EU-Bischöfe: Eine solidarischere und friedlichere Gesellschaft aufbauen
Der Generalsekretär der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) hat für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Ventotene-Manifest plädiert. Trotz kontroverser Passagen habe das 1941 entstandene Dokument einen Beitrag zum europäischen Gemeinwohl geleistet und die Vision eines friedlichen, geeinten Europas geprägt

Quelle
Das „Manifest von Ventotene“ von 1941 – Rosa-Luxemburg-Stiftung
EU-Bischöfe in Lviv: COMECE-Delegation besucht Ukraine – Vatican News
Barrios Prieto äußerte sich am Samstagnachmittag bei einem wissenschaftlichen Seminar auf der italienischen Insel Ventotene zum Thema „Der Beitrag der Katholiken zur europäischen Integration“. Veranstaltet wurde die Tagung von der Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice in Zusammenarbeit mit der Erzdiözese Gaeta, dem Studienzentrum „Cardinal De Vio“, der Hanns-Seidel-Stiftung und dem italienischen Gemeindeverband ANCI Lazio.
Historisches Dokument mit umstrittenen Passagen
In den vergangenen Monaten sei das Ventotene-Manifest wieder verstärkt in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte in Italien gerückt, erklärte Barrios Prieto. Insbesondere seine Aussagen zu Sozialismus, Privateigentum und Demokratie hätten kontroverse Diskussionen ausgelöst. Eine kritische Auseinandersetzung mit einem historischen Text sei legitim, betonte der COMECE-Generalsekretär.
Zugleich warnte er davor, das Dokument losgelöst von seinen historischen Entstehungsbedingungen zu bewerten. Das Manifest sei weder ein heiliger Text noch ein Programm, das die Europäische Union vollständig übernommen habe. Es sei vielmehr 1941 unter dramatischen Umständen entstanden und trage auch die Spuren des damaligen politischen und intellektuellen Umfelds.
Erinnerung soll Europa nicht weiter spalten
Aus der Geschichte Ventotenes lasse sich deshalb eine wichtige Aufgabe für die Gegenwart ableiten: Die Erinnerung an das Manifest solle dazu beitragen, Zusammenhänge besser zu verstehen, statt bestehende Gegensätze weiter zu verschärfen.
„Wir müssen nicht notwendigerweise in allem übereinstimmen, um anzuerkennen, was in der Geschichte zum europäischen Gemeinwohl beigetragen hat“, betonte Barrios Prieto.
Damit stellte er die historische Bedeutung des Manifests für die europäische Einigung in den Vordergrund, ohne seine umstrittenen Inhalte auszublenden. Die Auseinandersetzung mit Ventotene könne so zu einer differenzierten Debatte über die Grundlagen Europas beitragen – und an die zentrale Bedeutung von Frieden und politischer Zusammenarbeit erinnern.
sir – skr, 18. Oktober 2026
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