Bischof und Vatikan-Leute helfen bei Suche nach Opfern

Erdbeben: Bischof und Vatikan-Leute helfen bei Suche nach Opfern

amatriceQuelle
Italien: Zahl der Todesopfer auf 250 gestiegen

„Wir haben die Kraft wieder aufzustehen, davon bin ich überzeugt.” Das sagte der Bürgermeister der vom Erdbeben in Mittelitalien am stärksten betroffenen Stadt Amatrice, Sergio Pirozzi, am Mittwochnachmittag, nachdem der erste Schock vorbei war. „Amatrice gibt es nicht mehr“, das waren seine ersten Worte und sie waren kaum Übertreibung, weite Teile der Stadt sind bei dem Erdbeben der Stärke 6,2 in der Nacht zu Mittwoch fast vollkommen zerstört worden. Papst Franziskus hat aus Solidarität sechs Vatikan-Feuerwehrleute und sechs seiner Gendarmen nach Amatrice geschickt. Radio Vatikan sprach mit Paolo de Angelis, der den Einsatz der Vatikan-Feuerwehr koordiniert.

„Wir sind ein Team aus sechs Leuten und arbeiten direkt mit der nationalen Feuerwehr unter der Führung von der Einsatzzentrale in Rieti zusammen. Jetzt in der ersten Phase des Erdbebens ist ein kritischer Moment, weil die Feuerwehrleute präzise und schnell arbeiten müssen. Wir haben in Amatrice zwei Einsatzwagen: einmal einen Jeep, einen Defender, um uns schnell auf dem Gelände bewegen zu können. Und einen Nothilfewagen mit all der Ausrüstung, die für die Hilfsaktionen notwendig ist.“

Bereits beim Erdbeben von L‘Aquila 2009 waren Vatikan-Feuerwehrleute im fast völlig zerstörten Dorf Onna im Einsatz.

„Wir tun alles uns Mögliche, wie schon bei L‘Aquila. Hier geht es jetzt nicht um einen Solidaritäts-Wettbewerb, sondern einfach um eine schlichte Solidarität gegenüber der betroffenen Bevölkerung.“

Besonders gefragt ist im Angesicht einer solchen Katastrophe auch die Ortskirche: die Priester und Ordensfrauen, die Seelsorger. Der Bischof von Ascoli Piceno, Giovanni d’Ercole, erzählt uns von seinem persönlichen Einsatz:

„Es arbeiten alle zusammen und einige Priester und ich selbst helfen auch bei der Suche nach Verschütteten. Gemeinsam mit dem Caritasdirektor habe ich gegraben, und dann kamen auch einige Brüder dazu, die nun mitarbeiten.“ Viele Menschen bedankten sich bei den Geistlichen für ihren Einsatz, aber auch für ihren Beistand.

„Der Satz, der immer wieder fällt ist: ‘Verlasst uns nicht, denn wir haben jetzt nichts mehr.‘ Einer sagte mir: ‘Jetzt haben wir nur noch euch’. Heute wird es noch trauriger sein als gestern, angesichts des Schmerzes für jene, deren Hoffnung schwindet, ihre Lieben noch lebend zu finden. Für sie müssen wir jetzt noch mehr da sein.“

Die handfeste Solidarität ist gross, auch und vor allem von den Menschen aus dem nur rund 60 Kilometer entfernten L‘Aquila. Sie gehörten mit zu den Ersten, die in Amatrice eintrafen. 2.500 Menschen sind durch die Zerstörungen obdachlos geworden. Für 250 immerhin konnte der Bürgermeister von L‘Aquila, Massimo Cialente, provisorische Unterkünfte bereitstellen, die Teil eines Wiederaufbauprojekts in der Stadt waren und noch leer stehen. Obwohl praktisch gleich stark, wird das jüngste Beben wohl gravierender gewesen sein als das von L’Aquila, mit mehr Toten, so wird es befürchtet. Dass es wieder so viele Menschen getroffen hat, macht den Bürgermeister unruhig:

„Es ist jetzt der Moment gekommen, indem sich dieses Land dazu entschliessen muss, ausserordentliche Wartungsarbeiten an unseren Bauschätzen und historischen Zentren anzustellen und auch geologische Faktoren zu berücksichtigen. Dieses Projekt müssen wir uns jetzt in den Kopf setzen. Das Beben war besonders stark, es war auch in L’Aquila deutlich zu spüren. Aber jeden Monat, gar jede Woche hören wir von Beben in Japan und Chile. Und dort gibt es solche Tragödien nicht. In Wahrheit müssen wir die Arbeiten an unseren Häusern beginnen, wir müssen sie renovieren und den Sicherheitsaspekt mit einbeziehen. Entweder wir tun das, oder ich weiss nicht, wie viele Tote es noch geben wird.“

rv 25.08.2016 cz

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