‘Mysterium lunae’ – Wesen und Geheimnis der Kirche

Franziskus-Perle des Tages

Johannes der Täufer und seine Würde – Vorbild der Kirche. Die Stimme des Wortes bis hin zum Martyrium, ohne eigene Wahrheit zu beanspruchen. Von Armin Schwibach

Rom, kath.net/as, 24. Juni 2013

Wie der heilige Johannes der Täufer ist die Kirche dazu berufen, das Wort Gottes bis hin zum Martyrium zu verkünden. Die Kirche darf nichts für sich selbst nehmen, sondern muss immer im Dienst des Evangeliums stehen. Mit diesen Worten wandte sich Papst Franziskus in seiner Predigt am Hochfest der Geburt Johannes des Täufers an die in der Kapelle des vatikanischen Gästehauses “Domus Sanctae Marthae” versammelte Gemeinde.

Bei der heiligen Messe konzelebrierte unter anderen der Präsident des Päpstlichen Rates für die Kultur, Gianfranco Kardinal Ravasi. Es nahmen eine Gruppe von Priestern und Mitarbeitern des Dikasteriums sowie weitere Gruppen von Angestellten der Päpstlichen Kommission für christliche Archäologie und des philatelistischen und numismatischen Büros des Vatikans teil.

Am Hochfest der Geburt des heiligen Johannes des Täufers begann der Papst seine Predigt mit einem herzlichen Glückwunsch zum Namenstag an all jene, die den Namen des Wegbereiters tragen. Die Gestalt dieses Heiligen sei nicht immer leicht zu verstehen: “Denkt man an sein Leben, so ist er ein Prophet, ein Mann, der gross gewesen ist und dann ein armseliges Ende findet”. “Wer also ist Johannes?”, fragte sich Franziskus. Er selbst erkläre es: “Ich bin eine Stimme, eine Stimme in der Wüste”. Dabei aber handle es sich um eine Stimme ohne Wort, “denn das Wort ist nicht er, sondern ein anderer”. So erkläre sich das Geheimnis des Johannes: “Nie ergreift er Besitz vom Wort, er ist jener, der den Weg weist, der ihn abzeichnet”. Der Sinn des Lebens des Johannes bestehe so darin, auf einen anderen zu verweisen.

Der Papst bekannte, dass es ihn beeindruckt habe, dass die Kirche für das Fest des Johannes eine Jahreszeit gewählt habe, in der die Tage die längsten des Jahres seien und mehr Licht hätten. In der Tat “war Johannes der Mann des Lichts, er brachte das Licht, doch nicht er war Licht, sondern spiegelte es wider”. Johannes “ist wie ein Mond”. Als Jesus mit seiner Verkündigung angehoben habe, habe das Licht des Johannes begonnen, geringer zu werden und zu verlöschen: “Stimme, nicht Wort, Licht, aber kein eigenes”.

“Johannes scheint nichts zu sein“, so Franziskus: “Das ist die Berufung des Johannes: zu einem Nichts zu werden. Und wenn wir das Leben dieses so grossen, so mächtigen Mannes betrachten – alle glaubten, er sei der Messias –, wenn wir dieses Leben betrachten, wie er zu einem Nichts wird bis hin zur Finsternis eines Gefängnisses, so betrachten wir ein grosses Geheimnis. Wir wissen nicht, wie die letzten Tage des Johannes gewesen sind. Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass er getötet wurde, mit seinem Haupt in einer Schüssel, als das grosse Geschenk einer Tänzerin an eine Ehebrecherin. Ich glaube, dass man nicht tiefer sinken kann als so, zu einem Nichts werden. Das war das Ende des Johannes”.

Im Gefängnis habe Johannes die Erfahrung des Zweifels gemacht, er habe Angst gehabt und seine Jünger gerufen, damit sie zu Jesus gingen und ihn fragten: “Bist du es, oder müssen wir auf einen anderen warten?“. Der Papst verwies auf die Finsternis und den Schmerz über sein Leben. Auch dies sei Johannes nicht erspart geblieben: “Die Gestalt des Johannes lässt mich so sehr an die Kirche denken“.

Die Kirche “existiert, um zu verkündigen, um Stimme eines Wortes zu sein, ihres Bräutigams, der das Wort ist. Und die Kirche existiert, um dieses Wort bis hin zum Martyrium zu verkündigen. Genau dem Martyrium, das in den Händen der Hochmütigen liegt, der Hochmütigen der Erde. Johannes hätte sich wichtig machen können, er hätte etwas von sich sagen können, doch dies kam ihm nicht in den Sinn, allein dies: er verwies, man hörte die Stimme, nicht das Wort. Das Geheimnis des Johannes. Warum ist Johannes heilig und ohne Sünde? Weil er nie, nie eine Wahrheit so genommen hat, als käme sie von ihm. Er wollte kein Ideologe werden. Der Mann, der sich selbst verleugnet hat, damit das Wort in die Höhe komme. Und wir als Kirche können heute um die Gnade bitten, keine ideologisierte Kirche zu werden…”

Die Kirche “muss das Wort Jesu hören und zur Stimme werden, es mutig verkündigen”. Dies sei “die Kirche ohne Ideologien, ohne eigenes Leben: die Kirche, die ‘mysterium lunae’ ist, die ihr Licht allein von ihrem Bräutigam empfängt und gering werden muss, damit er wachse”.

“Das ist das Vorbild, das uns Johannes bietet”, so der Papst abschliessend, “für uns und für die Kirche. Eine Kirche, die immer im Dienst des Wortes steht. Eine Kirche, die nie etwas für sich selbst nimmt. Heute haben wir um die Gnade der Freude gebetet, wir baten den Herrn, diese Kirche in ihrem Dienst am Wort mit Freude zu erfüllen, Stimme dieses Wortes zu sein, dieses Wort zu verkündigen. Bitten wir um diese Gnade: die Würde des Johannes, ohne eigene Ideen, ohne ein Evangelium, das als Eigentum angesehen wird, nur eine Kirche, die Stimme ist und auf das Wort verweist, und das bis hin zum Martyrium. Amen”.

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