„Neuapostolische Kirche“ führt Gespräche im Vatikan
Eine Delegation der Neuapostolischen Kirche (NAK) hat in diesen Tagen Rom besucht und dabei auch Gespräche im Vatikan geführt
Quelle
– Neuapostolische Kirche International
Österreich: 50 Jahre Neuapostolische Kirche – Festakt in Wien – Vatican News
An diesem Dienstag war die Delegation auch bei Radio Vatikan zu Gast. In Deutschland hat die Kirche rund 300.000 Mitglieder und ist damit die viertgrößte christliche Konfession im Land; seit neuestem gehört sie auch der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) als Vollmitglied an.

Wir sprachen mit dem Ökumenereferenten der NAK-International, dem Apostel Arne Herrmann.
Interview
„Die Neuapostolische Kirche ist eine Weltkirche mit neun Millionen Mitgliedern weltweit, davon über 85 Prozent in Afrika. Unsere Kirche hat ihren Ursprung in der katholisch- apostolischen Bewegung zur Zeit der Erweckungsbewegung in England; daraus ist später, 1863, die Neuapostolische Kirche entstanden. Die erste Gemeinde war damals in Hamburg, und von dort aus ging es dann wirklich in die Welt, bis heute. In nahezu allen Ländern sind wir aktiv.“
„In unserer Kirche wirken Apostel als kirchenleitendes Amt“
Was kennzeichnet Ihre Kirche?
„Wie der Name schon sagt: das Apostelamt. In unserer Kirche wirken Apostel, personell besetzt, als Amt: als kirchenleitendes Amt. Wir haben auch (so ein bisschen als Brücke und Vergleich zur katholischen Kirche) ein geistliches Oberhaupt weltweit – das ist bei uns der Stammapostel, also der höchste unter den Aposteln. Und vielleicht noch als als ein Unterschied zu den anderen Kirchen: Wir kennen die Sakramente wie die anderen Konfessionen auch, aber wir haben drei Sakramente. Das sind 1) die Taufe als das verbindende Sakrament unter Christen, 2) das heilige Abendmahl, und 3) die heilige Versiegelung, wo die Gabe des Heiligen Geistes durch einen Apostel gespendet wird.“
Im Moment sind Sie zu Gesprächen in Rom, im Vatikan. Wie lange gibt es da schon Kontakte, und wie laufen die?
„Generell können wir sagen: In unserer Kirche sind wir seit über 25, fast dreißig Jahren in der Ökumene tätig, und die Kontakte hier nach Rom gibt es mittlerweile auch schon seit über zwanzig Jahren, woraus dann auch regelmäßige Besuche entstanden sind. Informelle Besuche, insbesondere beim Dikasterium für die Einheit der Christen, zu dem wir mittlerweile jedes Jahr immer wieder gerne kommen und uns austauschen über Entwicklungen in unserer sowie in der römisch-katholischen Kirche. Wichtig ist uns, zu zeigen: Die Verbindung, die Beziehung zu unseren römisch-katholischen Brüdern und Schwestern ist uns wichtig, und wir wollen da im Gespräch bleiben.“
„Die Verbindung, die Beziehung zu unseren römisch-katholischen Brüdern und Schwestern ist uns wichtig“
Und worum geht es bei den Gesprächen?
„Es geht um ganz unterschiedliche Dinge: Was ist neu in unserer Kirche passiert? Wir haben immer Dinge, die wir dann mitbringen, beispielsweise das Thema Frauenordination, die 2023 bei uns neu eingeführt wurde. Wir haben jetzt seit Pfingsten einen neuen Stammapostel als geistliches Oberhaupt; das ist auch wieder ein Punkt, über den wir sicherlich sprechen werden. Und so gibt es immer Themen, die innerhalb von einem Jahr anfallen und über die wir uns dann austauschen. Wir nutzen auch die Gelegenheit, immer wieder auch andere Dikasterien bzw. andere Einheiten kennenzulernen, einfach um unseren Horizont zu erweitern, um in Beziehung zu kommen und – wie man so schön auf Neudeutsch sagt – um zu networken.“
Gibt es auch Formen der ökumenischen Zusammenarbeit on the ground, zum Beispiel in Afrika? Oder ist es doch noch nicht so weit?
„Natürlich – wenn wir jetzt durch die deutsche Brille schauen, dann ist Ökumene sehr strukturell und organisationsgeprägt. Wir haben die ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen). Und wir nehmen wahr, dass es auch in Afrika Ökumene gibt, aber sehr unterschiedlich und oftmals sehr praktisch, on the ground sozusagen: wo einfach ganz selbstverständlich auch unterschiedliche Konfessionen sich helfen, also auch diakonisch oder ganz pragmatisch, was die Gebäude angeht, um Gottesdienst zu feiern usw., und wo das einfach kein Thema ist… da braucht es keine große Organisation, keinen Dachverband in dem Sinne, sondern Ökumene wird einfach gelebt durch Brüder und Schwestern vor Ort. Das ist so ein bisschen der Unterschied, den ich wahrnehme, gerade aus deutscher Brille, wo alles einfach sehr organisatorisch abläuft.“
Mit Apostel Arne Herrmann von der Neuapostolischen Kirche sprach Stefan v. Kempis von Radio Vatikan.
vatican news, 22. September 2026
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