Papst prangert schlechte Bedingungen für Jugend an

An die Teilnehmer am Internationalen Kongress zur Schul- und Hochschulpastoral

Quelle
An die Teilnehmer am Internationalen Kongress zur Schul- und Hochschulpastoral – Aktivitäten-Kalender | Vatican.va

Papst Leo XIV. hat eine existentielle Not zahlreicher Studenten beklagt. Konkret nannte er „zerrüttete Familien, digitale Einsamkeit, das Gefühl der Unzulänglichkeit oder der Angst vor einer Zukunft, die ungewiss erscheint“. Katholische Schulen und Universitäten rief das Oberhaupt der katholischen Kirche bei einer Audienz diesen Donnerstag im Vatikan auf, der Jugend eine Heimat zu bieten, ihr zuzuhören und sie zu begleiten.

Stefanie Stahlhofen – Vatikanstadt 

„Nicht wenige junge Menschen sind heute wie gelähmt vor Angst, Fehler zu machen, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, missverstanden zu werden oder den Erwartungen nicht zu entsprechen. Wir leben in einer Leistungskultur, die ständig Vergleiche anstellt und Menschen auf manchmal gnadenlose Weise einstuft. Eine falsch verstandene Leistungsgesellschaft führt letztendlich dazu, dass Menschen nicht respektiert werden. Aus diesem Grund geben viele auf, noch bevor sie es überhaupt versucht haben“, führte Leo XIV. aus. Er äußerte sich vor rund 1000 Teilnehmern eines internationalen Kongresses zur Schul- und Hochschulseelsorge, den das Vatikan-Dikasterium für Kultur und Bildung von diesem Donnerstag bis Freitag ausrichtet. Eingeladen sind Mitarbeiter der Schul- und Hochschulpastoral aus der gesamten katholischen Welt sowie Lehrkräfte, Seelsorger und Vertreter von Bildungseinrichtungen. Ihnen legte Leo XIV. ans Herz: 

Papst Leo XIV. bei der Audienz für rund 1000 Teilnehmer eines internationalen Kongresses zur Schul- und Hochschulpastoral, den das Vatikan-Dikasterium für Kultur und Bildung von diesem Donnerstag bis Freitag ausrichtet   (VATICAN MEDIA)

„Helft den jungen Menschen, denen ihr begegnet, Protagonisten einer neuen Art des Lebens in der Welt zu sein, Baumeister der Geschwisterlichkeit und einer gerechteren Gesellschaft“

Zum Hören: Papst Leo XIV. prangert schlechte Bedingungen für Jugend an – katholische Schulen und Universitäten sollen Jugend eine Heimat bieten, ihr zuzuhören und sie begleiten (Audio-Beitrag von Radio Vatikan)

Gemeinsame Suche nach der Wahrheit

„Helft den jungen Menschen, denen ihr begegnet, Protagonisten einer neuen Art des Lebens in der Welt zu sein, Baumeister der Geschwisterlichkeit und einer gerechteren Gesellschaft. Mut entsteht aus einem Vertrauenspakt: aus der Erfahrung, dass jemand an dich glaubt, noch bevor du an dich selbst glaubst. Jesus hat die Zwölf nicht ausgewählt, weil sie mutig waren; er hat sie berufen und durch sein Vertrauen befähigt“, so der papst in Erinnerung an die Jünger Jesu. Katholische Schulen und Unis sollten jungen Menschen daher Selbstbewusstsein und Mut vermitteln und ihnen ein „Zuhause“ bieten, betonte der Papst: „Die erste Verkündigung erfolgt oft durch eine einladende Art: jemand, der dir in die Augen schaut, der sich an deinen Namen erinnert, der deine Abwesenheit bemerkt, der sich über deine Rückkehr freut.“ Berufung der katholischen Schulen und Universitäten sei die gemeinsame Suche nach der Wahrheit. 

