Im Christentum ist die Ansicht weit verbreitet….

Im Christentum ist die Ansicht weit verbreitet, dass die “eigentliche” Heimat des Menschen sich im Himmel, im Jenseits befinde

Forum Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich

Die Priesterausbildung im Bistum Chur wirft Fragen auf

Wohin führt der Bischof von Chur “sein” Bistum?

Eine Pressemitteilung des Priesterrates der Diözese Chur wirft grundsätzliche Fragen auf. Wer sich auf die Suche nach Antworten macht, stösst auf ein zunächst verwirrendes Puzzle. Wenn man es zusammengefügt hat, stellt man sich unwillkürlich die Frage: “Entheimatet” der Bischof von Chur seine Gläubigen?

Am 24. November bringt Radio Vatikan die Schlagzeile “Unruhe im Priesterseminar Chur”. Sie bezieht sich auf eine Pressemitteilung des diözesanen Priesterrats, die auf der Homepage des Bistums veröffentlicht wurde. Darin wird von der gemeinsamen Sitzung berichtet, zu der sich am 17. November der Priesterrat und der Rat der Laientheologinnen, Laientheologen und Diakone getroffen hatten.

In der Pressemitteilung des Priesterrats wird berichtet, dass Regens Ernst Fuchs über die Situation am Priesterseminar Auskunft gegeben und dabei «auch die Schattenseiten» nicht verschwiegen habe. Was genau ist damit gemeint? Auf Nachfrage verweist Fuchs darauf, dass ihm Diözesanbischof Vitus Huonder untersagt habe, gegenüber Medien Stellung zu nehmen. Er berichtigt aber einen Satz der Mitteilung. Dieser lautet: «Regens Fuchs betonte in seinen Ausführungen, dass zwischen ihm und dem Bischof auf der sachlichen Ebene zu keiner Zeit wesentliche Differenzen bestanden hätten.»

Das sei schlicht falsch, erklärt Fuchs. Tatsächlich gesagt habe er, dass es keine Differenzen auf der persönlichen Ebene gebe. Diese Aussage bestätigen mehrere Sitzungsteilnehmer unabhängig voneinander. Fuchs habe sehr wohl sachliche Differenzen zwischen ihm und dem Bischof angesprochen, berichten sie, dagegen aber sogar ausdrücklich betont, es handle sich nicht um eine persönliche Auseinandersetzung.

Der Präsident des Priesterrats, Peter Camenzind, bestätigt auf Nachfrage des forums, dass die Pressemitteilung an diesem Punkt fehlerhaft sei. Kurz darauf geht beim forums die Pressemitteilung des Rates der Laientheologinnen, Laientheologen und Diakone ein. In diese wurde die Passage zu den Ausführungen des Regens wortwörtlich aus der Mitteilung des Priesterrats übernommen. Vier Stunden später wird eine korrigierte Fassung angeboten.

Auf der Homepage des Bistums Chur werden nach wie vor die unkorrigierten Texte publiziert, obwohl sie nachweislich mindestens eine Falschaussage enthalten. Offenbar will man in der Bistumsleitung mit allen Mitteln vermeiden, dass schlafende Hunde geweckt werden. Was aber befürchtet man von wachen Hunden?

Fokus Tridentinische Messe

Es ist eine zunächst harmlos wirkende, nebulös formulierte Passage in den Pressemitteilungen, die aufhorchen lässt: «Angesprochen wurde auch die Absicht des Bischofs, für die Betreuung der Aufgaben rund um die ausserordentliche Form der Liturgie eigene Priester heranzubilden.»
Was ist damit gemeint? Die ausserordentliche Form der Liturgie kennen wir im allgemeinen Sprachgebrauch als «Tridentinische Messe». Sie wurde von Papst Benedikt XVI. am 7. Juli 2007 wieder zugelassen, allerdings ausdrücklich als ausserordentliche Form.

Es ist kein Geheimnis, dass Bischof Huonder dieser Form sehr zugetan ist. Der traditionalistische Blogger Martin Bürger («exsultet.net») hat seiner Begeisterung darüber bereits Ende 2009 zu Protokoll gegeben: «Langsam beginnt der Churer Diözesanbischof Vitus Huonder, seinem Vorgänger und jetzigen Erzbischof von Vaduz, Wolfgang Haas, Konkurrenz zu machen, was die Unterstützung der alten Liturgie im deutschsprachigen Raum angeht.»

