Sahel: Kirchliche Initiative für sozialen Zusammenhalt und Frieden
In der Sahelregion bemühen sich kirchliche Akteure verstärkt um sozialen Zusammenhalt und Frieden. Die “Sahel Peace Initiative” (SPI), ein im November 2019 gegründetes Projekt der Bischofskonferenzen von Burkina Faso, Mali, Niger, Ghana und der Elfenbeinküste, reagiert auf die multidimensionale Krise in Westafrika
Quelle
Papst-Stiftung für die Sahelzone ordnet sich in Dakar neu – Vatican News
Sahel Zone
Die Schweiz und das UNO-Büro für Westafrika und die Sahelzone: eine erfolgreiche Partnerschaft
Luca Attanasio – Vatikanstadt
Auf einer Versammlung in der malischen Hauptstadt Bamako Ende März riefen religiöse und traditionelle Führer unter dem Titel “Frieden im Sahel und in Westafrika: Ein Appell an den sozialen Zusammenhalt durch kollektives Handeln” zu verstärkten Anstrengungen auf.
Ergebnisse der Friedensarbeit
Jonas Dembélé ist Bischof von Kayes und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Mali. Er berichtete Vatican News über die bisherige Bilanz der Initiative. In den sechs Jahren ihres Bestehens habe das Projekt über 240.000 direkte und etwa 24,5 Millionen indirekte Begünstigte erreicht. Konkret wurden mehr als 18.700 Personen in den Gemeinden – darunter religiöse Führer, Jugendliche und Frauen – in den Bereichen Mediation, Dialog und dem Erkennen von Radikalisierungssignalen geschult.
“Die von uns angeregten Dialogprozesse haben es ermöglicht, reale Zusammenstöße zu vermeiden”, erklärte Bischof Dembélé. Ein Netzwerk von über 700 Friedenshelfern sei in Gebieten aktiv, in die sich andere Akteure kaum mehr wagten. Laut internen Erhebungen äußern 85,9 Prozent der begleiteten Gemeinschaften heute ein höheres gegenseitiges Vertrauen über konfessionelle und ethnische Unterschiede hinweg.
Dimensionen der Krise
Die Krise in der Region wird als tiefgreifend beschrieben. Dembélé identifizierte mehrere Krisenebenen wie beispielsweise im Bereich der Sicherheit, bei der Probleme wie Terrorismus, Angriffe auf Zivilisten sowie gezielte Entführungen und Morde gehörten. Zur humanitären Lage gehören die Millionen Vertriebene und die Schließung von Schulen sowie Gesundheitszentren. Die Wirtschaft sei prägt durch strukturelle Armut, die Jugendliche anfällig für die Rekrutierung durch Extremisten macht. Zur Soziopolitik gehöre der Vertrauensverlust gegenüber Institutionen, Korruption und soziale Ungleichheit. Und dann gebe es die geistig-kulturelle Ebene mit der Instrumentalisierung von Religion für Gewalt sowie die Manipulation ethnischer Identitäten. Besorgniserregend sei zudem die geografische Ausweitung der Krise vom Zentralsahel in Richtung Süden, etwa in den Norden von Togo, Benin, der Elfenbeinküste und Ghana.
Bedeutung des interreligiösen Dialogs
Obwohl die katholische Kirche im Sahel eine Minderheit in einer mehrheitlich muslimischen Umgebung darstellt, bildet der interreligiöse Dialog einen Kernpfeiler der Arbeit. Dembélé betonte, dass der Blick auf muslimische Mitbürger von geschwisterlichem Interesse und dem Wunsch nach Verständnis geleitet sei. “Die Gewalt unterscheidet nicht zwischen einem Christen und einem Muslim. Das Leiden hat keine Konfession”, so der Vertreter der Bischofskonferenz. Friede könne daher nicht das Vorrecht einer einzelnen Religion sein.
vatican news – mg, 23. April 2026
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
Themen
Afrika
Burkina Faso
Mali
Niger
Ghana
Elfenbeinküste
Solidarität
Bischöfe
Katholische Kirche


Schreibe einen Kommentar