Papst: Dialog mit Wissenschaft suchen

„Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch ethisch vertretbar“:

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„Nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch ethisch vertretbar“: Das betonte Papst Franziskus an diesem Samstag vor den Teilnehmern an der Vollversammlung des Päpstlichen Kulturrates. Die Medizin und die Genetik böten zwar grosse Chancen für die Zukunft, um Krankheiten zu heilen und ein angenehmeres Leben zu haben, so der Papst in seiner Ansprache im Konsistoriums-Saal im Vatikan. Dennoch müsse man sich auch über die Risiken des technischen Fortschritts im Klaren sein, mahnte er an. Das Vatikandikasterium unter der Leitung des italienischen Kurienkardinals Gianfranco Ravasi hat bei ihrer Versammlung diese Woche über „Die Zukunft der Menschheit, neue Herausforderungen für die Anthropologie“. beraten. Darauf ging Franziskus in seiner Ansprache ein.

„Die unglaublichen Fortschritte der eigenständigen und mitdenkenden Maschinen, die ja bereits zum heutigen Alltag gehören, führen uns dazu, darüber nachzudenken, was den eigentlich der Mensch ist und was uns von den Maschinen unterscheidet“, betonte der Papst mit Blick auf die Entwicklung von immer leistungsstärkeren Robotern.

Projekt Gottes

Die Wissenschaft habe „letztendlich ihr Fundament im Projekt Gottes“, der uns die Sorge für die Welt anvertraut habe. Diese müsse stets der „Logik des Schenkens und der Liebe, und nicht derjenigen der Herrschaft und der Anmassung“ folgen. Konkret ausgedrückt: die Wissenschaft ist für alle da und müsse alle Menschen im Blick haben, so der Papst weiter. „Wir alle müssen den Wissenschaftlern dankbar sein, die sich für das Gute einsetzen und der Menschheit helfen wollen“, fügte Franziskus an. Nicht immer habe man den Forschern für ihren Einsatz gedankt, so der Papst.

Das menschliche Gehirn

Franziskus nannte auch konkrete Beispiele für die Bedeutung der Wissenschaften. So gehöre die Neurowissenschaft zu jenen Bereichen, die „immer mehr Informationen darüber liefert, wie das menschliche Gehirn funktioniert“. Das betreffe auch die Überlegungen über die christliche Anthropologie, die sich mit der Bedeutung der Seele, des Bewusstseins und der persönlichen Freiheit auseinandersetzten, so der Papst.

All diese Fortschritte der Wissenschaft liessen nun einige darauf schliessen, dass man in einem „bedeutenden Augenblick in der Menschheitsgeschichte“ stehe. Manche sprächen sogar von einer „Morgenröte einer neuen Ära“, fügte Franziskus an. Die Kirche beobachte mit Freude und Hoffnung die neuen Errungenschaften, gleichzeitig seien der katholischen Kirche aber auch die Ängste und Befürchtungen bewusst, die mit diesen Errungenschaften einher gingen, sagte der Papst. Vieles stehe auf dem Spiel, aber es lohne sich, mitzuspielen.

Nicht Mittel zum Zweck

Die Wissenschaft könne nicht auf alle Fragen eine Antwort geben. Es bedürfe in diesem Zusammenhang auch einer Überwindung der bisher gültigen Unterscheidung zwischen einer humanistisch-literarisch-theologischen Welt und den Naturwissenschaften. Diese gegenseitige „Bekämpfung“ und „Anfeindung“ sei heute obsolet und führe nur zu einer Verarmung. Stattdessen bedürfe es eines Dialogs zwischen der Kirche, der Gemeinschaft der Gläubigen und der Welt der Wissenschaften. „Die Kirche hat in diesem Dialog wichtige Prinzipien anzubieten. Zunächst vertritt sie das Prinzip, den Menschen in den Mittelpunkt aller Überlegungen zu stellen. Der Mensch ist nicht einfach Mittel zum Zweck. Das zweite Prinzip, an das erinnert werden muss, ist die Nutzung der Güter durch die Allgemeinheit, was auch diejenigen der Wissenschaft und Technologie beinhaltet. Zuletzt bleibt nach wie vor das Prinzip gültig, dass nicht alles, was technisch möglich oder machbar ist, auch ethisch vertretbar ist.“

rv 18.11.2017

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