Vatikan: Ratzinger-Preis 2026 geht an US-Theologen Cavadini

Der Ratzinger-Preis kehrt in die Vereinigten Staaten zurück. Der diesjährige Preisträger der Vatikanstiftung Joseph Ratzinger – Benedikt XVI. ist John C. Cavadini, Professor für Theologie an der Universität Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana. Professor Pierluca Azzaro, Sekretär der Vatikanstiftung, erläutert im Gespräch mit Radio Vatikan die Beweggründe der Jury

Quelle
D: Ratzinger-Schülerkreise tagen in Rom zum Verhältnis von Glauben und Politik – Vatican News

Mario Galgano – Vatikanstadt

Cavadini lehrt, forscht und publiziert im Bereich der patristischen Theologie mit einem besonderen Fokus auf das Werk des heiligen Augustinus. Seine Auswahl erfolgte durch das Wissenschaftliche Komitee der Stiftung und erhielt die Genehmigung von Papst Leo XIV. Die feierliche Überreichung durch das Oberhaupt der katholischen Kirche findet am 19. Dezember 2026 im Apostolischen Palast im Vatikan statt.

John C. Cavadini zeichne sich als herausragender Theologe aus, der seine Forschung und Lehre als eine Form der Mission, Evangelisierung und Neuorganisierung begreife, erläutert gegenüber Radio Vatikan Pierluca Azzaro, Sekretär der Vatikanstiftung. Diese Haltung entspreche dem Kerngedanken Joseph Ratzingers, wonach jeder Theologe zugleich das Evangelium verkünden müsse.

Wertschätzung für den Preisträger

Der Präsident der Vatikanstiftung, Roberto Regoli, betont die Wertschätzung für den Preisträger. Cavadini werde für die Ernsthaftigkeit seiner theologischen Publikationen, seinen Einsatz in der akademischen Lehre, seine fachliche Kompetenz, seine pastorale Leidenschaft und seinen lebenslangen kirchlichen Dienst geschätzt.

Cavadini selbst stellt seinen theologischen Ansatz in den Kontext der Kirchengeschichte. Er habe versucht, seine Berufung als Theologe nach dem Vorbild des Gelehrten Origenes aus dem dritten Jahrhundert zu leben, welcher sich stets als Mann der Kirche verstanden habe. An der Universität Notre Dame sei es möglich gewesen, diese Berufung sowohl im kirchlichen als auch im akademischen Rahmen zu verwirklichen. Die Auszeichnung erkenne diese beiden Aspekte des theologischen Wirkens an.

Im Vorjahr ging der Preis an den italienischen Dirigenten Riccardo Muti. Die Fondazione Joseph Ratzinger – Benedetto XVI. ist eine Stiftung vatikanischen Rechts.

Afrikanische Dimension

Neben der Preisverleihung bildet der afrikanische Kontinent einen zentralen Arbeitsschwerpunkt der Vatikanstiftung. Azzaro verweist auf die historische Verbindung zum heiligen Augustinus, der aus Afrika stammte, betont jedoch vor allem die zukunftsorientierte Sichtweise Ratzingers. Dieser habe in den afrikanischen Ortskirchen eine lebendige moralische Kraft gesehen.

Aus Sicht der Stiftung bietet die Theologie Afrikas wichtige Impulse für die Universalkirche und die weltweite katholische Theologie. Genannt werden dabei die Bedeutung des Gemeinschaftslebens auf lokaler Ebene, das der zunehmenden Vereinzelung entgegenwirke, sowie ein Glaube, der sich nicht auf theoretische Überlegungen beschränke, sondern als Lebensstil in der Öffentlichkeit sichtbar werde. Zudem verweist der Stiftungssekretär auf die Realität der Verfolgung und das Zeugnis moderner Märtyrer auf dem afrikanischen Kontinent.

vatican news, 22. September 2026

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