Russland: Bartholomaios I. lässt sich nicht einschüchtern

Patriarch Bartholomaios I. kritisiert russische Kriegspropaganda und hofft auf Chalki-Öffnung – Mit scharfen Worten hat sich das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I., gegen Anfeindungen aus Russland zur Wehr gesetzt. In einem Interview mit der griechischen Zeitung “Ta Nea Sabbatokyriako” bezeichnete er den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine als “dämonisch” und warf den Verantwortlichen vor, die Religion für Machtzwecke zu missbrauchen

Quelle
Orthodoxer Erzbischof gegen Instrumentalisierung von Religion – Vatican News
Russland: Orthodoxe Kirche lehnt ökumenische Andacht ab – Vatican News
Ukraine: Höhlenkloster bei Luftangriff beschädigt – Vatican News

“Die russische Propaganda schüchtert mich nicht ein”, stellte der Patriarch an diesem Wochenende klar. Er reagiere unbeeindruckt auf “schmutzige Angriffe von Geheimdiensten”, Verleumdungen oder die Aktivitäten russischer Internettrolle. Bartholomaios betonte, dass sich die Wahrheit letztlich nicht verschleiern lasse. Wer den Krieg unterstütze, solle “den Tag des Jüngsten Gerichts fürchten, wenn sie denn glauben”.

Solidarität mit dem “David gegen Goliath”

Seit Beginn der Invasion stehe das Patriarchat fest an der Seite des ukrainischen Volkes. Bartholomaios verglich den Widerstand der Ukrainer mit dem biblischen Kampf Davids gegen Goliath. Sie verteidigten die heiligen Werte ihrer Heimat gegen Kräfte, die das Land in “Demütigung, Ausbeutung, Unterdrückung und Versklavung” stürzen wollten.

Besonders besorgt zeigte sich der Patriarch über die theologische Rechtfertigung des Krieges durch die Befürworter einer sogenannten “Russischen Welt”. Es sei zutiefst beunruhigend, wenn religiöse Gefühle instrumentalisiert und die orthodoxe Tradition verzerrt würden, um einen Krieg als “heilig” zu bezeichnen. Dieser Krieg sei das Produkt “eitler Individuen, die dem Opium der Macht verfallen sind.

Sorge um Christen im Nahen Osten

Neben dem Ukraine-Konflikt kam Bartholomaios auch auf die prekäre Lage der Christen im Nahen Osten zu sprechen. Es schmerze ihn zutiefst, die Glaubensgeschwister inmitten von Unsicherheit und Gewalt leiden zu sehen. Er appellierte an die regionalen Regierungen, den Schutz christlicher Gemeinden uneingeschränkt zu gewährleisten. Sicherheit, Stabilität und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung seien die einzige Grundlage für eine friedliche Zukunft aller Menschen in der Region.

Hoffnung auf Wiedereröffnung von Chalki

Einen vorsichtigen Optimismus äußerte der Patriarch im Hinblick auf ein langjähriges kirchenpolitisches Sorgenkind: die theologische Hochschule von Chalki. Das renommierte Seminar auf der Insel Heybeliada vor Istanbul war 1971 durch ein türkisches Gesetz zwangsweise geschlossen worden.

Bartholomaios berichtete von “bedeutenden politischen Fortschritten” in der jüngeren Vergangenheit. Er erkenne in der türkischen Regierung einen entsprechenden politischen Willen und sei zuversichtlich, auch wenn noch Detailfragen ungeklärt seien. Derzeit fänden umfangreiche Restaurierungsarbeiten am historischen Schulgebäude statt, die voraussichtlich bis zum Sommer abgeschlossen sein werden.

Der Patriarch äußerte die Hoffnung, dass bis dahin alle Genehmigungen vorliegen, um den Lehrbetrieb wieder aufnehmen zu können. Es sei sein großer Wunsch, die feierliche Wiedereröffnung gemeinsam mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan vorzunehmen.

kap – mg, 27. Januar 2026

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