Die Papstrede im “Shrine of Our Lady of Madhu”

“Maria hat ihre Kinder auf dieser wunderschönen Insel nie vergessen”

Unsere Liebe Frau von Madhu

Rom, Redaktion

Papst Franziskus besuchte heute auch das Heiligtum “Unserer Lieben Frau” von Madhu. Das mehr als 400 Jahre alte Marienheiligtum war während des Bürgerkriegs als Flüchtlingslager verwendet worden. Wir übernehmen im Folgenden die Ansprache des Heiligen Vaters in einer offiziellen Übersetzung.

Liebe Brüder und Schwestern,

wir sind im Haus unserer Mutter. Hier heisst sie uns bei sich daheim willkommen. In diesem Heiligtum Unserer Lieben Frau von Madhu kann sich jeder Pilger zu Hause fühlen, denn hier führt uns Maria in die Gegenwart ihres Sohnes Jesus. Hierher kommen die Bewohner Sri Lankas – Tamilen wie Singhalesen – als Mitglieder einer Familie. Maria empfehlen sie ihre Freuden und Sorgen, ihre Hoffnungen und Nöte an. Hier in ihrem Haus fühlen sie sich sicher. Sie wissen, dass Gott ganz nah ist, sie spüren seine Liebe, sie wissen um sein liebevolles Erbarmen.

Heute sind auch Familien zugegen, die im langjährigen Konflikt, der das Herz Sri Lankas aufgerissen hat, schwer gelitten haben. Viele Menschen aus dem Norden wie aus dem Süden wurden in diesen Jahren der schrecklichen Gewalt und des Blutvergiessens getötet. Kein Bewohner Sri Lankas kann die tragischen Ereignisse vergessen, die mit genau diesem Ort verbunden sind, oder den traurigen Tag, als die ehrwürdige Statue Mariens, die auf die Ankunft der ersten Christen in Sri Lanka zurückgeht, aus ihrem Heiligtum entfernt wurde.

Aber Unsere Liebe Frau blieb immer bei euch. Sie ist die Mutter eines jeden Hauses, jeder verwundeten Familie, von allen, die danach streben, zu einem friedlichen Leben zurückzukehren. Heute danken wir ihr für die Bewahrung des Volkes von Sri Lanka vor so vielen Gefahren in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Maria hat ihre Kinder auf dieser wunderschönen Insel nie vergessen. Wie sie keinen Augenblick von der Seite ihres Sohnes am Kreuz gewichen ist, so ist sie nie von der Seite ihrer leidenden sri-lankischen Kinder gewichen.

Heute wollen wir Unserer Lieben Frau für diese Gegenwart danken. Im Gefolge von so viel Hass, Gewalt und Zerstörung wollen wir ihr dafür danken, dass sie nicht aufhört, uns Jesus zu bringen, der allein die Macht hat, die offenen Wunden zu heilen und den gebrochenen Herzen Frieden zurückzugeben. Aber wir wollen sie auch darum bitten, für uns die Gnade der Barmherzigkeit Gottes zu erflehen. Wir bitten zugleich um die Gnade, Sühne zu leisten für unsere Sünden und für alles Böse, das dieses Land erfahren hat.

Das zu tun, ist nicht einfach. Doch nur wenn wir im Licht des Kreuzes zur Einsicht gelangen, zu welchem Übel wir fähig sind und an welchem wir sogar teilgenommen haben, können wir echte Reue und aufrichtige Busse erfahren. Nur dann können wir die Gnade erhalten, wirklich reumütig aufeinander zugehen und so echte Verzeihung anzubieten und zu suchen. In diesem schwierigen Bemühen, zu vergeben und Frieden zu finden, ist Maria immer da, um uns zu ermutigen, uns zu leiten und zu führen. So wie sie am Fuss des Kreuzes den Mördern ihres Sohnes vergab und damals seinen leblosen Leib in ihren Armen hielt, will sie nun die Bewohner Sri Lankas zu einer tieferen Versöhnung führen, damit der Balsam der Vergebung und des Erbarmens Gottes allen wahre Heilung bringe.

Schliesslich wollen wir die Mutter Gottes bitten, die Bemühungen der Bewohner Sri Lankas beider – der tamilischen und der singhalesischen – Sprachgemeinschaften, die verlorene Einheit wiederherzustellen, mit ihrer Fürsprache zu begleiten. So wie ihr Bild nach dem Krieg in ihr Heiligtum von Madhu zurückkam, beten wir, dass alle ihre sri-lankischen Söhne und Töchter in einem erneuerten Geist der Versöhnung und Zusammengehörigkeit zu Gott heimkehren.

Liebe Brüder und Schwestern, ich freue mich, mit euch im Haus Mariens zu sein. Beten wir füreinander. Bitten wir vor allem, dass dieses Heiligtum immer ein Haus des Gebetes und eine Insel des Friedens sei. Auf die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Madhu mögen alle Menschen hier erleuchtet und bestärkt werden, eine Zukunft der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens für alle Kinder dieses geschätzten Landes aufzubauen.

Amen.

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