Gott selbst ist Liebe, und er beruft uns zur Liebe!

23. Sonntag im Jahreskreis A (10.09.2017)

L1: Ez 33,7-9; L2: Röm 13,8-10; Ev: Mt 18,15-20
Quelle

Messe für Ehejubilare in der Pfarre Mühldorf-Niederranna

Josef Spindelböck

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

An diesem Sonntag feiern wir gemeinsam das Geschenk der Liebe, das vielen Ehepaaren aus unserer Pfarre Mühldorf-Niederranna von Gott zuteilgeworden ist. Sie alle blicken in Dankbarkeit zurück auf 25 Jahre, 40 Jahre, 50 Jahre oder noch mehr Ihres gemeinsamen Lebens als Ehepaar. Es ist dies ein Anlass, auch vonseiten der Pfarre den Dank dafür auszudrücken, dass Sie damals am Traualtar vor Gott und der Kirche ihr Ja zu jenem Bund der Liebe und des Lebens abgegeben haben, in dem Gott sie zusammenführt hat, um einander treu zu sein und einander beizustehen, bis dass der Tod Sie scheidet.

Wenn wir die einzelnen Ehepaare befragen würden – und vielleicht erzählen sie uns nachher im kleinen Kreis etwas davon –, dann würde sich gleich zeigen: Die Geschichte Ihrer Liebe und Ihres Zusammenseins ist einzigartig. Das, was Sie als Ehepaar ausmacht, einschliesslich der Kinder, die Ihnen Gott geschenkt hat, all das, was Ihre Lebensgeschichte betrifft, hat eine ganz persönliche Prägung. Denn es ist Gott der Herr, der Sie ins Dasein gerufen und füreinander bestimmt hat. Er hat sie zusammengeführt und Ihre Entscheidung füreinander gesegnet, sodass Sie einander Wegbegleiter sein können in diesem Leben und einmal – so hoffen und beten wir – im Himmelreich einander wiederfinden.

Es gilt also den Anfang, den Weg und das Ziel Ihrer ehelichen Liebe zu bedenken. Denn Gott der Herr hat Grosses getan in Ihrem Leben!

Wo liegt der Anfang Ihrer ehelichen Liebe und Gemeinschaft? Es gibt einen menschlichen Anfang und einen göttlichen Anfang. Als Menschen haben sich eine bestimmte Frau und ein bestimmter Mann zu einem besonderen Zeitpunkt ihres Lebens näher kennen gelernt und irgendwann auch ineinander verliebt. Aus dieser tiefen Freundschaft der ersten Liebe kam es zum gemeinsamen Ja füreinander im Hinblick auf Verlobung und Ehe. Der göttliche Anfang der Liebe wird uns durch das Wort Gottes kundgetan, das uns verkündet wurde. Gott selbst ist Liebe, und er hat uns alle aus Liebe ins Dasein gerufen und er ruft uns auch zur Liebe! Welch grossartige Berufung, die zugleich mit viel Freude, aber auch mit Mühen und so manchem Leid verbunden ist, die aber insgesamt Ihr Leben voll und ganz erfüllt!

