Syrien: Ein Priester aus Homs erzählt

Zweieinhalb Jahre Bürgerkrieg und kein Ende ist in Sicht

In Syrien bereiten sich jene Menschen, die noch im Land ausharren, auf den dritten Winter unter extremen Bedingungen vor. Aus der Stadt Sfira in der Provinz Aleppo ist nach einem zweiwöchigen Dauerbeschuss durch Bomben ein Massenexodus von 130.000 Menschen im Gang. In einem Stadtviertel von Homs, das von der Regierungsarmee kontrolliert wird, wirkt der syrische Priester Ziad Hilal. Er leitet dort ein Sozialzentrum der Jesuiten, das Hunderten Familien hilft. Hilal erzählte Radio Vatikan bei einem kurzen Aufenthalt in Rom:

“Erst letzte Wochen starben bei einem Bombenattentat unweit unserer Pfarrei zwei Frauen, eines davon ein junges Mädchen aus der Nachbarpfarrei. Wir waren alle erschüttert. Die Gewalt nimmt immer mehr zu.”

Homs ist überwiegend eine Hochburg der Rebellen. Berichten zufolge steht in der Stadt eine Hungersnot bevor. Pfarrer Hilal kann das bestätigen. Im von den Rebellen besetzten Stadtgebiet lebt eingeschlossen und umzingelt eine Gruppe von Menschen, die er eigens erwähnt.

“Dort gibt es einen niederländischen Jesuitenpater, 75 Jahre alt, Franz von der Lecht. Er ist seit 16 Monaten dort eingeschlossen, mit 72 Christen und einigen hundert muslimischen Familien. Man ist nicht in der Lage, diese Leute aus der Stadt freizubekommen. Der letzte Brief des Priesters sagte unumwunden, die Leute haben nicht mehr das Allernötigste an Nahrung, Medizin und humanitärer Hilfe. Der Winter naht. Drei von den Christen sind in den letzten Wochen gestorben, einfach weil sie keine Medizin hatten. Man muss das der Welt sagen: In Homs sind diese nunmehr 72 Christen und die hunderten Muslime. Sie alle brauchen einen Weg, aus dieser Lage herauszukommen. Andernfalls sind sie in drei bis vier Monaten entweder tot oder schwerkrank.”

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst ist derzeit in Damaskus, Aleppo und Homs im Einsatz. Man sei dabei, die Winterhilfe vorzubereiten, eine Hilfe, die alles umfasst von Nahrung über Decken und Kleidung, Heizungen, Medizin: für Bürger, Vertriebenen und Flüchtlinge.

Einer aktuellen UNO-Studie zufolge lebt in dem ehemals wohlhabenden Syrien heute mehr als die Hälfte der verbliebenen Bevölkerung unter der Armutsschwelle. Zwei Millionen Syrer haben das Land auf der Flucht verlassen, mehr als 100.000 starben. Der Bürgerkrieg in Syrien dauert seit März 2011 an.

rv 27.10.2013 gs

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