„Ich ermutige euch daher, den Verstand der Jugendlichen anzuregen und ihren Fragen Wert beizumessen. Eure Leidenschaft – insbesondere für diejenigen unter euch, die in katholischen Einrichtungen tätig sind – möge darin bestehen, Jugendliche die Schönheit der Begegnung mit Christus und die Fruchtbarkeit des Zusammenspiels zwischen Glaube und Vernunft, zwischen dem Wissen des Glaubens und den verschiedenen anderen Wissensbereichen, erleben zu lassen.“

„Jugendliche die Schönheit der Begegnung mit Christus und die Fruchtbarkeit des Zusammenspiels zwischen Glaube und Vernunft, zwischen dem Wissen des Glaubens und den verschiedenen anderen Wissensbereichen, erleben lassen“

Seelsorge und Bildung mit Zeit, Herz, und Gebet

Leo XIV. warb für Seelsorge und Bildung mit Zeit. „Die Schul- und Hochschulseelsorge ist dazu berufen, das langsame Keimen des Denkens zu begleiten, zu lehren, zu unterscheiden und beharrlich zu suchen. Bildungsprozesse ,erfordern eine Zeit der Reifung, eine Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit jenseits des äußeren Scheins und ein geduldiges Voranschreiten`. Wir müssen ,unsere Jugend vor der Verheißung der perfekten Maschine schützen, vor jener subtilen Verführung, die das menschliche Denken gerade dann nutzlos erscheinen lässt, wenn es am notwendigsten ist`“, mahnte Papst Leo XIV. mit Blick auf Künstliche Intelligenz und einem Zitat aus seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ (vgl. Nr. 140).

Das katholische Kirchenoberhaupt warb zudem für Nächstenliebe und Gebet: 

„Die Seelsorge an Schulen und Universitäten wird umso fruchtbarer sein, je mehr sie sich auf die Erziehung des Herzens konzentriert. Das Herz zu Mitgefühl, Dankbarkeit und der Fähigkeit erziehen, sich vom Leid anderer berühren zu lassen; es zum Lobpreis und zur Sehnsucht nach Gott erziehen“

„Hinter dem Panzer, den sich viele junge Leute zulegen, um nicht leiden zu müssen, verbirgt sich der Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden. Die Seelsorge an Schulen und Universitäten wird umso fruchtbarer sein, je mehr sie sich auf die Erziehung des Herzens konzentriert. Das Herz zu Mitgefühl, Dankbarkeit und der Fähigkeit erziehen, sich vom Leid anderer berühren zu lassen; es zum Lobpreis und zur Sehnsucht nach Gott erziehen. Der Dienst an den Armen, die ehrenamtliche Arbeit und die Bewahrung der Schöpfung sind keine Nebensächlichkeiten, sondern Möglichkeiten für das Herz, sich zu öffnen. Vergessen wir nicht: Nächstenliebe und Gebet sind untrennbar miteinander verbunden.“

„Falsche Lehrer und irreführende Botschaften“ versprächen der Jugend oft, all ihre Fragen schnell zu beantworten. Katholische Bildungseinrichtungen würdigte Papst Leo XIV. hier als Gegenpol, „etwas Größeres zu tun: mit ihnen den Weg zu gehen, bis sie die Gaben entdecken, die Gott bereits in sie gelegt hat.“

Hintergrund

Das Vatikan-Dikasterium für Kultur und Bildung organisiert vom 22.–23.Oktober 2026 einen internationalen Kongress zur Schul- und Hochschulpastoral im Vatikan. Grundlage ist das Apostolische Schreiben von Leo XIV. „Neue Landkarten der Hoffnung entwerfen“ („Disegnare nuove mappe di speranza“ vom 27. Oktober 2025). Der Papst hatte es anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums des Konzilsdokumentes „Gravissimum Educationis“ verfasst, um die christliche Bildungsmission in einer komplexen, digitalisierten Welt neu auszurichten.

vatican news – sst, 22. Oktober 2026

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