Die Wunden des Krieges

In der Ukraine wird auch die Sicherheit der Weltordnung verteidigt, schreibt der griechisch-katholische Bischof von Lemberg, Wolodymyr Hruza – und betont, welche Rolle der Glaube im Krieg spielt

Quelle
Österreichs Kirche: Gerechter Frieden statt “Deal” | Die Tagespost
UNO/Ukraine: Heiliger Stuhl fordert Ende des Konflikts – Vatican News
Ukrainischer Weihbischof: Alle sind “in irgendeiner Form verletzt oder traumatisiert”

25.02.2025

Wolodymyr Hruza

Es ist nun schon drei Jahre her, dass die scharfe Phase des Krieges in der Ukraine ausgebrochen ist. All das passiert im 21. Jahrhundert in Europa! Ich aber danke Gott für diese Zeit. Das könnte auf den ersten Blick unverständlich sein: Wie kann man für die Kriegsjahre dankbar sein? Der Krieg hat so viele Opfer und so viel Not mit sich gebracht. Der Krieg brachte nicht zuletzt Störungen in der Weltordnung.

Nach etlichen Analysen sollte Ukraine spätestens im März 2022 nicht mehr existieren. Dies hätte bedeutet: Verfolgung und Genozid. In diesem Sinne gilt unsere große Dankbarkeit, denn die Ukraine lebt, sie verteidigt sich und betet. Wir danken und beten für unsere Helden, die ihr Leben für die Nächsten geopfert haben. Diese drei Jahre waren nicht nur die Zeit der großen Not. Es waren zugleich Jahre der Hoffnung, dass es bald vorbei sei. Jeder Mensch, der in der Ukraine lebt, ist vom Krieg mitbetroffen und traumatisiert. Beim Zubettgehen fragt man sich immer wieder: Wie wird wohl diese Nacht werden? Mit dieser Angst schlafen die Menschen ein, vor allem auch die Kinder, die ja zum Teil überhaupt nicht verstehen, was da passiert, und deren Eltern immer voller Sorge sind. Wie oft wurden sie nachts schon aus dem Schlaf gerissen, um in einen der Schutzbunker zu flüchten, welche auch als unsere Gotteshäuser dienen.

Familien am Rand totaler Erschöpfung

In vielen Familien fehlen die Väter und die Brüder, die an der Front das Land verteidigen. Die Angehörigen bangen um sie. Es ist sehr dramatisch, wenn die Gefallenen von der Front zurückkehren. Besonders furchtbar ist es auch, wenn jemand vermisst wird. Das ist kaum zu verarbeiten. Denn diese Ungewissheit, ob der Vermisste tot ist oder irgendwo in Haft sitzt, zermürbt und führt die Familien an den Rand totaler Erschöpfung.

Viele Menschen eint derselbe Schmerz des Verlustes; sie fühlen sich unter Gleichbetroffenen am besten verstanden. Dabei beobachte ich immer wieder, dass Menschen, die an Gott glauben, ihr Schicksal leichter ertragen. Der christliche Glaube hilft ihnen, das Schlimmste auszuhalten und in dieser verzweifelten Lage zu überleben. Uns ist sehr wichtig, die Wunden des Krieges zu heilen. Die Kirche spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie hat die Mittel und Schätze für diese Heilung. Ich danke vielen für das Gebet, für die Unterstützung und für jedes Solidaritätszeichen. Es stärkt und ermutigt uns, weiter zu gehen. Wir haben große eine Verpflichtung und Verantwortung gegenüber den Kriegsopfern und den kommenden Generationen.

Es geht auch um die Sicherheit der Weltordnung. Es gibt keinen Weg zurück, denn das wäre ein Weg in die Knechtschaft. Der Mensch wurde als Bild Gottes geschaffen. Jeder Mensch hat ein Grundrecht, auf seiner Erde frei zu leben und die Kindschaft Gottes zu genießen.

Der Autor ist griechisch-katholischer Bischof in Lemberg (Lviv)

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