Das Heilig Jahr hat begonnen
Hoffen heißt, das Falsche zu ändern – “Die Waffen mögen schweigen”: Papst Franziskus öffnet die Heilige Pforte im Petersdom und bittet um Frieden für die Welt
25.12.2024
Meldung
Im Zeichen der Hoffnung – nicht zuletzt auf mehr Friede in einer von Kriegen gezeichneten Welt – hat das Heilige Jahr 2025 begonnen. Am Heiligen Abend bewegte sich Papst Franziskus als erster durch die Heilige Pforte im Petersdom – im Rollstuhl, wie man schon erwartet hatte. Gefolgt von einer langen Reihe von Kardinälen, aber auch von 54 Laien aus fünf Kontinenten, und schließlich der italienischen Ministerpräsidentin Georgia Meloni an der Spitze einer Delegation des italienischen Staates und Botschaftsangehörigen anderer Länder.
“Ändern, was falsch ist”
“Pilger der Hoffnung“ lautet des Motto des Heiligen Jahrs. Die feierliche Messe zur Geburt des Herrn und zur Öffnung der Heiligen Pforte zelebrierte der Dekan des Kardinalskollegiums, Kardinal Giovanni Battista Re. Franziskus stand dem Gottesdienst mit etwa 6.000 Gläubigen im Petersdom vor, er hielt die Predigt und ging dabei auf die Tugend der Hoffnung ein, die keine passive Haltung sei, sondern dazu führen müsse, aktiv zu werden: “Denn die christliche Hoffnung ist kein Happy End, wie in einem Film, das wir passiv erwarten: Sie ist die Verheißung des Herrn, die wir hier und jetzt, in dieser Welt, die leidet und seufzt, aufnehmen sollen. Sie fordert uns daher auf”, sagte der Papst weiter, “zu eilen, nicht im gewohnten Trott weiterzuziehen, nicht in Mittelmäßigkeit und Trägheit zu verharren. Der heilige Augustinus würde sagen, sie fordert uns auf, uns über die Dinge, die falsch sind, zu empören und den Mut zu haben, sie zu ändern; sie fordert uns auf, zu Pilgern auf der Suche nach der Wahrheit zu werden, zu Träumern, die nicht müde werden, zu Frauen und Männern, die sich von Gottes Traum aufrütteln lassen, dem Traum von einer neuen Welt, in der Frieden und Gerechtigkeit herrschen.”
Autofrei zur Heiligen Pforte
Auf dem Petersplatz verfolgten etwa nochmals 6.000 Gläubige die Messe im Inneren des Petersdoms. Geprägt war der Abend von ungewöhnlicher Kälte – und von strengen Sicherheitsvorkehrungen. Unter dem Eindruck des Attentats von Magdeburg hatten die Polizeikräfte ihre Präsenz und zahlreiche Kontrollen nochmals verstärkt. Pünktlich zur Eröffnung des Heiligen Jahrs ist die Via della Conciliazione jetzt zur autofreien Zone geworden. Die letzte Strecke bis zur Heiligen Pforte für Millionen von Pilgern, die 2025 in Rom erwartet werden, beginnt jetzt unten am Tiber an einem kreisrunden Brunnen auf der Piazza Pia neben der Engelsburg, während der Autoverkehr durch einen Tunnel unter der Piazza fließt. Von dort geht es über die Via della Conciliazione hinauf zum Petersdom. Morgen öffnet Franziskus eine zweite Heilige Pforte im römischen Gefängnis Rebibbia.
