Hirtenbriefe

Zum Beitritt der österreichischen Nachbarländer zur EU

Quelle
Hirtenbriefe
Slowakische Bischöfe – Slowakische Bischöfe: Katholiken können nicht liberal sein

Wortlaut einer Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz vom 8. November 2002 aus Anlass des bevorstehenden EU-Beitritts der österreichischen Nachbarländer

Nach den bitteren Erfahrungen in der Zeit der Ersten Republik haben die Bischöfe den Klerus generell aus der Parteipolitik zurückgezogen. Die Kirchenleitung betreibt keine Parteipolitik und dabei wird es auch in Zukunft bleiben. Wohl aber setzen sich die Bischöfe gemeinsam mit vielen Katholiken des Landes im politischen Leben Österreichs für eine Wertepolitik zum Schutz unverzichtbarer Werte ein.

Es geht dabei besonders um den unverzichtbaren Wert menschlichen Lebens und seiner Würde von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod. Es geht um das Prinzip Familie, wobei die intakte Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kindern nicht nivelliert und statistisch schliesslich zur Ausnahme werden darf. Es geht um Solidarität mit Menschen in seelischer und materieller Not im eigenen Land und nach unseren Kräften auch – wie die Bibel sagt – bis an die Grenzen der Erde.

Für uns Bischöfe und für die Katholiken überhaupt kann es dabei nicht nur um den Schutz eines einzelnen auch noch so wichtigen Wertes gehen. Es geht uns immer auch um ein Miteinander von Werten, die einander stützen und tragen, und die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, wenn das Wohl des ganzen Menschen und der ganzen Gesellschaft berücksichtigt werden soll.

In Österreich ist im Hinblick auf die Förderung dieses Miteinanders von Werten in den letzten Jahren viel Gutes geschehen, für das wir dankbar sind und das für andere Länder vorbildlich sein könnte. Genannt seien beispielsweise die finanzielle Förderung von Familien und Kindern, die Verhinderung embryonenzerstörender Stammzellenforschung, der Widerstand gegen Euthanasie, die Hospizbewegung, die Karenz für Familienangehörige von Sterbenden.

Unser Land Österreich liegt in der Mitte Europas. Dies wird durch die Erweiterung der Europäischen Union noch bewusster werden. Gemeinsam mit dem Heiligen Vater hat sich die Österreichische Bischofskonferenz prinzipiell stets für die Erweiterung der Europäischen Union eingesetzt, ohne zu übersehen, dass damit verbundene schwierige Sachfragen in fairer demokratischer Auseinandersetzung geklärt werden müssen. Die Bischöfe haben gemeinsam mit dem katholischen Laienapostolat ihre Argumente für eine Erweiterung oder besser gesagt Europäisierung der Europäischen Union immer wieder öffentlich bekannt gemacht.

Christen tragen und beseelen einen grossen Teil der Zivilgesellschaft unseres Landes. Sie sollen ohne Arroganz, aber auch ohne sich zu verstecken, kompetent und beherzt mitreden, wenn es um das Wohl dieser Gesellschaft und den Weg in die Zukunft geht. Wir möchten die Christen dazu ermutigen und daran erinnern, dass die Beteiligung an politischen Wahlen ein wichtiges Instrument zur Mitgestaltung unserer österreichischen Demokratie ist. Und wir bitten die Christen, gerade jetzt für das Gedeihen unseres Staates zu beten, so wie es schon die Christen der Frühzeit getan haben”.

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