Zum Königtum Mariens und dessen Ursprung

Krönung Mariens nicht bloss eine Analogie

Vatikan: Enzyklika Deiparae Virginis Mariae (englisch)
Mariae Aufnahme in den Himmel: kathpedia
KathTube: Königtum Mariens – Eine Wirklichkeit, Pius XII., Predigtansprache
Königtum Mariens
*Kathpedia – Munificentissimus Deus (Wortlaut)

Bei der Krönung Mariens handelt es sich nicht bloss um eine Analogie, sondern um ein reales und herrschendes Königtum. Gastkommentar von Michael Gurtner

Salzburg, kath.net, 15. August 2014

Wenn wir den glorreichen Rosenkranz mit Andacht betrachten, dann wird uns vielleicht auffallen, dass die letzten beiden Mysterien (“der Dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat” und “der Dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat”) im Grunde zusammengehören. Die Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel fällt mit ihrer Krönung zusammen, ja in einem gewissen Sinne ist die Aufnahme Mariens in den Himmel selbst die Krönung ihres Daseins, wenngleich sich die Krönung Mariens freilich nicht allein darauf erstreckt. Bei der Krönung Mariens handelt es sich nämlich nicht bloss um eine Analogie, sondern um ein reales und herrschendes Königtum.

Die Verehrung der Gottesmutter als Königin hat eine uralte kirchliche Tradition, auch wenn das entsprechende liturgische Fest relativ jungen Datums ist. Es wurde jedoch eingeführt, um einer seit vielen Jahrhunderten praktizierten Frömmigkeitsform auch eine gesamtkirchliche Entsprechung zu geben. Bereits sehr früh wurde die Madonna beispielsweise in marianischen Antiphonen als Königin angerufen: das Salve Regina, das Ave Regina coelorum und das Regina coeli heben mit dem Königtitel Mariens an, und die lauretanische Litanei kennt eine ganze Reihe marianischer Königsanrufungen.

Das liturgische Fest Maria Königin wurde jedoch erst spät gesamtkirchlich begangen. Der Diener Gottes Papst Pius XII führte es vier Jahre nach der Verkündigung des Dogmas der Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel zum Abschluss des Marianischen Jahres 1954 universalkirchlich ein und setzte fest, dass es fortan alljährlich zum Ende des Marienmonats, jeweils am 31. Mai begangen werden sollte. Auf lokalkirchlicher Ebene wurde dieses Fest bereits in verschiedenen katholischen Regionen der Welt an unterschiedlichen Tagen begangen. Mit der Kalenderreform wurde es 1969 schliesslich auf den 22. August, den Oktavtag von Maria Himmelfahrt verlegt, wodurch der Bezug von Himmelsaufnahme und Krönung zusätzlich betont wird.

Die Königschaft Mariens hängt vom Christkönigtum ab und hat wie dieses selbst auch einen mehrfachen Ursprung, wenngleich dessen Ursprünge von den Ursprüngen des Königtums Jesu Christi verschieden sind, sich aber doch analog zu diesem verhalten. So ist das Königtum Jesu Christi, von welchem die Königschaft Mariens abhängt, sowohl angeboren, als auch übertragen sowie erworben. Analog dazu finden wir diese drei Ursprünge auch im Königtum Mariens wieder. Angeboren ist es ihr auf Grund ihrer Gnadenfülle im Hinblick auf ihre Gottesmutterschaft, übertragen durch die Krönung bei ihrer Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel, sowie erworben durch ihre Verdienste, die sie in ihrem irdischen Lebenslauf erworben hat.

Grund dafür, dass Maria durch göttlichen Willen auch Königin ist, ist die höhere Gleichgestaltung an ihren Sohn, was auch dessen Königtum umfasst. Das Königtum Mariens ist eines der drei grossen Privilegien Mariens, und jedes dieser drei Privilegien hat einen ganz besonderen Bezug zu einem speziellen Aspekt der Königsherrschaft Jesu Christi. Das erste Gnadenprivileg der Gottesmutter ist deren unbefleckte Empfängnis, und damit zusammenhängend ihre Gottesmutterschaft, weil deren unbefleckte Empfängnis im Hinblick auf deren Gottesmutterschaft geschah. Es ist dem Sieg Jesu über die Sünde zugeordnet, der Königschaft welche Christus über den Teufel ausübt. Im Hinblick auf diesen Sieg am Kreuz wurde sie bereits im Voraus vor- und vollerlöst und blieb von der Erbschuld unberührt.

Ihr zweites Gnadenprivileg ist die Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel. Dieses ist der Herrschaft Christi über den Tod im Speziellen und die Welt im Allgemeinen zugeordnet: Jesus hat in seiner Auferstehung den Tod bezwungen und seine Königsherrschaft über Leben und Tod ausgeübt. Er ist der Herrscher über Leben und Tod. Die Aufnahme Mariens mit Leib und Seele ist gleichsam die Frucht des Sieges ihres Sohnes und ein Unterpfand der Leiblichkeit unserer eigenen Auferstehung (oder Verdammnis) am jüngsten Tag, welche nicht nur die Seele betrifft, sondern auch eine leibliche sein wird, weil der Mensch seinem Wesen nach ein leibseelisches ist: seine Geistseele strebt nach einer leiblichen Form.

