Päpstliches Jahrbuch

Päpstliches Jahrbuch – ein Fenster auf Kirche und Welt

Quelle
Päpstliches Jahrbuch 2019 jetzt erhätlich
Annuario Pontificio

Welchen Sinn Statistiken haben

Bei der Vorstellung des Päpstlichen Jahrbuchs 2011 erläutert der Dekan des Kardinalskollegiums in diesem für unsere Zeitschrift geschriebenen Artikel die Aspekte der Präsenz der Kirche in der Welt: von der Zahl der Bischöfe und Gläubigen bis den Aufgaben der Römischen Kurie.

Von Kardinal Angelo Sodano

„Ich glaube an die Heilige Katholische Kirche“: so lautet das Glaubensbekenntnis, das der Christ oft mit den Worten des Apostolischen Symbols wiederholt.

Das Wort „Symbol“ stammt bekanntlich aus dem Griechischen und bedeutet „Ausweis“, „Erkennungszeichen“. In der Urkirche entstand dieses Dokument zu dem Zweck, die von den Aposteln überlieferte Botschaft Christi zusammenzufassen und den Christen so ein Erkennungszeichen ihrer Identität zur Verfügung zu stellen.

Es ist bedeutungsvoll, dass diese Glaubensformel von der Kirche in Rom in all ihren 12 Artikeln definitiv kodifiziert worden ist. Im neunten Artikel wurde seit dem 3. Jahrhundert ausdrücklich der Glaube an die „eine, heilige, katholische und apostolische“ Kirche bekräftigt. Auch die Katholizität der Kirche wurde bereits als ihr besonderes Erkennungszeichen verstanden.

Zweitausend Jahre sind vergangen, seit der auferstandene Herr der Kirche sein Missionsmandat übertragen hat und sie sich im Laufe einer Geschichte voller Höhen und Tiefen in der Welt verbreiten und bis zu uns gelangen konnte, gestützt von der lebensspendenden Kraft des Heiligen Geistes.
Heute können auch die hartnäckigsten Laizisten die Existenz dieser kirchlichen Realität nicht leugnen, und sie können auch nicht ignorieren, wie viel sie im Leben der Völker bewirkt hat: Es genügt, einen flüchtigen Blick auf die Präsenz der Kirche in der Welt zu werfen, auf die Personen und Gemeinschaften, aus denen sie zusammengesetzt ist und auf die Institutionen, die von ihr ins Leben gerufen wurden.

Das Päpstliche Jahrbuch

Eine wertvolle Hilfe für alle, die die verschiedenen Aspekte der Präsenz der Kirche in der Welt kennenlernen wollen, stellt das Päpstliche Jahrbuch dar, das der Heilige Stuhl seit Mitte des 19. Jahrhunderts jedes Jahr herausgibt.
Am 19. Februar überreichten Kardinal Tarcisio Bertone und seine Mitarbeiter aus dem Staatssekretariat Papst Benedikt XVI. das Päpstliche Jahrbuch 2011. So findet eine Publikation ihre Fortsetzung, die auf  Papst Pius IX. (1846-1878) zurückgeht, wenn damals auch noch unter einem anderen Titel: La gerarchia cattolica e la famiglia pontificia [Die katholische Hierarchie und die Päpstliche Familie].
In vielen Bibliotheken kann man noch heute die Werke einsehen, die dieser ersten Ausgabe gefolgt sind: sie sind immer wieder ein praktisches Nachschlagwerk, wenn man mehr über die Geschichte der Kirche und ihre allmähliche Verbreitung auf der Welt wissen will.
Eine wertvolle Ergänzung des Päpstlichen Jahrbuchs ist eine andere, ebenfalls vom Staatssekretariat herausgegebene Publikation mit dem Titel: Annuarium statisticum Ecclesiae, das Statistische Jahrbuch der Kirche. Darin werden die statistischen Daten noch genauer analysiert und, Nation für Nation, Kontinent für Kontinent, miteinander verglichen. Das ermöglicht einen genaueren Einblick in die auf der Welt existierenden Formen des kirchlichen Apostolats.

