Slowakei/D/Schweiz: Märsche für das Leben
An die 30.000 Menschen haben am Sonntag in Bratislava für den Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod demonstriert
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Mit Gebeten, Reden und Musik zogen die Teilnehmer des nationalen „Marsch für das Leben“, unter ihnen der Pressburger Erzbischof Stanislav Zvolensky und der griechisch-katholische Erzbischof von Kosice, Cyril Vasil, durch das Zentrum der slowakischen Hauptstadt.

Anwesend war auch der päpstliche Nuntius Nicola Girasoli, der eine Grußbotschaft des Papstes verlas. Leo XIV. weitete darin den Blick vom Schutz ungeborenen Lebens auf alle verletzlichen Menschen. Er ermutige dazu, „eine Kultur zu fördern, die besonders für die Verletzlichsten und Wehrlosesten Sorge tragen kann und so zum Aufbau einer geschwisterlicheren und solidarischeren Gesellschaft beiträgt“.
Jeder Menschen ist einzigartig
Die Teilnehmer des Pro-Life-Marsches trugen Schilder mit Aufschriften wie „Ich bin für das Leben“ und „Jeder Menschen ist einzigartig“. Im Zentrum stand diesmal die Forderung, das bereits in der Verfassung verankerte Verbot der Leihmutterschaft im Strafrecht zu konkretisieren und auf sämtliche Vereinbarungen über das Austragen eines Kindes für eine andere Person auszudehnen. Der Marsch verband diese Forderung mit zwei weiteren Punkten aus derselben Verfassungsnovelle von 2025: der Zustimmung der Eltern bei der Sexualerziehung und der gesetzlichen Umsetzung der Bestimmung über biologisch bestimmtes Geschlecht.
„Eine Gesellschaft, die eine Mutter in Not nicht allein lässt, sondern ihr wirkliche Hilfe und Unterstützung anbietet.“
Langfristig geht es Pro-Life-Vertretern um die Abschaffung jener in der Slowakei geltenden Regelung, welche Abtreibungen auf Wunsch bis zur zwölften Woche zulässt. „Marsch für das Leben“-Sprecher Dmitrij Olovsky betonte zugleich, dass Lebensschutz nicht bei einem Verbot stehen bleiben dürfe. Man wolle eine Gesellschaft, die „eine Mutter in Not nicht allein lässt, sondern ihr wirkliche Hilfe und Unterstützung anbietet“. Schutz des ungeborenen Lebens solle mit materieller, gesundheitlicher und sozialer Hilfe für Schwangere und Familien in Krisen verbunden werden.
Bei Lebensschutz-Demos in Deutschland mehrere Bischöfe dabei
Auch in Deutschland haben am vergangenen Samstag „Märsche für das Leben“ stattgefunden. Nach Angaben des Veranstalters, des deutschen Bundesverbands Lebensrecht (BVL), nahmen daran insgesamt über 6.000 Menschen teilgenommen. Die Polizei nannte für Berlin rund 2.000 Teilnehmer; für Köln lagen laut Polizei keine Angaben zu den tatsächlichen Teilnehmerzahlen vor.
Die Kundgebungen richteten sich vor allem gegen Abtreibungen und für den Schutz des ungeborenen Lebens. In Berlin führte der Marsch vom Washingtonplatz unter anderem über die Invalidenstraße, den Potsdamer Platz und Unter den Linden. Der Zug wurde im Bereich der Charité Klinik zeitweise durch Gegendemonstranten behindert. In Köln startete die Veranstaltung am Neumarkt und führte durch die Innenstadt. Parallel fanden jeweils Proteste von Abtreibungsbefürwortern statt.
An den Veranstaltungen beteiligten sich auch Vertreter verschiedener Kirchen und christlicher Organisationen, darunter mehrere katholische Bischöfe. In Berlin waren nach Angaben der Diözese Regensburg mit Rudolf Voderholzer, Stefan Oster, Josef Graf, Florian Wörner und Gregor Maria Hanke fünf bayerische Bischöfe dabei. In Köln nahm Weihbischof Dominikus Schwaderlapp teil.
Marsch in Wien am 10. Oktober
Auch in Zürich fand am Samstag der „Marsch fürs Läbe“ statt. Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 2.200 Menschen teil. Hauptredner war der SVP Politiker Nicolas Kolly, der über „die Perspektive von Männern, die von einer unerwarteten Schwangerschaft oder einer Abtreibung betroffen sind“, sprach. Die Polizei berichtete von mehreren Blockadeversuchen durch Gegendemonstranten und setzte unter anderem Wasserwerfer ein. Weitere Märsche fürs Leben finden am 3. Oktober in Ljubljana, am 10. Oktober in Wien und am 14. November in Den Haag statt.
Oster warnt vor Instrumentalisierung
Vor dem Hintergrund des Marsches erklärte Bischof Stefan Oster in einem Interview mit der Kirchenzeitung von Passau, hinter seiner Teilnahme stehe eine längere Abwägung. „Die vielen, meist gläubigen Menschen auf dem Marsch wollen sich ihr Anliegen nicht aus der Hand nehmen lassen, auch wenn es andere für sich politisch instrumentalisieren wollen, die zeitlich später dazugekommen sind“, sagte der Bischof. Dies sei für ihn nachvollziehbar. Ein Wegbleiben könne auch gedeutet werden als: „Wir überlassen denen das Feld, die das Anliegen für sich kapern wollen“, was er selbst nicht wolle.
Oster spielte dabei darauf an, dass in der Vergangenheit teils rechtsextreme Aktivisten und AfD-Vertreter wie Beatrix von Storch bei den Demonstrationen mitgelaufen waren. Deshalb ist der „Marsch für das Leben“ auch in Deutschland bei manchen Kirchenvertretern umstritten. Oster hatte im Vorjahr erklärt, er sei sich nicht sicher, „ob der Begriff Marsch für die Veranstaltung tatsächlich noch in die Zeit passt“. Zugleich sei er „offen für gute neue Ideen“, um dem wichtigen Anliegen des Lebensschutzes mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.
kap – sk, 21. September 2026
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