Mozart zurück beim Papst


Ein Salzburger Jugendorchester der Universität Mozarteum spielt am 2. September ein Konzert bei Radio Vatikan in den Vatikanischen Gärten. Mit dabei: zwei originale Geigen, die Wolfgang Amadeus Mozart nutzte. Auf seiner Kindergeige spielt im Vatikan eine zehnjährige Solistin aus China. Sie bringt damit auf gewisse Weise Mozart nach 250 Jahren zurück zum Papst

Quelle

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Für das „Ensemble Bella Musica“ des Pre-College der Universität Mozarteum ist es kein Konzerttermin wie jeder andere, versichert der künstlerische Leiter, Stefan David Hummel. „Wir hatten schon mehrmals die Ehre, eine Messe im Petersdom musikalisch zu gestalten, und jetzt freuen wir uns sehr auf das Konzert in den Vatikanischen Gärten. Es wird zweifellos der Höhepunkt unserer Reise sein.“ Auch die Vorfreude auf eine kurze Begegnung mit Papst Leo am Rand der Generalaudienz sei im Jugendorchester schon spürbar.

Der künstlerische Leiter, Stefan David Hummel, vor der Palazzina Leo XIII., wo der Aufnahmesaal von Radio Vatikan liegt

Der künstlerische Leiter, Stefan David Hummel, vor der Palazzina Leo XIII., wo der Aufnahmesaal von Radio Vatikan liegt

Hummel ist an diesem Donnerstag eigens aus Salzburg angereist, um den historischen Aufnahmesaal von Radio Vatikan in den Gärten des Papstes zu inspizieren. Dort wird das Konzert aufgezeichnet. Über die European Broadcasting Union (EBU) können interessierte Radiostationen die Aufnahme übernehmen – so erreicht die Musik des jungen Ensembles eine Million Hörer und mehr.

Der Star des Konzerts ist dabei ein ziemlich kleines Instrument: Mozarts Kindergeige. Die Stiftung Mozarteum Salzburg bringt sie nach Rom, gemeinsam mit Mozarts Costa-Violine, die der italienische Geigenbauer Pietro Antonio Dalla Costa 1764 in Treviso baute und auf der Mozart bei seinen Konzerten in Wien spielte. Auf der Kindergeige dagegen machte der junge Wolfgang damals seine ersten Schritte als Musiker.

Im Vatikan nimmt diese Violine nun Shuxuan Jin in die Hände. Das zehnjährige Mädchen aus Shanghai lebt seit früher Kindheit in Österreich und studiert im Pre-College der Universität Mozarteum, einer der renommiertesten Musikhochschulen der Welt. Internationale Wettbewerbserfolge hat die junge Solistin schon reichlich gesammelt. Eine Geige, auf der Mozart als Kind spielte, dürfte dennoch zu den ungewöhnlicheren Stationen einer jungen Musikerkarriere zählen.

Reist mit in den Vatikan: Mozarts Kindergeige, gebaut zirka 1746 von Geigenbauer Andreas Ferdinand Mayr

Reist mit in den Vatikan: Mozarts Kindergeige, gebaut zirka 1746 von Geigenbauer Andreas Ferdinand Mayr

Bella Musica versteht sich dabei nicht nur als Nachwuchsorchester, sondern als kleines musikalisches Europa. Die Musikerinnen und Musiker zwischen zehn und 22 Jahren haben Wurzeln in Österreich, Deutschland, Italien, Spanien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Ungarn, aber auch in China, Thailand, Korea und Iran. Als „Young Ambassadors of European Mozart Ways“ reisen sie von von 28. August bis 10. September auf den Spuren Mozarts durch Europa – mit der Idee, über gemeinsames Musizieren Grenzen zumindest für einen Konzertabend ziemlich unwichtig werden zu lassen. „Gerade in diesen unruhigen Zeiten verstehen wir dieses Konzert auch als ein Zeichen des Friedens“, bringt es Orchesterleiter Hummel auf den Punkt: „Musik kann Menschen über Grenzen, Sprachen und Überzeugungen hinweg verbinden. Wir sind dankbar, diese Botschaft gemeinsam in die Welt tragen zu dürfen.“

Das Jugendorchester auf Tournee, hier vor der Reggia di Caserta

Das Jugendorchester auf Tournee, hier vor der Reggia di Caserta   (© Jonas Hoffmann)

Das Konzertprogramm für den Vatikan umfasst hauptsächlich Mozart, von der „Così fan tutte“-Ouvertüre bis zur Jupitersymphonie. Vor einem finalen „Ave Verum“ hat das Ensemble einen kleinen musikalischen Gruß im Gepäck: Im Vatikan und nur im Vatikan wird ein Stück aus „The Sound of Music“ zu hören sein. Nicht zufällig, sondern als Hommage an Leo XIV., denn der in Salzburg spielende US-amerikanische Musik-Streifen von 1965 ist der erklärte Lieblingsfilm des US-amerikanischen Papstes. So trifft am 2. September im Vatikan Mozart auf „the Trapp family“, zumindest musikalisch.

Hier ein Interview mit dem künstlerischen Leiter des Ensembles Bella Musica, Stefan David Hummel

Und dann gibt es noch eine hübsche historische Schleife. Mozart selbst war nämlich schon als Teenager im Vatikan. 1770, auf seiner ersten Italienreise mit Vater Leopold, spielte der damals 14-Jährige dem Papst vor. Clemens XIV. war tief beeindruckt vom musikalischen Genie des jungen Salzburgers und adelte ihn mit dem Orden vom Goldenen Sporn, was ihn formell zum Ritter machte.

Gut 250 Jahre später kommt Mozart also zurück: mit zwei seiner Geigen, einem internationalen Jugendorchester und einer zehnjährigen Musikerin aus China, die auf jenem Instrument spielt, auf dem auch er einmal ganz klein angefangen hat.

Am Rande der Begehung der Sala Assunta: Schnappschuss Richtung Kuppel des Petersdoms

Am Rande der Begehung der Sala Assunta: Schnappschuss Richtung Kuppel des Petersdoms

Die Konzert-Aufzeichnung im Vatikan ist nicht öffentlich zugänglich. Das Ensemble Bella Musica spielt aber in Rom noch drei weitere Konzerte, ebenfalls mit den Mozart-Geigen, darunter am 2. September um 19 Uhr in der Kirche Santa Maria dell´Anima und am 4. September um 18 Uhr im Konservatorium Santa Cecilia.

vatican news – gs, 21. August 2026

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