Huonder feiert in der Tat regelmässig tridentinische Messen. Im Internet-Fernsehen «Gloria.tv» kann man sich von ihm geleitete Hochämter in Einsiedeln und Oberarth ansehen. Am 19. Juni dieses Jahres hat er in Zürich-Oerlikon die Firmung in der ausserordentlichen Form gespendet. Und am 2. Dezember stand er an einer Tagung von Traditionalisten in Köln einem Pontifikalamt vor. Darauf Bezug nehmend schreibt die Schweizer Kirchenzeitung, dass in diesem Umfeld «nicht einmal die konservativsten deutschen Bischöfe auftreten» wollten.

Diese Einschätzung wird vom ultra-konservativen Nachrichtenportal «kreuz.net» bestätigt, das dazu folgende Schlagzeile liefert: «Schweizer Diözesanbischof hilft in Deutschland aus.» Kirchenmänner wie Kurt Kardinal Koch, Christoph Kardinal Schönborn sowie die Schweizer Bischöfe Norbert Brunner und Markus Büchel werden von «kreuz.net» dagegen als «altliberale Prälaten» verhöhnt.

Fokus Petrusbruderschaft

Wer zu den Auftritten des Churer Bischofs in traditionalistischen Kreisen recherchiert, stösst immer wieder auf den Namen Martin Ramm. Pater Martin Ramm FSSP aus Thalwil wurde vom Bischof am 13. März 2009 zum bischöflichen Beauftragten für die tridentinische Messe ernannt. Das Kürzel FSSP steht für «Fraternitas Sacerdotalis Sancti Petri». Ramm ist Mitglied der Priesterbruderschaft St. Petrus, einer Abspaltung der Piusbruderschaft.

Die Petrusbruderschaft anerkennt im Gegensatz zur Piusbruderschaft das II. Vatikanische Konzil und ist deshalb seit 1988 eine Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechtes. In ihrem Kirchen- und Priesterbild lassen sich jedoch kaum Differenzen zur Piusbruderschaft erkennen. Die Petrusbruderschaft will sich nach eigenen Worten «in besonderer Weise jener Gläubigen annehmen, die ihre geistliche Heimat in der überlieferten Liturgie (ausserordentlicher römischer Ritus) gefunden haben, die darin den adäquaten Ausdruck ihres Glaubens sehen und eine Seelsorge erwarten, die sie den Geist dieses Glaubens atmen lässt.» ­Dafür unterhält die Petrusbruderschaft in ­Wigratzbad im Allgäu ein eigenes Priesterseminar.

Mit der engen Beziehung von Bischof Huonder zur Petrusbruderschaft und zu Wigratzbad beginnt sich allmählich auch der Nebel um die «Heranbildung» eigener Priester für die ausserordentliche Form zu lichten. In einem Vortrag, den Bischof Huonder am 24. Januar 2009 vor Seminaristen in Wigratzbad gehalten hat, sagt er: «Hier bin ich nicht in meinem Seminar – und doch auch.» Folgerichtig hat er im Februar 2010 in Wigratzbad vier Subdiakone geweiht.

Es scheint offensichtlich darum zu gehen, Priester auszubilden, die ausschliesslich im tridentinischen Ritus die Messe feiern wollen. Konkret im Gespräch ist derzeit die Nachfolge von Domherr Martin Bürgi, der in der Marienkapelle Oberarth fast täglich und ausschliesslich tridentinische Messen feiert. Bürgi, Jahrgang 1932, soll altershalber durch einen neuen Priester abgelöst werden. Auf diesen Fall verweist auch die Bistumsleitung und betont, es handle sich da um einen Einzelfall, somit insgesamt um einen Sturm im Wasserglas.

Anders klingt es allerdings bei Fulvio Gamba, Leiter des «Interdiözesanen Einführungsjahres für Priesteramtskandidaten». Er arbeitet im Dienst der Bistümer Basel, Chur und St. Gallen und spricht von einem Dutzend Männer, die im vergangenen Jahr vom Regens abgewiesen wurden, weil sie zum Teil Priester ausschliesslich für die tridentinische Messe werden wollten.

