Keine Doktrin, sondern ein Ereignis

Zu Nizäa vor 1.700 Jahren: Römisches Theologen-Dokument bekräftigt die Einzigartigkeit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus

Quelle

04.04.2025

Guido Horst

“Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser” ist Titel eines gut 70 Seiten langen Dokuments der “Internationalen Theologischen Kommission”, das der Vatikan gestern veröffentlicht hat. Es erscheint zum 1.700-Jahr-Jubiläum des Ökumenischen Konzil von Nizäa und würdigt die von Kaiser Konstantin einberufene Kirchenversammlung als theologisches und kirchliches Ereignis von überragender Bedeutung.

Die Theologen-Kommission ist beim Dikasterium für die Glaubenslehre angesiedelt. Dessen Präfekt, Kardinal Victor Manuel Fernández, hat die Veröffentlichung genehmigt und Papst Franziskus hat ihr zugestimmt. Eine Unterkommission unter Leitung des französischen Theologen Philippe Vallin hatte mehrere Jahre an dem Text gearbeitet, mitgewirkt haben die in Wien lehrende Theologin Marianne Schlosser und der emeritierte Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke.

Gott als Handelnder in der Geschichte

Gegenstand des Dokuments ist nicht nur ein Text, nämlich das Glaubensbekenntnis, das die Väter des Konzils formuliert haben, wobei die Theologen sich konkret auf das das Symbolum des Konzils von Nizäa-Konstantinopel (381) beziehen und nicht auf das, welches auf dem Konzil von Nizäa beschlossen wurde. Denn, so heißt es zu Beginn des Dokuments, tatsächlich “dauerte es etwa 50 Jahre, bis das Vokabular des Symbolums von Nizäa aufgenommen wurde und man sich über die universelle Bedeutung des ersten Konzils einig war”.

Darüber hinaus geht es den Theologen aber vor allem um ein doppeltes Ereignis: Um das “Christus-Ereignis”, das heißt um den Einbruch Gottes in die Menschheitsgeschichte in der Person des Fleisch gewordenen Worts, und um das Ereignis der Konzils von Nizäa: “Wenn das Christus-Ereignis das Denken erneuert, schreiben die Theologen, “dann erneuert und reinigt, befruchtet und erweitert es auch die menschliche Kultur. Zweifellos ist das Konzil von Nizäa, das den christlichen Glauben für die unter allen Völkern verbreitete Kirche in der griechischen Sprache und mit einem Begriff aus der griechischen Philosophie in Worte fasst, ein kulturelles Ereignis.”

Das Dokument ist deswegen nicht allein textkritisch oder eher historisch, indem es das Konzil von Nizäa mit der Einberufung durch den Kaiser aus den politischen Zusammenhängen von damals erklärt. Sondern es bezeugt Gott als Handelnden in der Menschheitsgeschichte und widerspricht damit allen Versuchen, die Heilige Schrift, die Gestaltwerdung der jungen Kirche und ihr Glaubensbekenntnis in das Reich der religiösen Ideen zu verweisen. Damit dürfte das Dokument zu einer Herausforderung für den theologischen Mainstream an den Universitäten und Hochschulen werden.

Keine Religionsvermischung

Die Kirche ist göttlichen Ursprungs und nicht Menschenwerk, bekräftigen die Autoren. Darum ist Kirche, wie sie in den Bischöfen und Legaten in Nizäa zusammenkam, auch einzigartig und nicht mit anderen Religionen gleichzusetzen: “Die einzigartige Gemeinschaft und Einheit, die durch das Christus-Ereignis in der Kirche gestiftet ist, wird hiermit auf neue Weise durch ein Procedere von universaler Bedeutung sichtbar und wirksam, wie auch die Verkündigung der Frohen Botschaft Christi in ihrer unermesslichen Weite ein Instrument von bislang nicht dagewesener Autorität und Reichweite erhält.”

Nizäa als Auftrag an die Christenheit von heute

Die Theologen heben auch die Bedeutung des Konzils für die heutige Zeit, für die Bemühungen um die Einheit der Christen hervor: “Der Glaube von Nizäa ist, in seiner Schönheit und Größe, der gemeinsame Glaube aller Christen.” Das Jahr 2025 sei daher eine einzigartige Gelegenheit, um zu betonen, “dass das, was wir gemeinsam haben, quantitativ und qualitativ viel stärker ist als das, was uns trennt: Gemeinsam glauben wir an den dreieinigen Gott, an Christus, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist, an das Heil in Jesus Christus, gemäß der Schrift, die in der Kirche und unter der Führung des Heiligen Geistes gelesen wird.”

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Ende Mai werden in der Türkei auf Einladung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus christliche Konfessionen zu einem ökumenischen Gedenken zusammenkommen. Ein konkretes Ziel, das auch das Theologen-Dokument ins Auge fasst, wäre es, auf Dauer ein gemeinsames Datum aller Konfessionen für das jährliche Osterfest zu finden, da das Bekenntnis zum auferstandenen Herrn das konstitutive Element des christlichen Glaubens ist.

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