akt, den ihr begehen würdet, sie des erlaubten und in manchen Fällen auch des gültigen Empfangs der Sakramente berauben würde, welche sie lieben und zu ihrer Heiligung suchen.”
Bischofsweihe ohne päpstlichen Auftrag werden grundsätzlich als gültig – wie etwa innerhalb orthodoxer Kirchen –, aber unerlaubt angesehen. Die Piusbruderschaft beruft sich auf einen Notstand in der Kirche und beklagt unter Berufung auf die kirchliche Lehre bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil verschiedene Irrtümer, etwa in Bezug auf ein falsches Verständnis von Religionsfreiheit, Ökumenismus und der Bewertung anderer Religionen.
Die vier neuen Weihbischöfe, die nach Angaben der Piusbruderschaft keine Jurisdiktion beanspruchen, sondern lediglich die Spendung von Sakramenten in der überlieferten Form sicherstellen sollen, sind Pascal Schreiber aus der Schweiz und Michael Goldade aus den USA sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier aus Frankreich.
Nun bleibt abzuwarten, wie der Vatikan auf die unerlaubten Bischofsweihen reagiert. 1988, als Erzbischof Marcel Lefebvre, der Gründer der Piusbruderschaft und vorher der wichtigste Bischof im französischsprachigen Afrika sowie Generaloberer der Spiritaner, einer damals sehr großen und bedeutenden Missionskongregation, erstmals vier Bischöfe weihte, sprach der Vatikan zwei Tage später von einem schismatischen Akt und erklärte die involvierten Bischöfe für exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob die Exkommunikationen im Jahr 2009 auf. Ein nachfolgender Dialog scheiterte an unvereinbaren Haltungen zum Zweiten Vatikanischen Konzil.
Die Piusbruderschaft sieht sich weiterhin als Teil der katholischen Kirche und betet in der Messe für den amtierenden Papst, wodurch sie sich vom Sedisvakantismus abgrenzt. Gleichzeitig weigert sie sich, verschiedene Punkte wie etwa den modernen Ökumenismus zu akzeptieren, was immer wieder zu Spannungen mit dem Vatikan führt. Sollte eine Spaltung offiziell erklärt werden, so wäre es das erste Schisma, dessen Anhänger im Kanon der Messe für den amtierenden Papst beten.
Das vatikanische Dialogangebot im Februar schlug die Piusbruderschaft aus. Pater Davide Pagliarani, der Generalobere der Piusbruderschaft, begründete dies damit, dass Rom erst in dem Moment, als man die Bischofsweihen angekündigt hatte, “die Wiederaufnahme eines Dialogs vorgeschlagen“ habe, „der daher als verzögernd und bedingt erscheint. Tatsächlich begleitet die ausgestreckte Hand der Dialogbereitschaft leider eine andere Hand, die schon bereit ist, Sanktionen zu verhängen.”
Der Vatikan hatte gefordert, die geplanten Bischofsweihen auszusetzen, um überhaupt einen Dialog zu führen. Der Generalobere betonte indes grundsätzlich: “Ich kann die Öffnung für eine lehrmäßige Diskussion, die der Heilige Stuhl heute bekundet hat, nur begrüßen – aus dem einfachen Grund, dass ich selbst diese vor genau sieben Jahren in einem Schreiben vom 17. Januar 2019 vorgeschlagen hatte. Damals hatte das Dikasterium kein echtes Interesse an einer solchen Diskussion gezeigt, mit der – mündlich dargelegten – Begründung, dass eine lehrmäßige Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. unmöglich sei.”
Vor wenigen Tagen, als die Piusbruderschaft ein umfangreiches katholisches Glaubensbekenntnis veröffentlichte, fügte sie hinzu: “Wir hoffen, dass dieser Grundsatztext eines Tages als Grundlage für eine offene Diskussion mit dem Heiligen Stuhl dienen kann – in einer friedvollen, brüderlichen, von Liebe geprägten Atmosphäre.”
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