“Bringt die Waffen zum Schweigen”
Die Hoffnung auf mehr Frieden in der Welt war dann auch die zentrale Botschaft des Papstes bei der Ansprache zum Segen “Urbi et orbi” am heutigen Weihnachtsfeiertag. “An diesem Weihnachtsfest, dem Beginn des Heiligen Jahres“, sagte der Papst von der Loggia des Petersdoms aus“, lade ich alle Menschen, alle Völker und Nationen ein, den Mut zu haben, durch die Pforte hindurchzugehen, zu Pilgern der Hoffnung zu werden, die Waffen zum Schweigen zu bringen und die Spaltungen zu überwinden!“ Zuerst nannte Franziskus den Krieg in der Ukraine und in Nahost: “Die Waffen sollen in der gemarterten Ukraine schweigen! Habt den Mut, die Tür für Verhandlungen sowie für Gesten des Dialogs und der Begegnung zu öffnen, um zu einem gerechten und dauerhaften Frieden zu gelangen. Die Waffen sollen im Nahen Osten schweigen! Mit festem Blick auf die Krippe von Betlehem denke ich an die christlichen Gemeinden in Israel und Palästina, insbesondere in Gaza, wo die humanitäre Lage äußerst ernst ist. Es gebe eine Waffenruhe, die Geiseln sollen freigelassen und die von Hunger und Krieg zermürbte Bevölkerung versorgt werden.”
Afrika: Ein Kontinent leidet
Von der Ukraine und dem Heiligen Land ging der Friedensappell des Papstes hin zu weiteren Krisengebieten der Erde: “Ich bin auch der christlichen Gemeinschaft im Libanon nahe, vor allem im Süden, und derjenigen in Syrien in diesem besonders heiklen Moment. Es sollen sich die Türen des Dialogs und des Friedens in der ganzen durch Konflikte zerrissenen Region öffnen.”
Ausführlich nahm der Papst Afrika in den Blick: “Ich möchte an dieser Stelle auch an das libysche Volk denken und dazu ermutigen, Lösungen zu suchen, die eine nationale Versöhnung ermöglichen. Die Geburt des Erlösers möge den Familien von Tausenden Kindern, die an einer Masernepidemie in der Demokratischen Republik Kongo sterben, sowie den Menschen im Osten des Landes und denen in Burkina Faso, Mali, Niger und Mosambik eine Zeit der Hoffnung bringen. Die humanitäre Krise, von der sie betroffen sind, wird hauptsächlich durch bewaffnete Konflikte und die Geißel des Terrorismus verursacht sowie durch die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels verschärft, die zum Verlust von Menschenleben und zur Flucht von Millionen von Menschen führen. Ich denke auch an die Völker in den Ländern am Horn von Afrika, für die ich das Geschenk des Friedens, der Eintracht und der Geschwisterlichkeit erflehe. Der Sohn des Allmächtigen Gottes unterstütze die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, den Zugang der Zivilbevölkerung im Sudan zu humanitärer Hilfe zu begünstigen und neue Verhandlungen im Hinblick auf einen Waffenstillstand einzuleiten.”
“Das schwierigste Jahr aller Zeiten”
Sehr präsent war in den italienischen Medien der lateinische Patriarch von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa. Er hatte zunächst am Sonntag einen Gottesdienst in der katholischen Pfarrei im Gaza-Streifen gefeiert, dann zog er am 24. Dezember in Bethlehem im Westjordanland mit Hunderten Pfadfindern durch die Straßen der Stadt zur Geburtskirche. In Solidarität mit den Menschen im Gaza-Streifen gab es keine leuchtende Weihnachtsdekoration, auch keine Musik, stattdessen sangen die Pfadfinder. Dennoch war die Ansprache Pizzaballas auf dem Krippenplatz in Bethlehem auch ein Aufruf zur Hoffnung: Das Jahr 2024 sei “das schwierigste Jahr aller Zeiten” für die Region gewesen. “Aber wir dürfen dem Krieg nicht erlauben, dass er unser Leben zerstört.” “Wir geben nicht auf, niemals“, rief der Patriarch aus und bat die Pilger in aller Welt, wieder ins Heilige Land zu kommen. Er habe die Hoffnung, meinte Pizzaballa unter Applaus, dass Bethlehem im nächsten Jahr den größten und schönsten Weihnachtsbaum aller Zeiten aufstellen werde.
DT/gho
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