Fokus Priesterausbildung

Und genau hier tut sich die sachliche Differenz zwischen Bischof Huonder und Regens Fuchs auf. Unruhe scheint demnach vor allem ausserhalb und nicht innerhalb des Priesterseminars zu herrschen. Das wird unter anderem dadurch deutlich, dass Huonder bei der eingangs erwähnten Sitzung von einer besonderen Betreuung für diese Sonderfälle sprach. Als Betreuungsperson jedoch sieht er nicht den Regens vor. Die Schweizer Kirchenzeitung bringt Stossrichtung und daraus folgende Konsequenzen auf den Punkt: «Mit einem ‹ao. Regens› für den ao. Ritus besteht ausserdem die Gefahr der Bildung eines Paraklerus innerhalb der Diözese Chur.»

In seiner gut dreijährigen Amtszeit hat Bischof Huonder bereits mehrmals Kandidaten, die vom jeweiligen Regens nicht aufgenommen wurden, weil sie die römischen Vorschriften nicht erfüllten, andernorts «parkiert». Die «Schweizer Seelsorgestiftung» schreibt auf ihrer Homepage, wie sie unter anderem das Erzbistum Vaduz und das Bistum Chur unterstützt: «Für gute Priesterausbildung in Heiligenkreuz.» Man merke: Im überdiözesanen Priesterseminar Heiligenkreuz bei Wien und nicht in St. Luzi bei Chur. Im Stiftungsrat der Seelsorgestiftung sitzen unter anderem Domherr Martin Bürgi, Marienkapelle Oberarth, und Markus Walser, Generalvikar des Erzbistums Vaduz.
In Heiligenkreuz ist momentan tatsächlich ein Seminarist aus dem Bistum Chur gemeldet und nicht weniger als sechs Seminaristen aus der winzigen Erzdiözese Vaduz. Dies, obwohl Erzbischof Haas von Rom gemassregelt wurde, nachdem deutsche Bischöfe sich in Rom beklagt hatten. Priester dürfen nämlich grundsätzlich nur für den «Eigenbedarf des Bistums» geweiht werden und nicht für den «Export». Neben Bischof Haas scheint nun aber auch Bischof Huonder nicht abgeneigt, aus anderen Bistümern abgewiesene Bewerber aufzunehmen und zu weihen. Das allerdings wäre ein massiver Verstoss gegen die Kollegialität unter Bischöfen.

Werden wir “entheimatet”?

Damit fügen sich die Puzzleteile allmählich zusammen. Und das Bild, das entsteht ist beunruhigend:
Bischof Huonder hat laut verschiedenen Quellen mehrfach versucht, römische Weisungen bezüglich Priesterausbildung zu unterlaufen. Die Standards, die Rom für die Priesterausbildung setzt, sind hoch. Wenn ein Ortsbischof diese missachtet und gleichzeitig bei jeder Gelegenheit betont, er handle ausschliesslich nach römischer Weisung, dann bringt er genau damit seine römischen Autoritäten in Verruf.

Der Bischof wünscht sich anscheinend einen Klerus, der dem Priesterbild der Petrusbruderschaft entspricht. Nachlesen kann man das unter anderem in einem Vortrag, den er im März 2009 vor Seminaristen in Wigratzbad gehalten hat.

Nicht nur in diesem Text fällt auf, dass er sehr viel vom Bischofsamt und seiner Leitungsaufgabe spricht, vom Gehorsam des Priesters seinem Bischof gegenüber, und dass er immer wieder betont, wie sehr der Priester aus dem Volk der Gläubigen herausgehoben sei: «Jeder Priester ist in einem gewissen Sinn ein Lieblingsjünger des Herrn, ein Abbild des heiligen Johannes.» Und sich selbst bezeichnet er als «verlängerten Arm von Jesus». Den Seelsorgealltag dagegen bezeichnet er in Wigratzbad praktisch als Arbeit unter Ungläubigen «gleichsam im ‹Busch›».