Die Katholiken auf der Welt

Laut jüngster verfügbarer Daten beläuft sich die Zahl der getauften Katholiken auf ca. eine Milliarde 181 Millionen, bei einer Weltbevölkerung von 6 Milliarden 698 Millionen Menschen.
Die Zahl der Katholiken entspricht also dem Annuarium statisticum Ecclesiae zufolge 17,4% der Weltbevölkerung. Am stärksten vertreten sind die Katholiken auf dem amerikanischen Kontinent (63,1% der Bevölkerung). In Europa beträgt die Zahl der Katholiken 40%. Die Präsenz der Christen in Europa ist jedoch sehr viel größer, wenn man auch die Brüder und Schwestern der Kirchen des Ostens und die verschiedenen Gemeinschaften miteinbezieht, die im Kielwasser der Reformation entstanden sind.
In Ozeanien betragen die Katholiken 26,2%, in Afrika 17,8%, in Asien 3,1%. Nicht umsonst stellt Asien (zu dem auch der Nahe Osten gerechnet wird) für das zukünftige Evangelisierungswerk der Kirche die größte Herausforderung dar. Bereits 1998 hat uns Papst Johannes Paul II. aufgefordert, über dieses Thema nachzudenken und eigens eine Sondersynode hierzu einberufen.
Ich hatte das Glück, an besagter Sonderversammlung teilzunehmen und kann mich noch gut an die allgemeine Verpflichtung erinnern, die man damals einging. Außerdem ist Asien auch der flächenmäßig größte Kontinent mit der größten Bevölkerungsdichte. Dort wurde das Christentum geboren. Dort wurde das Evangelium Christi zuerst verkündet. Es ist also nur zu verständlich, warum man so sehr darum bemüht ist, dass der Sauerteig des Evangeliums auch die Kultur dieser Völker durchdringt und sie auf Christus hin ausrichtet.

Bischöfe und Gläubige

Wie jedes Jahr enthält auch das Päpstliche Jahrbuch 2011 Daten zu den Oberhirten, die gerufen sind, die Heilige Kirche Christi in der heutigen Stunde zu leiten.
An erster Stelle natürlich der Nachfolger Petri, Papst Benedikt XVI., der vom Heiligen Geist berufen wurde, die katholische Gemeinschaft in dieser wichtigen Stunde der Geschichte, am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends, zu leiten. In der unmittelbaren Umgebung des Papstes haben wir das Kardinalskollegium, das dem Bischof von Rom bei seiner weitreichenden Sendung, Bischof der Weltkirche zu sein, zur Seite steht.
Eine Liste aller Bischofssitze auf der Welt zeigt uns die konkrete Situation der einzelnen Teilkirchen, die über die fünf Kontinente verstreut sind – angefangen bei denen apostolischer Zeit bis zu den jüngsten, die erst im Lauf des Jahres 2010 entstanden sind.
Das Päpstliche Jahrbuch 2011 sagt uns, dass sich die Zahl der Kirchenprovinzen heute auf fast 3000 beläuft (2.956). Die Zahl der Bischöfe ist allerdings höher, da den Bischöfen an der Leitung einer Diözese manchmal ein Bischofskoadjutor, ein Weihbischof oder ein emeritierte Bischof zur Seite stehen (manchmal auch mehr als einer). Die Gesamtzahl der Bischöfe beläuft sich somit auf 5.065. In jeder Diözese gibt es eine bestimmte Zahl von Priestern, die wertvolle Mitarbeiter für die Bischöfe sind. Alle zusammen (Diözesan- und Ordenspriester) belaufen sich auf mehr als 400.000 (410.593). Diese Zahlen lassen erahnen, wie wichtig die kapillare Arbeit in dem immensen Einsatzbereich der Kirche, in den vielen verschiedenen menschlichen Realitäten ist. Oft sind gerade sie die unbekannten Soldaten des Himmelreichs.
Aber im Päpstlichen Jahrbuch werden nicht nur die Diözesen aufgelistet, sondern auch die verschiedenen nationalen und internationalen Bischofskonferenzen. Ja, es wird uns auch das wichtige Organ der Bischofssynoden vorgestellt, das Papst Paul VI. eingerichtet hat, um eine engere Gemeinschaft der Bischöfe mit dem römischen Papst zu gewährleisten.

