Bischof Schyrokoradiuk: „Putin macht keinen Frieden“
Der Bischof von Odessa spricht über nächtliche Angriffe, die Not der Menschen und die Hilfe der Kirche. Die Hoffnung auf Frieden ruht für ihn allein auf Gott
Quelle
Die Kirche in der Ukraine – Bemühungen um Frieden | radio horeb Leben mit Gott …
Bischof von Odessa: „In diesem Krieg sind beide Völker Opfer“ – Kirche in Not
Literatur Ukraine
04.04.2025
Meldung
„Diese Nacht war wieder schwer.“ Mit diesen Worten beschreibt der Bischof von Odessa, Stanislaw Schyrokoradiuk, die aktuelle Lage in der ukrainischen Hafenstadt. In einem am Donnerstag geführten Interview mit dem bundesweiten Sender christlicher Prägung Radio Horeb berichtet der römisch-katholische Bischof von wiederholten Drohnenangriffen. Zwar habe das Verteidigungssystem viele Flugobjekte abgefangen, doch es gebe regelmäßig Schäden an Wohnhäusern. „Gott sei Dank keine Toten“, so der Bischof.
Trotz der Angriffe sei die Kirche ein Ort der Hoffnung. „Die Menschen kommen – mehr und mehr“, berichtet Schyrokoradiuk. Neben täglichen Messen sei besonders die seelsorglichen Angebote gut besucht. Die Kirche bete für die Opfer und biete zugleich praktische Hilfe: Lebensmittelverteilungen, Fensterreparaturen, Heizgeräte. Viele dieser Maßnahmen erfolgten mit Unterstützung von Caritas International.
„Wir wissen, was Stalinismus und das sowjetische System bedeuten“
Schwer belaste ihn der seelsorgliche Dienst bei Beerdigungen. „In die Augen der Witwen und Kinder zu schauen und auf die Frage nach dem Warum und Wozu zu antworten.“ Die Ukraine habe keine Wahl: Sollte Russland siegen, drohten Repression, Entrechtung und ein Rückfall in totalitäre Systeme. „Wir wissen, was Stalinismus und das sowjetische System bedeuten.“
Auf internationale Friedensbemühungen blickt der Bischof mit Zurückhaltung. Eine Waffenruhe mit Russland sei aus seiner Sicht nicht vertrauenswürdig. „Putin macht keinen Frieden. Er will weiterkämpfen.“ Hoffnung dürfe nicht auf Fürsten gesetzt werden, sondern allein auf Gott, betont der Bischof. Positiv hebt er hervor, dass Europa wach geworden sei. „Heute Ukraine, morgen Polen – das haben viele verstanden.“
Große Dankbarkeit äußert Schyrokoradiuk für die Hilfe des Vatikans und internationaler Partner. Der Papst bete regelmäßig für die Ukraine, Kardinal Krajewski bringe Hilfsgüter, auch Werke wie Renovabis, Caritas und Kirche in Not seien verlässliche Unterstützer.
Der Krieg habe den Glauben vieler Menschen vertieft. „Wir hoffen heute mehr auf Gott als früher“, so der Bischof. Inmitten von Leid und Zerstörung sei es ein Wunder, dass sich die Ukraine seit drei Jahren verteidige. „Gott ist mit uns – und deshalb kämpfen wir weiter.“
DT/jna
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