Franziskus zur Jugend

Franziskus zur Jugend: „Die Synodenväter werden auf eure Fragen antworten!“

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„Vereint, solidarisch und kreativ,“ unter diesem starken Motto stand das grosse Fest für und mit den Jugendlichen, das im Rahmen der ihnen gewidmeten Synode stattfand. Papst Franziskus nahm an dem gut zweistündigen Treffen teil, hörte sich berührende Zeugnisse an und sprach den jungen Menschen Mut zu.

Christina Höfferer – Vatikanstadt

Das Fest fand am Samstagabend in der Aula Paul VI. im Vatikan statt. Hundert junge Menschen verschiedener Nationalitäten eröffneten die Veranstaltung. Das Dance Lab Montecatini hatte einen Ausdruckstanz mit Hip-Hop-Elementen auf die Bühne gebracht, ein buntes Wirbeln und Wimmeln, aus welchem sich einzelne Tänzer mit Figuren herausschälten. Die Musik modern, mit Anklängen an alle fünf Kontinente.

Der Schauspieler Giovanni Scifoni moderierte durch den Abend, er eröffnete mit einer lebhaften Rede, die die Synode und ihre Ziele erklärte, und er bat Jugendliche auf die Bühne, um ihr Zeugnis über Krisen und Erfolg mit den rund 7.000 Anwesenden zu teilen.

Zeugnis von Daniel Zaccaro

Aufgewachsen im Quarto Oggiaro, der „Mailänder Bronx“, wo sich alles nur um Geld, Prestige und Macht drehte, geriet Daniel Zaccaro schon jung auf die schiefe Bahn: Diebstahl, Bankraub, waren nur einige der Missetaten, die er aus Perspektivlosigkeit begangen hatte. Seinen 18. Geburtstag verbrachte Daniel im Gefängnis. Er war aggressiv und rastete auch in der Haft aus. Von einer Strafanstalt wurde er in die nächste verlegt. Heute ist er 25 Jahre alt. Er erinnere sich genau an jenen Menschen, der seinem Leben eine andere Wendung gab, einer der Gefängnisseelsorger in der Strafanstalt Beccaria, erzählt er. Dieser leitete ein Haus für straffällig gewordene Jugendliche, in welches aufgenommen zu werden es Daniel nach langem Drängen gelang. Doch als er nach abgebüsster Strafe nach Quarto Oggiaro zurückkehrte, ging es wieder los mit der Kriminalität. Die einzige Lösung bestand darin, wieder in die Gemeinschaft des Seelsorgers von Beccaria zurückzukehren, wo er heute mit einem Senegalesen, einem Marokkaner und einem Russen zusammen lebt, das Abitur nachgeholt hat und Erziehungswissenschaften studiert. „Heute weiss ich, worauf es ankommt, wenn man junge Menschen zum Glauben erziehen will“, sagte David vor der bis auf den letzten Platz gefüllten Aula Paolo VI., „man muss sie vor allem die Fragen wieder entdecken lassen, die sie verloren haben.“

Papst tief berührt

Tief berührt zeigt sich der Papst von den persönlichen Geschichten, die ihm die Jugendlichen erzählt haben, Geschichten voller Leidenschaft und Schmerz ebenso wie voller Wünsche und Sehnsüchte. Von Niederlagen und vom Wunsch, wieder aufzustehen, erzählten die Jugendlichen, die Franziskus aufforderte, in ihrem Leben dorthin zu eilen, wo die schönsten Ziele auf sie warten.

Aziz Sadeq, der im Irak von einer Terrorgruppe des IS aus seinem Dorf vertrieben wurde und in Frankreich liebevolle Aufnahme fand, Valentina Cason, die in Chatgroups um Anerkennung und Zuneigung gebettelt hatte, und in der Arbeit mit Armen wieder Sinn fand, sowie junge Frauen, die sich entschieden haben, in Ordensgemeinschaften einzutreten, all diese und einige andere Lebensgeschichten wurden dem Papst, den anwesenden Synodenvätern und den Jugendlichen vorgetragen. Nach vielen berührenden Darbietungen beschloss Papst Franziskus den Abend mit einer frei gehaltenen Rede an die Jugend. „Wenn Du Christ bist, musst Du die Seligpreisungen in die Tat umsetzen,” resümierte der Papst. Kohärenz, Stimmigkeit im Leben, das sollte im Zentrum des Strebens der Jugendlichen stehen. Die wahre Macht liege im Dienst an den anderen, alles andere sei lediglich Egoismus. „Ihr jungen Leute habt keinen Preis, ihr seid keine Ware, lasst Euch nicht kaufen, verführen und vom Kommerz versklaven,” forderte der Papst eindringlich von den jungen Teilnehmern: „Verliebt Euch in die Freiheit, die Euch Jesus anbietet!”

Der Heilige Vater versprach, dass die Synodenväter auf alle Fragen, die die Jugendlichen im Laufe des Abends vorgebracht hatten, antworten werden: „Die Zeugnisse, die ihr heute vorgebracht habt, waren ganz konkret. Diese Konkretheit ist eine Regel für Euren Weg.” Und diese Konkretheit liege auch in der Annahme der Fremden. Die Populismen, die die Schwäche der anderen ausnützten, seien jetzt gerade in Mode. „Populismus bedeutet, dass man sich verschliesst,” warnt der Papst. Umarmung, Dialog und Liebe gilt es zu finden, denn die Liebe öffnet alle Türen.

„Sprecht mit den alten Leuten, sprecht mit Euren Grosseltern, denn sie sind die Wurzeln,” lautete ein Rat, den der Papst immer wieder gerne erteilt. In diesem Fall bezog er sich auf das Foto eines Teilnehmers, welches diesen mit seinem Grossvater gezeigt hatte.

Im Anschluss an die Ansprache des Papstes und unter seinen wachsamen Augen überreichten die Jugendlichen den Synodenvätern ihre gesammelten Fragen. Die nahmen diese gerne entgegen – in dem Bewusstsein, dass konkrete Antworten von ihnen erwartet werden.

vatican news

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