Smerilli: Psychische Gesundheit ist Kernauftrag der Kirche

Zum Welttag der psychischen Gesundheit am 10. Oktober hat das Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen erstmals eine Botschaft seiner Präfektin, Schwester Alessandra Smerilli, veröffentlicht. Darin bezeichnet die Ordensfrau die psychische Gesundheit als eine dringliche pastorale Aufgabe. „Keine psychische Wunde kann jemals die Würde eines Menschen auslöschen“, schreibt sie

Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen

Quelle
Welttag der psychischen Gesundheit/Übersetzung
«Aktionstage Psychische Gesundheit» 2026 – UPK Basel

Unter Bezug auf das Apostolische Schreiben Dilexi Te von Papst Leo XIV. und die Konzilskonstitution Gaudium et Spes betont Smerilli, dass menschliche Entwicklung den Menschen in all seinen Dimensionen berücksichtigen müsse – materiell, intellektuell, moralisch, spirituell und religiös. „Eine Entwicklung, die Geist und Herz vergisst, ist keine ganzheitliche“, hält sie fest.

Besondere Aufmerksamkeit fordert die Präfektin in ihrer Botschaft für zwei Bereiche: Menschen, die unter humanitären Krisen wie Krieg, erzwungener Migration, politischer Instabilität, Umweltkatastrophen und struktureller Armut leiden, sowie junge Menschen, die angesichts gesellschaftlichen Drucks, wirtschaftlicher Unsicherheit und Isolation zunehmend emotionalen Belastungen ausgesetzt sind. Trotz der unterschiedlichen Lebenssituationen gebe es eine gemeinsame Ursache für Verletzlichkeit: „Ein Mensch wird verwundbar, wenn Sicherheit, Beziehungen, Sinn und Hoffnung fehlen.“

Zuhören als Anfang von Heilung

Die Kirche müsse Menschen in psychischen Krisen vermitteln: „Ihr seid nicht allein, und Gott hat euch nicht verlassen.“ Der Glaube ersetze dabei keine professionelle Hilfe, sondern begleite sie und gebe Hoffnung, unterstreicht Smerilli. „Niemand heilt allein.“ Heilung beginne häufig in dem Moment, in dem ein Mensch das Gefühl habe, wirklich gehört zu werden – ein Verweis auf das diesjährige Motto des Welttags der psychischen Gesundheit: „Lived Experiences Heard: Real Voices, Real Change“ – gelebte Erfahrungen hören, echte Stimmen, echter Wandel.

Aus dem Zuhören müsse konkretes Handeln folgen. Gefragt sei eine verlässliche, fachkundige, mitfühlende und vorbeugende Seelsorge, die den Menschen als Ganzes in den Blick nehme. Dazu gehörten die Ausbildung pastoraler Mitarbeiter, die Zusammenarbeit mit Fachkräften im Gesundheitswesen, klare Wege zur Vermittlung professioneller Hilfe, Suizidprävention sowie Unterstützung für Familien und junge Menschen.

Menschen mit psychischen Leiden dürften dabei nicht lediglich als Empfänger von Hilfe betrachtet werden. Sie seien vielmehr selbst „Protagonisten des Weges nach vorn“, und ihre Stimmen müssten die Antworten auf ihre Bedürfnisse mitgestalten, schreibt die Präfektin. Die Sorge um sie sei kein Randthema: „Sie gehört ins Herz der Sendung der Kirche.“

vatican news, 9. Oktober 2026

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