Papst Leo XIV. zum Holocaust-Gedenktag: Kirche verurteilt Antisemitismus

Am internationalen Holocaust-Gedenktag von diesem Dienstag hat Papst Leo XIV. die unerschütterliche Haltung der katholischen Kirche gegen jede Form von Antisemitismus bekräftigt. In einer Botschaft auf X mahnte das Kirchenoberhaupt, das Gedächtnis an die Opfer der Shoah nicht zu vergessen

Quelle
Holocaust-Gedenktag: Für selbstkritisches Erinnern – Vatican News
Holocaust

Amedeo Lomonaco und Mario Galgano – Vatikanstadt

An diesem Dienstag erinnerte der Papst via Social Media (X) an die bleibende Aktualität der Konzilserklärung Nostra Aetate. Die Kirche stehe fest zu ihrer Ablehnung jeglicher Diskriminierung oder Belästigung aus Gründen der ethnischen Herkunft, der Sprache, der Nationalität oder der Religion.

Von Pius XII. bis heute: Eine Stimme gegen das Schweigen

Es gibt eine historische Kontinuität dieser päpstlichen Mahnungen. Pius XI. ließ einen Jesuiten noch vor dem Zweiten Weltkrieg den Entwurf zu einer Enzyklika gegen Antisemitismus schreiben; der Papst starb aber vor Vollendung des Textes, und die Enzyklika blieb Entwurf. Am 24. Dezember 1942, als weite Teile der Welt noch nichts von dem systematischen Ausmaß der Judenvernichtung ahnten, beklagte Papst Pius XII. in seiner Weihnachtsbotschaft das Schicksal von Hunderttausenden, die „allein aufgrund ihrer Nationalität oder Abstammung dem Tod geweiht sind”.

Diese Worte wurden später von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2008 als klarer Bezug auf die Deportation und Vernichtung der Juden gewürdigt. Er hob hervor, dass Pius XII. oft “im Stillen und Verborgenen” gehandelt habe, um unter den komplexen historischen Bedingungen so viele Leben wie möglich zu retten – ein Einsatz, für den ihm Persönlichkeiten wie die israelische Premierministerin Golda Meir nach dem Krieg ausdrücklich ihren Dank aussprachen. Später allerdings brach, ausgelöst durch das Theaterstück Der Stellvertreter, eine Debatte über die Haltung von Pius XII. aus, die auf die eine oder andere Weise bis heute anhält.

Orte des Grauens, Orte des Gebets

Die Geschichte des Holocaust-Gedenkens wurde auch durch die persönlichen Erfahrungen von Papst Johannes Paul II. geprägt. 1996 sprach der polnische Papst über Berlin als das einstige Zentrum der “unmenschlichen Pläne der Konzentrationslager” und der “Endlösung”. Für seine Generation blieben die Wunden der Shoah, die von dort ihren Ausgang nahm, zeitlebens schmerzhaft.

Auch die Besuche der Päpste in Auschwitz-Birkenau, angefangen mit Johannes Paul II. im Jahr 1979, bleiben im kollektiven Gedächtnis. Papst Paul VI. erinnerte 1971 an das heroische Opfer von Pater Maximilian Kolbe, der in Auschwitz sein Leben für einen Familienvater gab. Es sind solche Zeichen der Nächstenliebe, die laut Leo XIV. auch in “finsteren Szenarien” den Sieg der Liebe über das Böse ankündigen.

Die Lehre für die Zukunft

Papst Franziskus hatte 2016 bei seinem Besuch in der Synagoge von Rom betont, dass die Shoah uns die Notwendigkeit “höchster Wachsamkeit” lehre. Sechs Millionen Opfer einer barbarischen Ideologie, die den Menschen an die Stelle Gottes setzen wollte, seien eine ständige Mahnung, rechtzeitig zur Verteidigung der Menschenwürde und des Friedens einzugreifen.

Für Leo XIV. ist die Erinnerung an den 27. Januar kein “Nachsitzen” für Geschichtsstudenten, sondern ein Aufruf an das Gewissen jedes Einzelnen. In einer Welt, in der extremer Nationalismus und Hassrede erneut erstarken, bleibe die Stimme des Vatikans ein wichtiges Korrektiv für die “Geschwisterlichkeit der Menschheitsfamilie”.

vatican news, 27. Januar 2026

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