Schewtschuk: Freiheit und Würde der Ukraine stehen auf dem Spiel

Der Kiewer Großerzbischof betont, dass die Ukraine nicht nur um ihr Staatsgebiet kämpfe, sondern auch um ihre Freiheit und Existenz als Nation. Doch auch im Krieg dürfe man auf Gott vertrauen

Schewtschuk: Freiheit und Würde der Ukraine stehen auf dem Spiel | Die Tagespost
Grosserzbischof Schewtschuk

20.02.2025

Meldung

“Ein Krieg um die Würde der Menschen ist, wie wir jetzt sehen, zu einem Kampf um das bloße Überleben des Volkes geworden.” Dies hat der Kiewer Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk am Dienstag in einer Rede an der “Catholic University of America” in Washington erklärt.

Russland strebe mit seiner Aggression nicht nur militärische Kontrolle an, sondern stelle die Existenz der Ukraine als souveräne Nation infrage.

Kein rein militärischer Konflikt

Der Kirchenführer erinnerte an die “Revolution der Würde” im Jahr 2014, als ukrainische Bürger gegen die Weigerung des damaligen Präsidenten Wiktor Janukowytsch protestierten, ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union zu unterzeichnen. Die Demonstrationen auf dem Maidan in Kiew wurden blutig niedergeschlagen, mehr als hundert friedliche Protestierende kamen ums Leben. Diese Ereignisse, so Schewtschuk, hätten gezeigt, dass der Wunsch des ukrainischen Volkes nach einem Leben in Freiheit und Würde eine grundlegende Bedrohung für das russische Herrschaftsverständnis darstelle.

Der promovierte Theologe betonte, dass der seit 2014 andauernde Krieg nicht als rein militärischer Konflikt verstanden werden dürfe. Es gehe nicht nur um Landgewinne oder geopolitische Einflusszonen, sondern um die grundlegende Frage, ob ein Volk das Recht habe, seine eigene Zukunft zu bestimmen. Die russische Invasion sei ein direkter Angriff auf die Würde des Menschen.

Schewtschuk verwies in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Berichte von Massakern: “Wir erinnern uns an die Massengräber von Butscha und Isjum, an die Bombardierung des Entbindungsheimes in Mariupol und an die unzähligen Angriffe auf Wohnhäuser, Schulen und Krankenhäuser.” Besonders erschütternd seien die Berichte von ehemaligen Gefangenen über Folter, Demütigungen und unmenschliche Haftbedingungen in russischen Lagern.

Hoffnung nicht verlieren und auf Gott vertrauen

Trotz der verheerenden Lage rief der Großerzbischof dazu auf, nicht die Hoffnung zu verlieren. “Wir wissen, dass Christus bereits über das Böse gesiegt hat”, erklärte der Bischof. Die Ukraine setze ihre Hoffnung auf Gott, aber auch auf die Unterstützung der freien Welt. Dabei betonte Schewtschuk, dass es keine einfache oder schnelle Lösung für den Krieg geben könne.

Der in der Ukraine geborene Großerzbischof sprach sich gegen Vorschläge aus, die eine Verhandlungslösung auf Basis von Gebietsabtretungen beinhalten. Ein echter Frieden könne nur auf Gerechtigkeit beruhen. Dazu gehörten nicht nur die Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine, sondern auch die strafrechtliche Aufarbeitung der begangenen Verbrechen. “Ein Kompromiss ist nicht möglich, wenn eine Seite das Existenzrecht der anderen leugnet”, betonte der Geistliche.

In seiner Rede hob der Schewtschuk auch die Rolle der Kirche inmitten des Krieges hervor. Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche habe es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen in dieser schweren Zeit zu stützen – durch geistlichen Beistand, humanitäre Hilfe und die Verbreitung der Wahrheit über die Kriegsgeschehnisse.

Der Geistliche berichtete von Gottesdiensten, die trotz Luftangriffen abgehalten wurden, und von Priestern, die in umkämpften Gebieten blieben, um den Gläubigen beizustehen. “In diesem Jahr wurde die Christmette in Kiew nicht in der Kathedrale gefeiert, sondern in deren Krypta, die als Luftschutzkeller dient. Gott hat sich entschieden, nicht in einer Krippe, sondern in einem Bunker geboren zu werden”, erklärte der Großerzbischof.

Keine Macht kann das Licht auslöschen

Trotz des Leids rief Schewtschuk dazu auf, die Hoffnung nicht zu verlieren. Hoffnung sei mehr als ein Wunsch. Sie sei die Gewissheit, dass Gott an der Seite der Menschen stehe, selbst in den dunkelsten Momenten. Der Krieg versuche, Hoffnung zu zerstören, doch Christus habe das Böse bereits besiegt. “Keine Macht kann das Licht seiner Auferstehung auslöschen”, betonte das Kirchenoberhaupt. Der Feind wolle Angst und Verzweiflung säen, doch die Gläubigen dürften sich nicht entmutigen lassen.

Die Kraft der Ukraine liege im Vertrauen auf Gott und im Glauben an seine Wahrheit, so Schewtschuk, der 2011 zum Großerzbischof gewählt wurde. Diese Hoffnung werde auch durch die Solidarität der internationalen Gemeinschaft gestärkt, und zwar durch all jene, die das Leid der Ukraine nicht ignorieren, sondern sich zuwenden und helfen.

DT/jna

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