Und schliesslich ist noch die Krönung Mariens als das dritte grosse Gnadenprivileg zu benennen, welches dem universalen Königtum Christi als solchem zuzuordnen ist: er ist der Herr über die gesamte Schöpfung und das gesamte Universum, und deshalb ist auch Maria nicht nur aufgrund ihrer Verdienste und ihrer Geburt gekrönt, sondern auch ob der Tatsache, dass Christus der König der irdischen Könige und Herr der irdischen Herren ist, ebenso wie über die Engel und überhaupt alle Geschöpfe der sichtbaren wie der unsichtbaren Welt.

Von daher sehen wir, dass das Königtum Mariens ein Königtum ist, welches dem Königtum ihres Sohnes untergeordnet und von diesem vollkommen abhängig ist, aber gerade deshalb auch ein vollkommenes und echtes Königtum. Wenn die Kirche von der Krönung Mariens spricht, so deutet sie eben diese Abhängigkeit von Christus an: gekrönt zu werden ist etwas Passives, das man sich nicht selbst geben kann, sondern das man von jemandem empfangen muss, der die Vollmacht hat, das Königtum zu verleihen. Es ist ihr angeboren, übertragen und erworben. Was den Erwerb anbelangt, so ist dieser wiederum doppelt: passiv und aktiv. Es wurde ihr von Christus erworben, insofern ihr Königtum vom Königtum Christi abhängt, welches auch er sich (unter anderem) erworben hat. Andererseits ist es auch ein aktiv erworbenes, weil sie selbst Verdienste erworben hat, auf welches ihr Königtum ebenso zurückgeht. Auch dieser Erwerb des Königtums schliesst den empfangenden Charakter nicht aus, da der Erwerb der Grund bzw. einer der Gründe dafür ist, dass Christus seine Mutter im Himmel gekrönt hat.

Wie Gott als der Schöpfer aller Dinge König und Herr der gesamten Schöpfung ist und sich dieses Königtum durch die hypostatische Union auch auf Christus bezieht, “durch den alles geschaffen wurde”, und darüber hinaus sein Königtum nicht nur auf die Schöpfung, sondern auch auf die Neuschöpfung bzw. die Erlösung der gefallenen Schöpfung zurückgeht, so entspringt das Königtum Mariens zunächst aus ihrer Gottesmutterschaft, ausserdem jedoch auch aus ihrer aktiven Rolle bei der Erlösung durch ihren Sohn, dem sie als Mutter gegeben war, wodurch sie sich ihre Mitwirkung bei der Verteilung der Erlösungsgnaden erworben hat. Mariens Königtum hat deshalb eine Art “Schwerpunkt”, welcher in der Neuschöpfung der gefallenen Schöpfung liegt, da ihre gesamte Existenz bereits vor der Erschaffung der Welt festgelegt und auf ihre Mitwirkung bei der Neuschöpfung hin ausgerichtet war.

Dieser Schwerpunkt schliesst nicht aus, dass sich ihr Königtum auch auf die anderen Bereiche bezieht: es bezieht sich in abhängiger Weise auf alles, worauf sich das Christkönigtum bezieht, also auch auf die Engel, die weltlichen Gesellschaften und Staaten, die irdischen Herrscher, Luzifer, etc. Der Schwerpunkt ihres Königtums, welcher auf der Neuschöpfung gelegen ist, ergibt sich daraus, dass sie hier sowohl in deren Vorbereitung, als auch in deren Errichtung und der Austeilung deren Früchte eine ganz besondere und höchst aktive Rolle gespielt hat, was man etwa von der Schöpfung nicht behaupten kann, an der sie im Gegensatz zum Sohn freilich keinen Anteil hat. Dennoch bezieht sich ihr Königtum auch auf diese, wenngleich es sozusagen weniger akzentuiert ist. In Analogie dazu kann man feststellen, dass der Ursprung des Königtums Mariens schwerpunktmässig in ihrer Gottesmutterschaft liegt, wenngleich dies nicht dessen einziger Ursprung ist.

Maria besitzt auf Grund ihrer Auserwählung und Gnadenprivilegierung den Vorrang über alle anderen Geschöpfe und nimmt nach der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in allem den ersten Platz ein. Sie ist in Rang und Würde das erste unter allen Geschöpfen. Deshalb ist sie, wie die lauretanische Litanei bekennt, auch Königin über die Engel, die Patriarchen, die Propheten, die Apostel, die Märtyrer, die Bekenner, die Jungfrauen, schlicht: sie ist die Königin aller Heiligen des Himmels, sie ist die “Regina coelorum”.

