Kirche in Russland: „Einander stärken und gemeinsam weitergehen“


Wie geht es weiter – mit dem Krieg, mit ihren Familien und mit der Zukunft? Diese Fragen beschäftigen auch die katholischen Gläubigen in Russland. Weihbischof Stephan Lipke aus Nowosibirsk berichtet von Sorgen, aber auch von Begegnungen, die den Menschen Mut machen

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Für den Jesuiten Stephan Lipke, der als Weihbischof in Nowosibirsk tätig ist, war vor allem die jüngste Bischofsweihe in Rom ein besonders freudiges Ereignis. Sein langjähriger Freund Anthony Corcoran, Apostolischer Administrator für die Katholiken in Kirgisistan, wurde am Dienstag in der Basilika St. Paul vor den Mauern zum Bischof geweiht. Besonders bewegt hat Lipke die Predigt von Kardinal Giorgio Marengo, dem Bischof der Mongolei, wie er bei einem Besuch bei Radio Vatikan erzählt:

„Es war das Fest der Erzengel. Da ging es im Evangelium darum, dass der Himmel über dem Menschensohn geöffnet ist. Und er hat davon gesprochen, dass wir als Bischöfe auch die besondere Aufgabe haben, mitzuhelfen, dass der Himmel über unseren Menschen, über unseren Völkern, geöffnet sein soll.“

Ein besonderes Jugendtreffen

In seinem Alltag in Sibirien erlebt Lipke neben vielem, was ganz selbstverständlich weitergeht, auch besondere Herausforderungen. Reisen seien mühsam, Kontakte aus verschiedenen Gründen nicht immer einfach aufrechtzuerhalten. Umso wichtiger seien Begegnungen wie ein Jugendtreffen am Ural, bei dem kürzlich rund 200 katholische Jugendliche aus ganz Russland vier Tage lang zusammenkamen.

„Das war für unsere Leute natürlich sehr wichtig, weil sie das ja nur aus den Pfarreien kennen: zwei, drei Jugendliche – und da auf einmal 200 zusammen. Das war also schon etwas Besonderes für sie. Und Gott sei Dank gibt es solche Ereignisse dann eben auch.“

Gleichzeitig beschäftigen die Menschen in den Gemeinden die Fragen nach der Zukunft. Das gilt für die Zukunft der Kirche ebenso wie für die politische Situation und den Krieg.

„Die Leute fragen sich schon, wie es weitergehen kann. Die Leute machen sich natürlich auch Sorgen um ihre Verwandten, die zum Beispiel an der Front sind. Und sie wünschen sich selbstverständlich, dass Frieden wird. Auch wenn wir uns schwer vorstellen können, wie das aussehen kann. Aber trotzdem: dieser Wunsch ist natürlich da.“

„Unsere Katholiken haben praktisch nach wenigen Tagen aufgehört zu fragen, aus welchem Land der Papst denn stammt“

Auch die weltweite Kirche und Papst Leo XIV. spielen für die Katholiken in Russland eine wichtige Rolle. Lipke beobachtet, dass der Papst schon bald nach seiner Wahl nicht mehr vor allem als US-Amerikaner wahrgenommen worden sei:

„Unsere Katholiken haben praktisch nach wenigen Tagen aufgehört zu fragen, aus welchem Land er denn stammt. Und das merkt man überall auf der Welt. Dieser Papst ist wirklich Papst für alle, und er will es auch sein. Und das merken unsere Leute eben auch.“

Auf großes Interesse seien auch die drei Dokumentar-Filme über die Herkunft und Biographie des Papstes, die in den letzten Monaten herausgekommen sind, gestoßen: „Da haben wir jetzt den dritten Teil letzten Sonntag unseren Leuten gezeigt, und da hatten wir 20 Minuten Probleme, um das Video ans Laufen zu bringen. Und trotzdem waren 25 bis 30 Leute da, die teilweise Tränen in den Augen gehabt haben.“

Bei den Themen, die der Papst anspreche, gehe es nicht nur um kirchliche Fragen. Auch Dinge wie Künstliche Intelligenz, das Internet und die Zukunft der Menschheit würden die Menschen beschäftigen.

Für die katholische Kirche in Russland wünscht sich Lipke vor allem Offenheit – und eine Kirche, die auf andere zugeht. Er verweist auf Kontakte zu Muslimen und lutherischen Gemeinden und auf eine weitere Gruppe, die er stärker erreichen möchte: Studierende aus Afrika und Asien, die in vielen russischen Universitätsstädten leben.

„Eine katholische, weltweite Kirche, die nicht fragt, woher jemand kommt, was seine Muttersprache ist, sondern dass wir gemeinsam beten, glauben, lieben, hoffen. Und das wünsche ich mir.“

Änderungen erwartet er auch im Zug des Ruhestands des langjährigen Erzbischofs von Moskau, Paolo Pezzi. Die Katholiken seien nun neugierig, wie es mit der Kirche in Russland weitergehe. Gerade angesichts der schwierigen Bedingungen sei es wichtig, füreinander da zu sein. Lipke sagt:

„Als ich am Montag abgereist bin aus Nowosibirsk, da waren es null Grad. Also, und da muss man schon sehen, dass man auch stark bleibt und vor allem auch innerlich stark bleibt. Und für mich eine der wichtigsten Sachen: Das ist wirklich, füreinander da zu sein, sich gegenseitig zu stärken, ein gutes Wort füreinander übrig zu haben, zu sagen – ein bisschen kitschig – einander das Herz zu wärmen und gemeinsam weiterzugehen.“

Das Interview mit Weihbischof Lipke führte Anne Preckel.

vatican news – cs, 1. Oktober 2026

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