Blicken wir auf den Weg Ihrer ehelichen Liebe: Romantische Filme enden fast immer mit der Hochzeit. Doch Sie können bezeugen: Da beginnt das Eheleben erst richtig. In guten und in bösen Tagen, in Freud und Leid waren und sind Sie füreinander da. Sie haben die Herausforderung des Alltags angenommen und die Liebe und Treue durchgehalten auch dort, wo der Schwung der ersten Verliebtheit nicht mehr so spürbar ist. Zugleich aber haben Sie die Erfahrung gemacht, dass Ihre Liebe sich vertieft hat. Sie hat sich gewandelt, sie hat andere Formen angenommen, aber sie ist (hoffentlich!) nicht geringer geworden. Nicht auf romantische Gefühle kommt es in erster Linie an, sondern auf die Treue des ganzen Lebens, welche sich jeden Tag neu zu bewähren hat und sich in kleinen Aufmerksamkeiten füreinander immer wieder zeigt. Der Apostel Paulus sagt uns in seinem Brief an die Römer, dass wir mit der uns von Gott aufgetragenen Liebe zueinander nie an ein Ende kommen. Dies zeigt sich besonders in der ehelichen und familiären Liebe. Wir können hier nie sagen: Jetzt ist es genug. Ich habe dich ausreichend geliebt. Der Apostel schreibt: „Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer.“ (Röm 13,8). Und er fügt hinzu, dass in der Liebe zum Nächsten alle übrigen Gebote zusammengefasst sind. Wer den Nächsten liebt wie sich selbst, der erfüllt das Gesetz Gottes. Wer den Ehegatten, die Ehegattin liebt, der erweist dem Ehepartner Gutes. Denn „die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“ (Röm 13,10a). Und dort, wo einer den anderen vielleicht gekränkt und verletzt hat – und das kann gerade bei Personen, die wir lieben, sehr weh tun! –, ist es dennoch wichtig, Versöhnung zu suchen und Vergebung zu gewähren. So wird immer wieder ein Neuanfang möglich sein, auch mit Hilfe des Busssakraments, also der heiligen Beichte.

Um diesen Weg zu gehen, hat Gott Sie gestärkt durch das Ehesakrament. Denn das Ehesakrament spenden Sie sich selber gegenseitig, solange Ihr Bund der Liebe und des Lebens währt, also bis der Tod die Gatten scheidet. Gott begleitet Sie in seiner Liebe stets mit seiner Gnade! Wie schön ist es, die Erfahrung der Gegenwart des Herrn im Gebet der Ehegatten sowie im Familiengebet zu machen. Da verwirklichen sich die Worte Jesu aus dem heutigen Evangelium auf hervorragende Weise: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20)

Blicken wir noch auf das Ziel der Gemeinschaft! Worin liegt dieses? Einmal im gegenseitigen Beistand, den Sie sich leisten, und zwar in einer umfassenden Gemeinschaft des Lebens und der Liebe. Das eheliche Wir erweitert sich zum Wir der Familie, und es ist gleichsam die Krönung der ehelichen Liebe, wenn Sie Kindern das Leben schenken durften. Wenn Mann und Frau in der Ehe füreinander da sind und als Eltern für ihre Kinder in Liebe sorgen, dann tragen alle zusammen bei für das Wohl der ehelichen und familiären Gemeinschaft. Ein jeder braucht den anderen. Dies zeigt sich in verschiedener Weise. Auch im Alter werden Sie diese Erfahrung bestimmt schon gemacht haben. Es ist oft rührend, wie liebevoll sich Ehepartner auch im höchsten Alter noch des anderen annehmen und auch in den kleinsten Dingen füreinander da sind. Auf diese Weise erfüllen sie das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe.

Und schliesslich wollen wir das letzte Ziel unseres Lebens hervorheben: es ist die Gemeinschaft mit Gott im Himmelreich, die uns Jesus verheissen hat. Wenn ein Gatte dem anderen vorausgeht, dann ist dies für den zurückbleibenden Teil mitunter ein grosser Schmerz und echter Verlust. Wie könnte es auch anders sein, wenn man so viele Jahre des Lebens miteinander geteilt hat! Es ist auch Ausdruck der Liebe, um den anderen zu trauern. Zugleich aber gibt uns die christliche Hoffnung die Kraft, auch diese Zeit durchzustehen. Im Hohenlied heisst es: „Stark wie der Tod ist die Liebe … Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg.“ (Hld 8,6–7) Im Gebet für die Verstorbenen sind wir mit unseren Lieben verbunden und erwarten schliesslich ein frohes Wiedersehen in der Gemeinschaft mit Gott. Dort wird es keine Trauer und kein Leid mehr geben, sondern nur mehr Jubel und Freude.

Alles Wertvolle und Schöne aber, das Sie hier auf Erden in Ihrer ehelichen und familiären Gemeinschaft erfahren durften, wird dort bei Gott gut aufgehoben sein in seiner Liebe.

Möge Sie alle auf die Fürbitte der Gottesmutter Maria und des heiligen Josef der Segen Gottes stets begleiten!

Amen.

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