Wer ist hier Müll?

Wird die Puerto-Rico-Episode die US-Wahl entscheiden? Das Niveau des Wahlkampfes ist jedenfalls im Keller angekommen. Die echten Probleme bleiben auf der Strecke

Quelle

31.10.2024

Maximilian Lutz

Ein “Haufen Erbärmlicher” (basket of deplorables) sei die Hälfte der Anhänger Donald Trumps, erklärte Hillary Clinton in der finalen Phase des US-Wahlkampfs 2016. Mit diesen Worten, so die politische Legende, könnte sich die damalige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten um den Wahlsieg gebracht haben. Die Äußerung wurde sinnbildlich zu einer unter zahlreichen amerikanischen Linksliberalen verbreiteten Haltung gegenüber Trump-Wählern. Mit ihr lässt sich auch 2024 noch erklären, warum sich viele Wähler von sogenannten “Establishment-Politikern” ab- und dem vermeintlichen Außenseiter Trump zugewandt haben.

Wenige Tage bevor sich Amerika entscheiden muss, ob es Donald Trump noch einmal das Weiße Haus anvertraut oder doch eher Kamala Harris, sorgt der amtierende US-Präsident Joe Biden mit einem ähnlichen verbalen Faux-pas für Schlagzeilen. Nachdem der Komiker Tony Hinchcliffe bei einer Trump-Kundgebung im New Yorker “Madison Square Garden” das US-Außengebiet Puerto Rico als “schwimmende Müllinsel” bezeichnet hatte, entgegnete Biden in einem Telefonat mit Latino-Vertretern offenbar: Der einzige Müll, den er sehe, seien Trumps Anhänger. Das Weiße Haus versuchte zwar, die eher dahingestotterten Worte des Präsidenten in einem offiziellen Transkript noch klarzustellen. Die Worte – und die für die Demokraten äußerst ungünstige Deutung – waren aber in der Welt.

Lösungsorientiert tritt keiner auf

Die Republikaner frohlocken: Sie erhoffen sich eine Wiederholung des Momentums, das ihnen das Clinton-Zitat 2016 verschaffte. In jedem Fall aber lenkt Bidens Patzer von der Diskussion um die unsäglichen Äußerungen Hinchcliffes ab, für die inzwischen sogar der Erzbischof von Puerto Rico eine Entschuldigung fordert. Die abfälligen Worte über die Karibikinsel waren nicht einmal der einzige Fehltritt, den sich der Komiker mit seinem Auftritt erlaubte. Seine derben Bemerkungen über das Fortpflanzungsverhalten von Latinos und Hispanics schafften es nur nicht im selben Maße in die Schlagzeilen.

Wem die Puerto-Rico-Episode am Ende mehr schaden wird, wenn sie sich denn überhaupt auf das Wahlverhalten auswirkt, muss der 5. November zeigen. Schon jetzt lässt sich sagen, dass das Niveau im Wahlkampf auf einem Tiefpunkt angekommen ist. Dabei gäbe es beileibe genügend Herausforderungen, denen sich die Präsidentschaftskandidaten zuwenden könnten, ja müssten: Krisen und Kriege in allen Winkeln der Erde, ein ungelöstes Migrationsproblem an der US-Südgrenze, eine wirtschaftliche Erholung, von der amerikanische Durchschnittsbürger kaum etwas spüren, eine zunehmende Entfremdung der Bürger von der politischen Klasse und eine schier unüberwindbar scheinende Spaltung des Landes.

Doch lösungsorientiert tritt keiner der beiden Kandidaten auf. Weder Trump mit seiner düsteren Endzeit-Rhetorik. Noch Harris, die sich darauf versteift, den Republikaner als ultimative Bedrohung für die Demokratie und den Weltfrieden darzustellen, anstatt mit einer klar umrissenen eigenen Botschaft zu punkten. Dass sich daran nach dem 5. November etwas ändern wird, sollte keiner erwarten.

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