Gottes verborgene Gegenwart in Geschichte und Welt

5. Sonntag im Jahreskreis A (09.02.2020)

Quelle
L1: Jes 58,7-10; L2: 1 Kor 2,1-5; Ev: Mt 5,13-16
Die Schöpfung – Katechismus der katholischen Kirche

Gottes verborgene Gegenwart in Geschichte und Welt – 5. Sonntag im Jahreskreis A (09.02.2020)

Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wer ist Gott und wie handelt Gott?

Auf diese Fragen geben uns die Lesungen und das Evangelium des 5. Sonntags im Jahreskreis A eine Antwort, die wir gläubigen Herzens erwägen und verstehen wollen.

Fürs erste ist natürlich zu sagen: Gott ist unsichtbar, und solange wir auf Erden leben, können wir ihn nur schlussfolgernd aus den Werken der Schöpfung mit Hilfe der Vernunft erkennen. Wir nehmen die Grösse und Schönheit der Natur insgesamt und ihre Ordnung wahr, und wenn schon die geschaffenen und vergänglichen Dinge so wunderbarer sind, um wieviel grösser, mächtiger und erhabener ist dann der Schöpfer!

Der vorzügliche Weg zur Gotteserkenntnis führt uns jedoch über die Vernunft hinaus: Im Glauben an jenen Gott, der sich uns mitteilt in seinem Sohn Jesus Christus, empfangen wir die Einladung zur personalen Gottesbegegnung. Im Himmel schliesslich sollen wir vom Glauben zum geistigen Schauen der unbegreiflichen Wirklichkeit Gottes und seiner Liebe gelangen und so für ewig selig werden.

Wie aber handelt und wirkt Gott in dieser Welt? Der ungläubige Mensch wird sagen, er brauche Gott nicht. Es gebe die Naturgesetze, und im übrigen seien die Menschen selbst verantwortlich für das, was sie tun. Das ist gewiss nicht falsch, und doch hat alles seine Ursache, und wenn wir von Verantwortung sprechen, dann fragen wir uns auch, wem gegenüber wir im Letzten verantwortlich sind. Gott der Schöpfer ist uns zwar verborgen, aber er wirkt dennoch im Ganzen seiner Werke und in allem und jedem, was er geschaffen hat, im Grössten wie im Kleinsten. Nichts ist seiner Weisheit und Liebe entzogen. Seine Vorsehung leitet alles, ohne dass dadurch unsere Freiheit aufgehoben wäre.

Doch wie sieht es aus mit einem unmittelbaren göttlichen Eingreifen in die Geschichte? Natürlich ist ein solches besonderes Wirken Gottes nie auszuschliessen, und tatsächlich gibt es wunderbare Erweise der Macht und Güte Gottes, die wesentlich über das natürlich Erklärbare hinausgehen. Die eigentliche Weise des Wirkens Gottes in der Geschichte wird uns aber in der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments geoffenbart. Die Heilsgeschichte findet ihre Vollendung in Jesus Christus, und hier ist es die Botschaft von seinem Leiden und Sterben am Kreuz sowie von seiner Auferstehung von den Toten am dritten Tag, welche uns im Glauben zu einer Entscheidung aufruft.

Eben deshalb kann der Apostel Paulus in der Lesung aus dem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth sagen, dass die Weisheit und Macht Gottes über alle irdischen Vorstellungen erhaben ist. Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat sich gezeigt als Mensch; er hat sich freiwillig dem Leiden unterworfen und sich von uns Menschen ans Kreuz schlagen lassen, um uns zu erlösen und mit Gott seinem Vater zu versöhnen. Dies alles ist geschehen aus unsagbarer Liebe. Jene Liebe Gottes aber achtet die menschliche Freiheit und nimmt das Risiko ihrer Ablehnung auf sich.

Ja gewiss, Gott wirkt in der Geschichte: aber meist nicht in der Form eines ausserordentlichen spektakulären Eingreifens, sondern in der Verborgenheit seiner Liebe, die sich uns gezeigt hat bis zum Tod Jesu Christi am Kreuz. Wer Christus nachfolgen will, muss bereit sein, in der Nachfolge Christi das tägliche Kreuz zu tragen. Das Los des Meisters ist auch das Schicksal seiner Jünger. Die Jünger Christi dürfen nicht hoffen, in dieser Welt von allen anerkannt und gelobt zu werden. Um der Wahrheit der Botschaft Christi willen werden sie auch von manchen verfolgt und getötet. Auch die Kirche Christi ist hier auf Erden in ihrer für alle sichtbaren Erscheinungsform der Entäusserung des Kreuzes unterworfen. Nicht weltlicher Triumph ist ihr im Normalfall beschieden, sondern das stille und dennoch wirksame Zeugnis der Glaubenden als Salz der Erde und Licht der Welt lädt die Herzen der Menschen ein, an Gott, den gütigen Vater im Himmel zu glauben und Gutes zu tun, wie es uns das Evangelium nach Matthäus diesmal besonders nahelegt.

Im Übrigen aber gilt, dass wir als glaubende und Gott suchende Menschen aufgerufen sind, die Werke der Gerechtigkeit und der Liebe zu üben. Je mehr wir dies tun, desto eher finden wir bei Gott Erhörung, wie uns die Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja kundtut. Wer also sein Herz in Liebe für die Mitmenschen öffnet, wird bei Gott Antwort erhalten, wenn er zu ihm ruft. Haben wir das nicht längst auch selber schon wahrgenommen?

Wir bitten die heilige Gottesmutter Maria um ihre Fürbitte, damit wir die Spuren der Liebe Gottes in unserem Leben erkennen und in Dankbarkeit und Freude die Nähe des Reiches Gottes bezeugen.

Amen.

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