Zehn Jahre nach Erdbeben: Papst fordert Weitblick beim Wiederaufbau


Zehn Jahre nach der verheerenden Erdbebenserie in Mittelitalien hat Papst Leo XIV. an diesem Samstagvormittag die Betroffenen zu einem geeinten und zukunftsgerichteten Wiederaufbau ermutigt. Bei einer Audienz für Delegierte der betroffenen Kommunen im Vatikan erinnerte das Kirchenoberhaupt an die Hunderten Opfer und die massiven Zerstörungen, die ganze Gemeinschaften bis heute zeichnen

Quelle
An die Delegationen der von Erdbeben betroffenen Gemeinden in Mittelitalien – Aktivitäten-Kalender | Vatican.va
Nehemia – Wikipedia

Mario Galgano – Vatikanstadt

Unter Rückgriff auf biblische Erzählungen betonte der Papst, dass Städte nicht durch Einzelaktionen, sondern durch gemeinsame Verantwortung und eine klare Vision wiederbelebt werden.

Es reiche in solch dramatischen Situationen nicht aus, gute Absichten zu hegen oder auf ungeordneten Freiwilligenismus zu vertrauen, so der Pontifex. Notwendig sei ein profetischer Blick, um inmitten von Ruinen die Möglichkeit einer neuen Stadt zu erkennen. Dabei verwies er auf historische Vorbilder und die Bedeutung von Heiligen wie Rita von Cascia, Nikolaus von Tolentino, Benedikt und Franziskus von Assisi, die in Krisenzeiten durch Gebet, Arbeit und konkretes Handeln Wandel bewirkt hätten.

Dazu zählte der Papst auch Nehemia auf, den er in der Enzyklika Magnifica humanitas als Vorbild genannt hatte:

„Für den Wiederaufbau braucht es den geschulten Blick…“

„Nehemia lehrt uns einen zweifachen Ansatz. Zunächst den gemeinschaftlichen: Eine Stadt wird nämlich nicht durch das Handeln einer einzelnen Person wiedergeholt, sondern durch die geteilte Verantwortung des gesamten Volkes. Nehemia legt uns darüber hinaus nahe, dass man für den Wiederaufbau eine Vision braucht. In so dramatischen Fällen reicht es nicht aus, gute Absichten zu hegen oder sich auf einen ungeordneten Freiwilligenismus zu verlassen. Für den Wiederaufbau braucht es den geschulten Blick, der in einer Ruine den Bauplan eines Hauses und einer Stadt zu erkennen vermag.“

Fundament des Zusammenlebens

Neben einer zügigen, sicheren und transparenten materiellen Wiederherstellung mahnte das Kirchenoberhaupt an, auch das Fundament des Zusammenlebens nicht aus dem Blick zu verlieren. Ausgehend von der Botschaft des Propheten Haggai erklärte er, dass ein Neuanfang bei den Menschen, dem Gemeinwesen und den Beziehungen ansetzen müsse, da sonst alles brüchig bleibe:

„Es geht also darum, wieder von der Mitte auszugehen – bei Gott anzufangen, bei den Menschen, beim Gemeinwohl und bei den Beziehungen. Dann wird unsere Hoffnung auf Fels gebaut sein.“

Zum Abschluss bekräftigte der Papst seine Verbundenheit mit den Menschen in den betroffenen Regionen und ermutigte sie mit den Worten des Propheten Haggai zum gemeinsamen Weitermachen.

Hintergrund

Die Erdbebenserie im Spätsommer und Herbst 2016 hatte die Regionen Abruzzen, Latium, Marken und Umbrien schwer erschüttert. Neben fast 300 Todesopfern richteten die Erdstöße immense Schäden an der Infrastruktur, Wohngebäuden sowie historischen Kirchen und Kulturdenkmälern an. Der zähe Wiederaufbau stellt die betroffenen Kommunen auch eine Dekade nach dem Katastrophenjahr vor große logistische, wirtschaftliche und demografische Herausforderungen.

vatican news, 31. Oktober 2026

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