Kardinal Luis Ladaria: Klar in der Sache, sanft im Ton

Der ehemalige Glaubenspräfekt und Kritiker des Synodalen Weges feiert am Freitag seinen 80. Geburtstag

Quelle
“Der Punkt ist, dass man die Wahrheit akzeptieren muss” | Die Tagespost (die-tagespost.de)
Kardinal Ladaria

18.04.2024

Dorothea Schmidt

15 Jahre lang war der spanische Kurienkardinal Luis Ladaria Ferrer ein wichtiger Mann in der Glaubensbehörde des Vatikans, davon sechs Jahre (2017 bis 2023) als Glaubenspräfekt. Er war bekannt für seine höflichen, aber klaren Ansagen in theologischen Streitfragen. Kurz bevor seine Amtszeit 2023 zu Ende ging, äußerte er grundsätzliche Bedenken zum deutschen Synodalen Weg. Am Freitag feiert der Kurienkardinal seinen 80. Geburtstag.

Mit Vollendung des 80. Lebensjahres verliert ein Kardinal nicht nur seine noch verbliebenen Ämter im Vatikan, sondern auch das Recht, an einer künftigen Papstwahl teilzunehmen. Geboren ist der Spanier auf Mallorca. Er studierte erst Jura und trat in den Jesuitenorden ein, bevor er sich fürs Theologiestudium an der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt entschloss, was einen steile Laufbahn in der Kirche nach sich zog.

Von Benedik XVI. in die Glaubensbehörde berufen

Ab 1984 lehrte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana katholische Dogmatik, bis Benedikt XVI. ihn 2008 zum Sekretär der vatikanischen Glaubenskongregation berief, der wichtigsten Behörde zur Klärung dogmatischer Fragen in der katholischen Kirche. Damals war der deutsche Kardinal und Dogmatik-Professor Gerhard Ludwig Müller Chef dieser Behörde.

2017 wurde Ladaria Müllers Nachfolger. Er hatte das Amt bis September 2023 inne. Anders als sein Vorgänger Müller und sein Nachfolger Victor Fernández hielt sich Ladaria mit öffentlichen Äußerungen jenseits der offiziellen Texte seiner Behörde stets zurück. Dennoch sorgte er für einiges Aufsehen.

Kritik am Synodalen Weg

Im März 2021 teilte er in einem Dokument mit Bezug auf den Synodalen Weg in Deutschland mit, dass die katholische Kirche keine Vollmacht habe, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen. Ende 2022, nach dem Ad-Limina-Besuch der deutschen Bischöfe in Rom, kritisierte er gemeinsam mit anderen Kurienkardinälen den deutschen Reformweg höflich, aber sehr deutlich.

In einer Stellungnahme war zu lesen, dass Rom Bedenken und Vorbehalte gegenüber Methodik, Inhalten und Vorschlägen des Synodalen Weges habe. Ladaria und seine Amtsbrüder forderten die katholische Kirche in Deutschland auf, die Einheit mit der Weltkirche in entscheidenden Fragen der Lehre und der sakramental-hierarchischen Verfassung der Kirche zu wahren sowie Fragen zu definieren und zu vertiefen, “die sich auf die Strukturen der Kirche, das Weiheamt und seine Zugangsbedingungen, die christliche Anthropologie und weitere Fragen beziehen”.

Kritik an empfängnisverhütender Anthropologie

Auch sollte der Evangelisierungsauftrag der Kirche in den Prozess miteinbezogen werden. Wörtlich schrieb der Kardinal: “Es wäre wünschenswert gewesen, wenn die Verfasser der Texte und die Vollversammlung des Synodalen Wegs vorsichtiger gewesen wären und mehr Vertrauen in die Vision gehabt hätten, die das Lehramt in den letzten Jahrzehnten in Bezug auf die Sexualität entwickelt hat.”

Ein Jahr später würdigte Ladaria die Enzyklika “Humanae Vitae” und kritisierte künstliche Befruchtung, Abtreibung und Euthanasie als Folge einer falschen, weil empfängnisverhütenden Anthropologie. Sie tendiere dazu, den Körper als Instrument wahrzunehmen und nicht als personelle Wirklichkeit, was in der Formulierung “Mein Körper gehört mir” deutlich werde.

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Weltsynode abgesagt

Beim ersten Treffen der Weltsynode im Oktober 2023 nahm Ladaria auf eigenen Wunsch nicht teil. Papst Franziskus hatte ihn zwar als Teilnehmer nominiert, der damals 79-Jährige gab jedoch an, nicht die Kraft für eine vier Wochen dauernde Debatte aufbringen zu können.

In die Amtszeit von Ladaria fiel zudem eine weitere Neuorganisation der kirchenrechtlichen Verfahren im Umgang mit Geistlichen aus aller Welt, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurden. In diesen Fällen ist das heutige Glaubensdikasterium in letzter Instanz zuständig.

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