Fest der Heiligen Familie

Evangelium nach Lukas 2,41-52

Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem. Als er zwölf Jahre alt geworden war, zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach. Nachdem die Festtage zu Ende waren, machten sie sich auf den Heimweg. Der junge Jesus aber blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten. Sie meinten, er sei irgendwo in der Pilgergruppe, und reisten eine Tagesstrecke weit; dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten. Als sie ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten ihn dort. Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel; er sass mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen. Alle, die ihn hörten, waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten. Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen, und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.

Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört? Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte. Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. Seine Mutter bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen. Jesus aber wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu, und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.

Kommentar zum heutigen Evangelium
Origenes (um 185 – 253), Priester und Theologe, Predigt 193,5

“Nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel”

Der zwölfjährige Jesus bleibt in Jerusalem zurück. Seine Eltern bemerken es nicht, sie suchen ihn voll Angst und finden ihn nicht. Sie suchen “bei ihren Verwandten”, sie suchen “bei ihren Reisegefährten”, sie suchen “bei ihren Bekannten”, bei niemandem aber finden sie ihn… Mein Jesus lässt sich nicht unter den Vielen finden.

So hört nun, wo sie ihn gefunden haben… damit auch ihr ihn finden könnt: “Nach langem Suchen fanden sie ihn im Tempel”. Nicht irgendwo, sondern “im Tempel”, und nicht einfach im Tempel, sondern “mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen”. So sucht doch auch ihr Jesus im Tempel Gottes, sucht ihn in der Kirche, sucht ihn bei den Lehrern, die in diesem Tempel sind und daraus weichen. Wenn ihr so sucht, werdet ihr ihn finden…

Sie treffen ihn an, “wie er mitten unter den Lehrern sitzt… ihnen zuhört und Fragen stellt”. Auch jetzt ist Jesus noch da; er befragt uns und hört uns zu. Lukas schreibt: “Alle waren erstaunt über sein Verständnis und über seine Antworten”. Was setzte sie in Erstaunen? Nicht seine Fragen, die schon staunenswert waren, sondern seine Antworten… “Mose redete”, sagt die Schrift, “und Gott antwortete im Donner” (Ex 19,19). Der Herr lehrte Mose, was er nicht wusste. Bald stellt Jesus Fragen, bald antwortet er…, seine Fragen lösen Erstaunen aus, noch mehr seine Antworten.

Damit auch wir ihn hören können und damit er uns Fragen stellt, auf die er selber antwortet, bitten wir ihn doch, unterziehen wir uns bei der Suche nach ihm nachdrücklichen und schmerzhaften Antworten! Dann werden wir den finden können, den wir suchen. Nicht ohne Grund sagt uns die Schrift: “Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht”. Wer Jesus sucht, darf dabei nicht nachlässig und schlaff sein, er darf nicht nur von Zeit zu Zeit suchen, so wie manche Leute… die ihn deshalb auch nicht finden. Für uns soll deshalb gelten: “Wir suchen dich unter Mühen und Schmerzen”.

Lesungen

Erstes Buch Samuel 1,20-22.24-28

Und Hanna wurde schwanger. Als die Zeit abgelaufen war, gebar sie einen Sohn und nannte ihn Samuel, denn (sie sagte): Ich habe ihn vom Herrn erbeten. Als dann Elkana mit seiner ganzen Familie wieder hinaufzog, um dem Herrn das jährliche Opfer und die Gaben, die er gelobt hatte, darzubringen, zog Hanna nicht mit, sondern sagte zu ihrem Mann: Ich werde den Knaben erst, wenn er entwöhnt ist, hinaufbringen; dann soll er vor dem Angesicht des Herrn erscheinen und für immer dort bleiben. Als sie ihn entwöhnt hatte, nahm sie ihn mit hinauf, dazu einen dreijährigen Stier, ein Efa Mehl und einen Schlauch Wein. So brachte sie ihn zum Haus des Herrn in Schilo; der Knabe aber war damals noch sehr jung. Als sie den Stier geschlachtet hatten, brachten sie den Knaben zu Eli, und Hanna sagte: Bitte, mein Herr, so wahr du lebst, mein Herr, ich bin die Frau, die damals neben dir stand, um zum Herrn zu beten. Ich habe um diesen Knaben gebetet, und der Herr hat mir die Bitte erfüllt, die ich an ihn gerichtet habe. Darum lasse ich ihn auch vom Herrn zurückfordern. Er soll für sein ganzes Leben ein vom Herrn Zurückgeforderter sein. Und sie beteten dort den Herrn an.

Psalm 84(83),2-3.5-6.9-10

Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen! Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn. Mein Herz und mein Leib jauchzen ihm zu, ihm, dem lebendigen Gott. Wohl denen, die wohnen in deinem Haus, die dich allezeit loben. [Sela] Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir, wenn sie sich zur Wallfahrt rüsten. Herr der Heerscharen, höre mein Beten, vernimm es, Gott Jakobs! [Sela] Gott, sieh her auf unsern Schild, schau auf das Antlitz deines Gesalbten!

Erster Johannesbrief 3,1-2.21-24

Seht, wie gross die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heissen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Liebe Brüder, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht; alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und dass er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.

Erreichbares Ziel: Eine Heilige Familie
Tagesheiliger: Hl. Felix I.

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