Kommt mit und ruht ein wenig aus!

Kommt mit und ruht ein wenig aus! – Predigt 16. Sonntag im Jahreskreis B (18.07.2021)

Quelle
Evangelium/Lesungen
Evangelium Tag für Tag
L1: Jer 23,1-6; L2: Eph 2,13-18; Ev: Mk 6,30-34

Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

In diesen Sommertagen haben viele Menschen etwas Zeit für Urlaub und Erholung, während andere weiterhin arbeiten müssen. Die Worte Jesu im Evangelium dieses Sonntags klingen wie eine Einladung zur nötigen Erholung, denn tatsächlich brauchen wir manchmal etwas Ruhe, um wieder Kraft zu sammeln. Jesus sagt nämlich zu den Aposteln, die erschöpft und ermüdet von ihrer Predigttour zurückgekehrt waren: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus!“ (Mk 6,31)

“Eine gute Form der Erholung, ein Urlaub, kann ja so manches Gute mit sich bringen:

Es geht um eine körperliche Regeneration und Ertüchtigung; wir können uns der eigenen Familie intensiver widmen; wir lernen verschiedene Orte und Sehenswürdigkeiten kennen; wir bewundern die Natur; wir bilden uns fort durch Ausflüge und Reisen in die nähere und fernere Umgebung. Es gilt aber auch, wenn wir das selbst so sehen und wollen: Wir können Gott näherkommen, denn er liebt uns und schenkt uns diese Zeit der Erholung und der Freude.

Da mag es dann auch sein, dass man vielleicht wie von selbst zu beten beginnt, wenn man die Schönheit eines Bergsees oder der Donau erblickt oder wenn man sich für einige ruhige Minuten in eine kühle Kirche zurückziehen kann und so still wird im Herzen. Auch im menschlichen Zusammensein kann sich vieles Schöne und Wunderbare ergeben: wir entdecken neu den Wert der familiären Gemeinschaft und der guten Freundschaft; wir nehmen Anteil an den Freuden und Sorgen anderer Menschen und werden auf diese Weise selber dankbarer im Herzen, da uns schon so viel Gutes im Leben zuteil wurde. Vielleicht gelingt es uns auch, gewisse Altlasten abzulegen, die uns im Herzen bedrücken, womöglich sogar im Zusammenhang einer guten Beichte. Wir gewinnen eine neue Freiheit, die uns fähig macht, Gott dem Herrn vertrauensvoll unser Herz zu öffnen und uns ihm ganz zu schenken. Auch neue Aufgaben, die uns bevorstehen, erscheinen uns in einem anderen Licht. Das, was uns Sorgen gemacht hat, wird leichter, weil wir unseren allzu engen Blick auf uns selbst und die eigene kleine Welt verlassen und etwas weiter machen.

Papst Franziskus, der kürzlich im Spital war und sich jetzt in der Phase der Genesung und Erholung befindet, hat vor einem Dreivierteiljahr seine Enzyklika „Fratelli tutti“ über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft veröffentlicht. Darin finden sich viele wertvolle Gedanken und Hinweise.

Er geht von Gott aus, welcher der Vater aller Menschen ist. Insofern sind wir alle Brüder und Schwestern. Dies gilt umso mehr, wenn wir die Berufung zur Gotteskindschaft durch die heilige Taufe mit bedenken. In Jesus Christus, dem Sohn Gottes, sind auch wir als Söhne und Töchter Gottes angenommen. Weil Gott uns seine ganze Liebe geschenkt hat, können und sollen auch wir kraft dieser Liebe uns gegenseitig als Mitmenschen annehmen. Nur so, meint der Papst, sind die grossen Probleme der Menschheit lösbar und überwindbar, wie die Armut, die Umwelt- und Klimaproblematik, die kriegerischen Konflikte und auch die bedrohlichen Krankheiten. Dabei ist es dem Papst wichtig zu betonen, dass wir uns als Christen selbstverständlich für ein gutes Leben auf dieser Erde einsetzen, dass wir aber unsere wahre Heimat und unser ewiges Ziel im Himmelreich erwarten. Das Paradies gibt es nicht hier auf Erden; nur Gott kann einst die Vollendung schenken im ewigen Reich seiner Liebe, zu dem wir alle durch Jesus Christus im Heiligen Geist berufen sind.

Vielleicht können wir diese Perspektive der Hoffnung mitnehmen in unseren Alltag: in das berufliche und familiäre Leben, aber auch in die Zeit der Erholung und des Urlaubs. So werden wir dann in Dankbarkeit alles Gute annehmen, was Gott uns schenkt. Zugleich bekommen wir die Kraft von oben, in der Bedrängnis und im Leiden auszuharren. Denn unser Lebensweg, den wir mit Christus gehen, führt uns durch sein Leiden und Kreuz hin zur Teilnahme an der Auferstehung.

In diesem Sinne empfehlen wir uns alle der Fürbitte der Gottesmutter Maria, des heiligen Josef und aller Engel und Heiligen des Himmels.

Amen.

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