Gerade an dieser ihrer Herrschaft über die Engel erkennen wir, dass Maria bereits von ihrer Geburt her Königin ist, und ihr Königtum nicht ausschliesslich ein erworbenes ist, denn die Heilstaten ihres Sohnes erstrecken sich nicht auf die heiligen Engel, und folglich auch nicht Mariens Mitwirkung an den Heilsereignissen. Und dennoch erstreckt sich ihre Herrschaft auch über die unsichtbare Schöpfung, speziell die Engel, weil sie nämlich bereits auf Grund ihres Seins her Königin ist, nicht bloss durch eigenen oder ihres Sohnes Erwerb. Als Schöpfer der Engel erstreckt sich das Königtum Christi auch auf diese, und somit nimmt Maria nicht bloss auf Grund ihrer Gnadenfülle Anteil an der Herrschaft über die Engel, sondern auch über ihren Sohn und dessen Königsherrschaft über die Engel, da sie am gesamten Christkönigtum Anteil hat. Wir dürfen nämlich nie vergessen, dass sowohl Maria als auch Christus das Königtum nicht erst durch Erwerb innehaben, sondern es in ihnen bereits ein Königtum gibt, welches ein seinsmässiges ist und jedem Erwerb vorgeht. Sie waren bereits Könige, als sie es sich auch noch erworben haben!

Weil das Königtum Mariens all jenes umfasst, worauf sich auch das Königtum ihres Sohnes erstreckt, wird sie zurecht unter dem Titel “Königin des Universums” angerufen, da er alles umschliesst was zu umschliessen ist. Es ist eben der Titel eines universalen Königtums.

Zum Schluss müssen wir nochmals auf die Verbindung zurückkommen, welche zwischen dem “Doppelmysterium” der Aufnahme und der Krönung Mariens besteht. Wenn sie, wie wir sagten, bereits von Geburt und auf Grund ihrer Gottesmutterschaft, welche sie ja vornehmlich auf Erden ausgeübt hatte, Königin war: weshalb dann noch eine Krönung im Himmel?

Die Krönung Mariens ist auch der Lohn für deren reichen irdischen Verdienste, und von daher ist es einsichtig, dass es nach dem irdischen Ableben zu einem Krönungsakt kam. Eine unter Theologen heute weitverbreitete Sichtweise ist es, dass diese Krönung eine Art Urtypus für das ewige Leben aller heiligen Menschen sei, welche in Maria bereits das verwirklicht sehen, was dereinst auch ihr eigenes Schicksal sein wird. Diese Sichtweise hat gewiss etwas Richtiges, indem in Maria bereits all das erfüllt ist, was bei den anderen Menschen noch aussteht solange nicht das universale Gericht gesprochen ist. Allerdings wird diese Sicht falsch, wenn man Aufnahme und Krönung Mariens auf den Typus-Charakter, der sicher auch vorhanden ist, beschränkt. Maria kamen die Himmelsaufnahme und die Krönung nicht nur als Menschen zu, sondern sie sind etwas ganz spezifisches, das die Gottesmutter als Gottesmutter, und nicht bloss als Mensch betrifft. Was diesbezüglich für Maria gilt, geht weit über jenes Mass hinaus, das uns selbst einmal zuteilwerden wird. So ist die Krönung Mariens in mehrfacher Hinsicht nicht mit unserem eigenen Lohn für die guten Werke und unsere Verdienste zu vergleichen. Denn es sind nicht nur ihre allgemeinen menschlichen Verdienste, welche ihre Krönung zur Folge haben, sondern ihre spezifischen Verdienste in Zusammenhang mit der Teilhabe am Erlösungswerk, was für die anderen Menschen nicht gilt. Deshalb gehen ihre Verdienste durch ihre bereitwillige Annahme der Heilsereignisse und allzeit und ohne Unterbrechung gläubige Haltung, die eine wahre Teilhabe am Erlösungswerk darstellt, mit welchem sie ganz verbunden war, weit über alle anderen menschliche Verdienste hinaus.

So wie Christus der einzige Erlöser ist, an dessen Erlösungswerk Maria jedoch einen gewissen Anteil hat, so erhält sie auch analog dazu am Königtum Jesu Christi Anteil, von dem ihr Königtum ganz abhängt. Ihr Königtum ist nicht nur ein Ehrenkönigtum, sondern ebenso echt wie jenes Jesu Christi: mit ihrem Königtum ist eine Königsherrschaft verbunden, die sich vornehmlich auf die Ausspendung aller Gnaden erstreckt. Diese Herrschaft konnte jedoch erst in der Vollendung, d.h. nach dem Ende ihres irdischen Lebenslaufs beginnen, weshalb die Aufnahme und die Krönung zusammenfallen. Durch ihre Verdienste, speziell ihre Verdienste unter dem Kreuz, unter dem sie in ihrem Glauben nicht gewankt hat, hat sie die Herrschaft über die Ausspendung der Gnaden erlangt, welche ihr Sohn am Kreuz erworben hat.

Christus ist deshalb der eigentliche und “erste” Ausspender der von ihm erworbenen Gnadenschätze, Maria aber hat daran Anteil. Der Mensch erhält, so könnte man sagen, die Gnaden von Christus durch die Hände Mariens, die ihre königliche Herrschaft zwar nicht nur, aber doch speziell durch Gnadenvermittlung (Fest am 8. Mai) ausübt.

kath.net-Buchtipp
Sauerteig der Welt. Zwischenrufe aus dem Herzen der Kirche
Von Michael Gurtner
Taschenbuch, 228 Seiten
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