Die Poesie des heiligen Mönchs Gregor von Narek aus Armenien
Der österreichische Sprachwissenschaftler und Altphilologe Herbert Maurer, der im 100. Gedenkjahr des Völkermordes an den Armeniern 2015 das Buch “Und Gott spricht Armenisch” veröffentlichte, übersetzte Texte des diesem Volk angehörigen Mönchs Gregor von Narek

Quelle
Und Gott spricht Armenisch: Zwischen Menschen und Sprache
Klagelieder | Buch | Online kaufen
Gregor von Narek – Wikipedia
Armenien
6. April 2026
Der österreichische Sprachwissenschaftler und Altphilologe Herbert Maurer, der im 100. Gedenkjahr des Völkermordes an den Armeniern 2015 das Buch “Und Gott spricht Armenisch” veröffentlichte, übersetzte Texte des diesem Volk angehörigen Mönchs Gregor von Narek. Das 2020 erschienene Buch trägt den Titel “Fenster der Seele“ und birgt “Auszüge aus dem Buch der Trauer und Hoffnung”, einem Kapitel aus Gregors “Buch der Klagelieder”.
Gregor von Narek war Armenier und wurde vor 950 in einem Dorf im äußersten Osten der heutigen Türkei, am Ufer des Vansees, geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wurden er und sein älterer Bruder von einem Onkel erzogen, der als Mönch im Kloster Narek lebte, wo er seine Neffen ausbilden ließ. Gregor trat in das Kloster ein und wurde 977 zum Priester geweiht. Das Kloster Narek (armenisch: Narekawank) wurde im Jahr des Völkermordes an den Armeniern im Jahr 1915 durch die türkische Armee zerstört.
Der Mönch und Priester Gregor von Narek wurde Theologieprofessor und verfasste eine mystische Auslegung des Hohelieds sowie ein langes mystisches Gedicht, das als “Buch der Klagelieder” bekannt wurde. Leider weiß man nur wenig über diesen heiliggesprochenen Mönch Gregor, der 1103 starb und innerhalb der Mauern seines Klosters beigesetzt wurde.
Der Übersetzer Herbert Maurer betont, Gregors Buch würden “Heilkräfte” zugeschrieben. Darum werde es weniger gelesen und “mehr geküsst”. In seinem schmalen Bändchen bietet er in seiner eindrucksvollen Übersetzung neun “Gesänge” Gregors an, die allesamt einen jeden Menschen (also einen jeden Beter) berühren. Im 12. Gesang (III) betet Gregor von Narek:
In meinem Gesicht vom vielen Bitten beschämt
Zu Boden gesenkt
Will ich mein scheues Lippenpaar
Wieder öffnen und meine Sprache frei bewegen
Zu neuem Bittgesang.
Er soll als neues Lied der Klage
In die Höhe steigen.
Nimm in Leichtigkeit die Bitten auf,
Herr, Gott, Gewaltiger, aus meiner Bitternis.
Nähere dich mit Gnade meinem flehenden Gesicht
Zerstreue in deiner Großzügigkeit
Mein schmachvolles Traurigsein.
Heb von mir, Erbarmer
die untragbare Schwere hinweg …
Erhalte nach deinem Willen
Das gequälte Sein meiner Seele
Und lasse unbeschadet in meinem Leib
Die Gnade deines Atems.
Stell um mich deine himmlische Schar auf
Sichtbar zu Zeichen
Gegen die Meute des Bösen.
Gib die Fülle der Ruhe
todestiefen Schlummer
Im Abgrund der Nacht.
Gregor von Nareg: Fenster der Seele. Auszüge aus dem Buch der Trauer und Hoffnung des armenischen Kirchenlehrers Gregor von Nareg; Übersetzt von Herbert Maurer;
Be&Be Verlag Heiligenkreuz 2020;
110 Seiten; 14,90 Euro; ISBN 978-3903602045.
Hinweis: Meinungsbeiträge wie dieser spiegeln die Ansichten der jeweiligen Gast-Autoren wider, nicht notwendigerweise jene der Redaktion von CNA Deutsch.
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