„Nie wieder Krieg!“ – Bistum Regensburg lädt zur Tagung


Bistum Regensburg weist Kritik an Rednern bei Tagung „Krieg und Frieden“ zurück

Quelle
„Nie wieder Krieg!“ – Bistum Regensburg lädt zur Tagung
pax christi – Termine – Symposion „Friede statt Krieg“
Stift Obermünster – Wikipedia
Rudolf Voderholzer
Bischof Voderholzer (93)

Von Alexander Folz

Redaktion – Donnerstag, 5. November 2026

Gegenüber CNA Deutsch hat Stefan Groß, der Pressesprecher des Bistums Regensburg, den Vorwurf zurückgewiesen, die Tagung „Krieg und Frieden“ biete dem Militär eine Plattform: „Ich sehe nicht im Ansatz, dass wir dem Militär einen Referenzboden geben.“ An den Podien seien auch Ethiker und Theologen beteiligt, fügte er hinzu.

„Vertreter von Pax Christi werden bei der Veranstaltung vor Ort sein und mitdiskutieren. Die Debatte soll einen breiten Raum einnehmen. Niemand von den Teilnehmenden will Krieg“, so Groß. „Seit Jahren diskutieren Vertreter der Kirchen mit Politikern und dem Militär, wer im Ernstfall welche Verantwortung übernimmt. Das gilt für Caritas wie für Diakonie.“

Die Tagung findet am heutigen Donnerstag im Diözesanzentrum Obermünster statt. Zu den Rednern gehören Generalinspekteur Carsten Breuer und der frühere Generalinspekteur Klaus Naumann, der den Festvortrag beim Medienempfang hält. Organisiert hat die Tagung Groß selbst.

Der Regensburger Pfarrer Martin Müller hatte die Veranstaltung in einem Offenen Brief kritisiert, aus dem die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) zitierte. Laut Müller biete das Bistum der „Militärdoktrin eine Plattform“ und mache sich „zum Organ der Regierung und zur Außenstelle der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr“. Es entstehe der Eindruck, Friedenssicherung sei „eine rein militärische Frage“.

Am Vorabend der Bistumstagung fand in Müllers Pfarrsaal ein Symposium unter dem Titel „Friede statt Krieg“ statt. Moderator war laut KNA Odilo Metzler, der Bundesvorsitzende der katholischen Friedensbewegung Pax Christi. In der Programmmitteilung des Bistums vom 27. Oktober sind Vertreter von Pax Christi nicht als Referenten genannt.

Groß beschrieb die Tagung als Veranstaltung „der Medienabteilung der Pressestelle, die im jährlichen Medienempfang gipfelt“. „Angesichts der bedrohlichen Lage haben wir das Thema gewählt, weil es dazu auch eine Stellungnahme der DBK gibt“, erklärte er. „Es ist ausdrücklich als Informationsveranstaltung gedacht, die über aktuelle Themen referiert.“

„Wir bleiben fest auf den Fundamenten der katholischen Friedensethik“, so Groß weiter. Es gehe um Konfliktbewältigung und darum, „wie wir dauerhaft Frieden schließen können“. Auf die Frage, ob das Bistum mit den Kritikern das Gespräch sucht, ging er nicht ein.

Nach der Kritik hatte das Bistum laut KNA dem Titel der Tagung ein „Nie wieder Krieg!“ vorangestellt. Im geänderten Einladungstext heißt es nach KNA-Angaben: „Im Mittelpunkt stehen Fragen der Sicherheitspolitik, der Friedensethik und des Völkerrechts. Wo die Einschätzungen auseinandergehen, soll das auch sichtbar werden.“

In derselben Mitteilung hieß es: „Nach der ursprünglichen Ankündigung dient die Veranstaltung weder der Werbung für die Bundeswehr noch der Unterstützung einer bestimmten sicherheitspolitischen Position.“

In seinem Redemanuskript zur Begrüßung, das CNA Deutsch vorliegt, befasst sich Groß mit der christlichen Friedensethik angesichts militärischer Bedrohungen. Sie stehe „vor einer schwierigen Frage. In der öffentlichen Diskussion wird bisweilen selbst dann ein grundsätzlicher Verzicht auf militärische Gewalt gefordert, wenn Menschen einem bewaffneten Angreifer schutzlos ausgeliefert sind.“

„Die Entscheidung, auf Gegenwehr zu verzichten, hat möglicherweise schwerwiegende Folgen für die bedrohten Menschen“, so das Manuskript. „Wer sich für den Einsatz militärischer Mittel entscheidet, trägt seinerseits Verantwortung für das Leben derjenigen, die von diesem Eingreifen betroffen sind.“

Zugleich zieht Groß eine Grenze: „Selbst dort, wo militärische Verteidigung rechtlich und moralisch gerechtfertigt ist, darf das Leben des einzelnen Menschen niemals hinter strategischen Überlegungen verschwinden. Die Pflicht, menschliches Leiden so weit wie möglich zu begrenzen, bleibt auch im Krieg bestehen.“

Auch das Friedenswort der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), „Friede diesem Haus“, von 2024 greift das Manuskript auf. Es erkenne „das Recht auf legitime Selbstverteidigung an und erinnert zugleich daran, dass militärisches Handeln rechtlichen und moralischen Grenzen unterliegt“.

Der Katechismus der Katholischen Kirche verpflichtet jeden Bürger und Regierenden, „sich für die Vermeidung von Kriegen tätig einzusetzen“ (KKK 2308). Militärische Verteidigung erlaubt er nur unter engen Voraussetzungen: „Die Bedingungen, unter denen es einem Volk gestattet ist, sich in Notwehr militärisch zu verteidigen, sind genau einzuhalten. Eine solche Entscheidung ist so schwerwiegend, daß sie nur unter den folgenden strengen Bedingungen, die gleichzeitig gegeben sein müssen, sittlich vertretbar ist“ (KKK 2309).

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