KI und Kirche: „Ich glaube nicht, dass wir als Kirche ersetzt werden“
Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich bei ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda im Rahmen eines Studientags eingehend mit der am 25. Mai 2026 von Papst Leo XIV. veröffentlichten Sozialenzyklika Magnifica humanitas auseinandergesetzt. Über die Ergebnisse der Beratungen und die daraus abgeleiteten Aufgaben für die Kirche in Deutschland informierten führende Vertreter der Bischofskonferenz an diesem Mittwoch, 30. September 2026, bei einem Pressegespräch in Fulda

Mario Galgano – Vatikanstadt
Das Papstschreiben, das weltweit in Kirche, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft ein breites Echo auslöste, widmet sich den ethischen Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz, der Wahrung der Menschenwürde sowie dem Gemeinwohl.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, bezeichnete das Papstschreiben als richtungsweisenden Meilenstein und hermeneutischen Schlüssel zum Denken von Leo XIV. In einer von Algorithmen und gesellschaftlicher Fragmentierung geprägten Welt setze der Papst ein deutliches Zeichen für den Unwert der reinen Effizienz. Der Mensch dürfe nicht zum bloßen Datenmaterial oder Faktor ökonomischer Verwertbarkeit degradiert werden. KI könne zwar bei der Krankheitsfrüherkennung oder der Arbeitserleichterung wertvolle Dienste leisten, sei jedoch keineswegs neutral, sondern transportiere stets Macht- und Entwicklerinteressen. Verantwortung für Entscheidungen im Bereich von Bildung, Arbeit oder Gesundheit dürfe daher niemals an Maschinen delegiert werden.
Ebenso blickte Bischof Wilmer auf die Zukunft des Glaubens im Zeitalter des technologischen Wandels: „Ich glaube nicht, dass wir als Kirche ersetzt werden. Ganz sicher nicht. Ich glaube schon, dass unsere Religion verändern wird. Und ich bin fest davon überzeugt: Wir brauchen nicht weniger Religion. Wir brauchen eine veränderte Religion, so dass unser Denken, Handeln und Hoffen die Menschheit menschlicher macht und Licht für die Welt ist.“
„Wir brauchen eine veränderte Religion, so dass unser Denken, Handeln und Hoffen die Menschheit menschlicher macht und Licht für die Welt ist.“
Medienethische Aspekte
Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hob die medienethischen Aspekte der Enzyklika hervor. Papst Leo XIV. mahne eine „Ökologie der Kommunikation“ an, die auf verlässlichen, unabhängigen Journalismus und Medienkompetenz angewiesen sei. KI dynamisiere sowohl positive Potenziale als auch Gefahren wie die ungefilterte Verbreitung von Fälschungen und Desinformation, was das gesellschaftliche Vertrauen nachhaltig beschädigen könne. Zudem kritisierte Kardinal Marx die Machtkonzentration großer Tech-Konzerne über die digitale Infrastruktur und forderte eine stärkere Regulierung, ein internationales Bildungsbündnis sowie den konsequenten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Online-Inhalten.
Der Vorsitzende der Deutschen Kommission Justitia et Pax, Erzbischof Udo Markus Bentz, beleuchtete die Relevanz des Schreibens für die katholische Sozial- und Friedenslehre. Papst Leo XIV. verstehe die Soziallehre als lernenden Prozess, der sich kontinuierlich den neuen Gegebenheiten der Epochen stellen müsse. Die Digitalisierung werfe fundamentale Fragen der politischen Ökonomie, der globalen Gerechtigkeit und der Menschenrechte auf. Zudem warnte Erzbischof Bentz mit Verweis auf die Enzyklika vor den Gefahren autonomer Waffensysteme und einer technologisch beschleunigten Kriegsführung, durch die Verantwortlichkeiten verschleiert und die Schwelle zur Anwendung von Gewalt gesenkt würden.
vatican news, 30. September 2026
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