Für dieses Kirchenbild kommen Bischof Huonder zunehmend die Anhänger abhanden – und zwar im Klerus wie unter den Laien, aber auch bei den Mitbrüdern im bischöflichen Dienst. In der Pressemitteilung nach der Vollversammlung der Bischofskonferenz vom 6. bis 8. September in Freiburg stand zu lesen: «Sie [die Bischöfe] hoffen und erwarten, dass die von Bischof Vitus Huonder öffentlich gemachte Bereitschaft zum Dialog zu einer guten Lösung führen wird, die den verschiedenen Anliegen der Bistumsangehörigen gerecht wird.» Wer die filigrane Formulierungskunst kirchlicher Schreiben kennt, der weiss, dass damit an die Adresse des Churer Bischofs öffentlich eine deutliche Warnung ausgesprochen wurde, der intern ganz gewiss viel klarere Worte vorausgegangen waren.

Dennoch treibt Bischof Huonder immer weiter einen Keil zwischen die – nennen wir sie «ordentlichen» und die «ausserordentlichen» – katholischen Gläubigen seines Bistums. Wobei er die «ordentlichen», die auch die überwältigende Mehrheit seiner Herde ausmachen, selbst bei offiziellen Anlässen gerne als eigentlich gar nicht mehr katholisch bezeichnet.

Jüngst klagte er anlässlich der Priesterweihe vom 27. November in der Kathedrale von Chur vor dem Schluss-Segen gar, dass sein Bistum vom Glauben abgefallen sei. Nun müsse man den Segen erbitten, damit es wieder auf den rechten Weg zurückfinde. Die grosse Mehrheit der Katholiken im Bistum Chur – Kleriker wie Laien – wird damit von ihrem eigenen Hirten praktisch «entheimatet» und gegen ihren Willen aus der Herde verstossen.

Der Bischof ist gefordert

Mit Bischof Huonder in einen Dialog zu treten ist schwierig, denn wer in der Sache eine andere Meinung äussert, wird sofort als Kritiker am Bischof und damit am katholischen Glauben schlechthin diffamiert. Wer dem Bischof widerspricht, gilt als nicht mehr vertrauenswürdig. Das bischöfliche Vertrauen verloren haben inzwischen sogar Priester der Fokolar-Bewegung, die sonst dafür bekannt sind, mit ihren Bischöfen besonders pfleglich umzugehen. Selbst Mitglieder des Opus Dei werden vom Bischof an den linken Kirchenrand gerückt. Die Opposition, die dem Bischof mehr und mehr gegenübersteht, diese Opposition hat sich der Bischof buchstäblich selbst gemacht.
In einem Interview auf «Gloria.tv» vom 1. Dezember 2009 äussert sich Bernard Fellay, Generaloberer der Piusbruderschaft, abschätzig über Kurt Kardinal Koch, damals noch Bischof von Basel. Mit anderen Bischöfen gebe es dagegen keine Probleme. Auf die Frage, mit welchen, antwortet er «zum Beispiel der Bischof von Chur, auch der Ehemalige, der Bischof Haas, da haben wir sehr gute Beziehungen gehabt.»

Bischof Huonder hat für den Dezember ein Schreiben angekündigt, in dem er sich klar dazu äussern will, welche Schlüsse er aus den von der Bischofskonferenz verordneten Gesprächen ziehen will. Man kann nur hoffen, dass er die Wegweiser für sein Bistum, das ebenso sehr auch unser Bistum ist, tatsächlich in Richtung Rom und nicht in Richtung Piusbruderschaft stellt.

THOMAS BINOTTO
Ausgabe vom 09.12.2010
Rubrik: Kreuz und Quer

2 Antworten auf Im Christentum ist die Ansicht weit verbreitet….

  • martha Meier:

    Katholisch informiert ?
    Diese Artikelschreiber werfen dem heiligmässigen Bischof Huonder ihre eigenen Fehler vor.
    dieser Bischof ist ein Segen für uns Römischen Katholiken.
    Gott straft niemals, aber wir selbst werden uns im Lichte Gottes erkennen müssen ..und dann ?
    spielt nur noch unsere ur-eigenste Erlösung oder Nicht-Erlösung eine Rolle…

  • martin:

    In der profeseiung vom jüngsten gericht
    Bestraft gott unsere sünden und fehler
    unsere strafe wohl überlegt von gott
    werden unsere sünden und felern sein
    In denen er uns alle das vollkommene
    In geschribender form unserer fehler
    als profeseiung vom jüngsten gericht gibt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Chur

bischof_vitus01

Kategorien

Die drei Säulen der röm. kath. Kirche

monstranz maria papst-franziskus

Archiv

Empfehlung

Ausgewählte Artikel