Die Römische Kurie

Ein Blick auf das Päpstliche Jahrbuc h zeigt uns auch das „Werkzeug“, dessen sich der Papst jeden Tag bei der Erfüllung seiner Sendung bedient. Ich halte es für eine Pflicht, diesen besonderen Aspekt des Lebens der Kirche von Rom herauszustellen. Schließlich stand ich selbst den größten Teil meines Priesterdienstes – fünfzig Jahre – im Dienst der Römischen Kurie.
Beim Durchblättern des Päpstlichen Jahrbuchs stößt man auf die verschiedenen Organe der Kurie, vom Staatssekretariat bis zu den Kongregationen, von den Gerichten bis zu den Päpstlichen Räten, von den Administrationen bis zu den verschiedenen Ämtern und Kommissionen. Hier kann man genau sehen, wie die Römische Kurie zusammengesetzt ist, die Papst Johannes Paul II. mit der Apostolischen Konstitution Pastor Bonus vom 28. Juni 1988 neu strukturiert hat.
Es ist mir ein Anliegen, den Geist des Dienstes herauszustellen, von dem die große Familie dieser Mitarbeiter des Heiligen Vaters beseelt ist. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, und das gilt vor allem für die 16 Jahre, in denen ich Kardinal-Staatssekretär war (15 Jahre unter dem Pontifikat von Papst Johannes Paul II., und im ersten Jahr des Pontifikats von Papst Benedikt XVI.).
Außerdem hatte schon Papst Paul VI. die Römische Kurie als „einen ständigen Zönakel“ bezeichnet, der sich ganz dem Dienst an der heiligen Kirche Gottes verschrieben hat.

Die Päpstlichen Vertretungen

Was die Mitarbeiter des Papstes angeht, möchte ich es nicht versäumen, den wertvollen Dienst herauszustellen, den die Päpstlichen Vertreter in der ganzen Welt leisten. Das Päpstliche Jahrbuc h beschreibt uns ihre Präsenz in vielen Teilen der Welt. Eine Präsenz, die im Falle der 178 Staaten, zu denen der Heiliger Stuhl reguläre diplomatische Beziehungen unterhält, offiziellen Charakter hat.
Mit der Geburt der modernen Staaten im 15. und 16. Jahrhundert kam es, wie wir wissen, auch zur Einrichtung Ständiger Vertretungen in den verschiedenen Staaten. Auch die Päpste von Rom, die sich bisher darauf beschränkt hatten, nur zeitweise und zu bestimmten Zwecken eigene Repräsentanten zu entsenden, griffen nun auf das Instrument des Dialogs und der ständigen Zusammenarbeit zurück. So entstanden die ersten Nuntiaturen in Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen und in der Republik Venedig, das damals nützliche Kontakte zum Fernen Osten unterhielt.
Die Geschichte zeigt, dass die Entstehung der Nuntiaturen nicht nur mit den offiziellen Beziehungen zu den Staaten zusammenhing, sondern vor allem darauf abzielte, die Gemeinschaft zwischen dem Apostolischen Stuhl und den Teilkirchen aufrecht zu erhalten und zu stärken. Ein typisches Beispiel war die Entsendung Apostolischer Nuntien nach Deutschland zur Zeit der Reformation, um der Ausbreitung des Protestantismus gerade dort entgegenzuwirken, wo er entstanden war. Am Ende des Konzils von Trient wurde auch den Päpstlichen Vertretern in Spanien, Frankreich und in den verschiedenen Staaten der italienischen Halbinsel von Papst Pius V. (wie auch von Papst Gregor XIII. und seinen Nachfolgern) das Mandat übertragen, die Annahme der Konzilsbeschlüsse voranzutreiben. In Wahrheit haben wir es auch den Nuntien zu verdanken, wenn die tridentinische Reform in Europa umgesetzt werden konnte.

Im Dienst der Völker

Das Päpstliche Jahrbuch zeigt uns jedes Jahr auch die verschiedenen anderen Facetten der Aktivität der Kirche, vor allem im sozialen Bereich. So geht aus den Statistiken auch hervor, was die großen Ordensfamilien leisten, die die evangelischen Räte übernommen und sich in den Dienst des Nächsten gestellt haben. Dieser Dienst kann im Bereich der sozialen Fürsorge erfolgen, in der Caritas und in der Entwicklungshilfe.
Aus dem Päpstlichen Jahrbuch können wir ersehen, welch großen kulturellen Beitrag die Kirche mit ihren Schulen, Universitäten und Akademien in unserer Zeit leistet.
Kurzum: die Päpstlichen Jahrbücher öffnen uns ein Fenster auf die Welt und geben uns so zumindest einen kleinen Einblick in das Werk, das der Apostolische Stuhl vollbringt, um das Evangelium des Heils, das uns Christus geschenkt hat, bis an die Enden der Welt zu tragen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Die drei Säulen der röm. kath. Kirche

monstranz maria papst-franziskus

Archiv

Empfehlung

Ausgewählte Artikel