Unterscheidung der Geister UPDATE

Es gehört zur Natur des Menschen, dass er “Eingebungen” hat

gespräche von Gottkatharina sienaKatharina von Siena: Gespräche von Gottes Vorsehung

Katholische Wochenzeitung, 19. Juni 2015/25
Von Prälat Dr. Markus Walser

Fortwährend kommen uns verschiedene Ideen oder Gedanken in den Sinn. Wenn wir beispielsweise durch ein Kaufhaus gehen und einen Gegenstand sehen, der uns gefällt, kann uns die Idee kommen: Den möchte ich haben. Und wenn wir nicht das Geld haben, ihn zu kaufen, könnte dann auch der Gedanke auftauchen, den Gegenstand “mitgehen” zu lassen, d.h. zu stehlen.

Ein anderes Beispiel für eine spontane Eingebung: Beim Aufstehen an einem schönen Morgen kommt mir die Idee, wieder einmal eine verwandte oder bekannte Person zu besuchen, die schon lange in einem Pflegeheim oder in einem Krankenhaus ist.

Wie kann man nun erkennen, wessen “Geistes Kind” eine Idee ist, die uns in den Sinn kommt? Es geht hierbei um die klassische Unterscheidung der Geister. Dafür können uns Kriterien helfen, welche die heilige Katharina von Siena in Ihrem Werk “Gespräche von Gottes Vorsehung” niedergeschrieben hat, anhand derer sie Visionen von Gott von jenen die vom Widersacher stammen, unterscheidet:

“Kommt sie vom Teufel, der sich, wie geschildert, in Form einer Lichtgestalt dem Geiste vorstellt, so empfindet die Seele unmittelbar bei seinem Erscheinen Freude, je länger er aber verweilt, desto mehr schwindet die Freude, und es bleiben Überdruss, Finsternis und Aufruhr (…). Wenn sie aber von Mir, der ewigen Wahrheit heimgesucht wird, dann wird die Seele vom ersten Augenblick an mit heiliger Furcht erfüllt, und zugleich mit dieser Furcht empfängt sie Freude und Sicherheit mit sanfter Klugheit, die sich befragend nicht zweifelt, sondern in Selbsterkenntnis sich unwürdig erachtet und spricht: Ich bin nicht wert, deine Heimsuchung zu empfangen, und da ich ihrer unwürdig bin, wie kann das geschehen?”

Es fällt auf, dass sowohl eine Eingebung des Teufels wie auch eine des Heiligen Geistes Freude auslösen kann. Doch der weitere Fortgang dieser Freude ist ganz unterschiedlich. Bei einer Eingebung des Teufels schwindet sie je länger je mehr, und es bleiben Überdruss, Finsternis und Aufruhr in der Seele. Bei einer Eingebung des Heiligen Geistes kommt die Freude verbunden mit Gottesfurcht und Sicherheit in sanfter Klugheit. Wenn wir die obigen Beispiele nehmen: Einen schönen Gegenstand zu besitzen, löst Freude aus, die allerdings je länger je mehr von “Überdruss, Finsternis und Aufruhr” in der Seele getrübt wird, wenn man den Gegenstand gestohlen hat. Wenn man hingegen ein wirklich gutes Werk verrichtet, dann ist die erste Reaktion wahre Gottesfurcht, mit der sich eine bleibende Freude einstellt.

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