Jubiläum: Acht Jahre mit Papst Franziskus

Der Kampf gegen Missbrauch – Geschwisterlichkeit, Frieden und Einheit

Quelle
‘Bei uns auf CD: Mit Papst Franziskus im Irak’

Es ist genau acht Jahre her: Am 13. März 2013 wurde Jorge Mario Bergoglio zum Bischof von Rom gewählt – der erste Jesuit im Papstamt, der erste Amerikaner, und der erste mit dem dem Namen Franziskus. Roter Faden dieser acht Jahre: Das Bemühen um neuen missionarischen Schwung.

Isabella Piro und Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Nähe, Synodalität und Freude des Glaubens: Das sind die Eckpfeiler des argentinischen Pontifikats. Franziskus lädt dazu ein, “die ursprüngliche Frische des Evangeliums“ wiederzuerlangen; er wirbt für eine “Kirche im Aufbruch“, mit “offenen Türen“ – ein “Feldlazarett“, in dem nicht dogmatische Debatten geführt, sondern voller “Zärtlichkeit“ Wunden verbunden werden.

Der Pfarrer von Santa Marta

Seine erste Neuerung: die tägliche Messe in der Casa Santa Marta, seiner Residenz (was ebenfalls eine Neuerung bedeutet). In kurzen Predigten stellt der Papst einen direkten Kontakt zu den Gläubigen her und drängt sie zu einer unmittelbaren Konfrontation mit dem Wort Gottes. Ins erste Pontifikatsjahr 2013fällt aber auch das Apostolische Schreiben “Evangelii gaudium“, die Programmschrift des Pontifikats. Hier ruft Franziskus zu einer neuen, von Freude geprägten Evangelisierung auf – sowie zur Reform der kirchlichen Strukturen und zur Umgestaltung des Papsttums, damit sie missionarischer werden. Aus diesem Grund setzt der Papst auch 2013 einen Kardinalsrat ein, dessen Aufgabe es ist, ein neues Grundgesetz für die römische Kurie auszuarbeiten.

Die Familie

Die Familie ist 2014 der pastorale Schwerpunkt von Papst Franziskus, der ihr eine Sonder-Bischofssynode widmet. Aus seiner Sicht greift die heutige individualistische Gesellschaft die Familie an und gefährdet die Rechte von Kindern und Eltern, besonders im Bereich der moralischen und religiösen Erziehung. Das Thema Familie findet seinen Höhepunkt im Apostolischen Schreiben “Amoris Laetitia“ vom April 2016. Darin betont Franziskus die Bedeutung und Schönheit der Familie, die auf der unauflöslichen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau beruht, blickt aber auch mit Realismus auf das nicht ganz so Perfekte im Bereich Ehe und Familie, etwa auf die wiederverheirateten Geschiedenen.

2014 richtet Franziskus auch eine Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen ein. Und auch aussenpolitisch setzt er in diesem Jahr Zeichen: Zu einem Friedensgebet für das Heilige Land lädt er im Juni die Präsidenten Israels und Palästinas ein, und mit emsiger diplomatischer Arbeit hinter den Kulissen gelingt es ihm, nach Jahrzehnten von Eiszeit und Embargo zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba beizutragen.

Bewahrung der Schöpfung

Das Jahr 2015 steht im Zeichen der Bewahrung der Schöpfung: Am 24. Mai unterzeichnet Franziskus die Enzyklika “Laudato si’ über die Sorge um das gemeinsame Haus”. Diese erste Umwelt-Enzyklika eines Papstes überhaupt bricht eine Lanze für eine umfassende Ökologie, zu der auch die Sorge um den Menschen, vor allem um die Armen, gehört. Franziskus führt auch einen “Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung“ mit ökumenischem Charakter ein, der jedes Jahr am 1. September begangen wird.

2015 ist aber auch das Jahr von Vatileaks 2: Ein neuerliches Leck bringt vertrauliche Dokumente des Heiligen Stuhls an die Öffentlichkeit. Der Fall kann erst Mitte 2016 – mit zwei Verurteilungen – abgeschlossen werden.

Das Ausserordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit

Die Barmherzigkeit bestimmt das Papstjahr 2016: Franziskus ruft ein ausserordentliches Heiliges Jahr zum Thema Barmherzigkeit aus. In jeder Kirche der Welt darf sich eine Heilige Pforte öffnen; der Papst selbst öffnet noch vor dem offiziellen Beginn des Heiligen Jahres eine Heilige Pforte in der Kathedrale von Bangui in der Zentralafrikanischen Republik.

Im Jahr 2016 kommt es zu einem epochalen Ereignis: Am 12. Februar trifft der Papst in Kuba den orthodoxen Patriarchen von Moskau und ganz Russland, Kirill. Sie unterzeichnen eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich verpflichten, gemeinsam auf die Herausforderungen der heutigen Welt zu reagieren. Ein Gipfeltreffen dieser Art hat es bisher noch nie gegeben.

Welttag der Armen

Am 20. September 2017 gehört der Heilige Stuhl bei den Vereinten Nationen in New York zu den ersten Ländern, die den “Vertrag über das Verbot von Atomwaffen“ unterzeichnen und ratifizieren. An der pastoralen Front wird das Jahr hingegen durch die Feier des ersten “Welttages der Armen“ geprägt: ein Jahrestag, der – wie der Papst betont – daran erinnern soll, dass sich gerade in den Bedürftigen “die Gegenwart Jesu offenbart“.

Das Abkommen mit China

2018 gelingt es dem Heiligen Stuhl, ein provisorisches Abkommen mit der Volksrepublik China zu schliessen. Es betrifft die Ernennung von Bischöfen; 2020 wird es um zwei weitere Jahre verlängert. An einer Bischofssynode zum Thema Jugend, die der Papst im Oktober im Vatikan ausrichtet, können erstmals auch Bischöfe vom chinesischen Festland teilnehmen.

Der Kampf gegen Missbrauch

2018 und 2019 rücken Missbrauchsfälle aus dem kirchlichen Bereich immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit von Franziskus und seinen Mitarbeitern. Im August 2018 bittet der Papst bei einem Besuch in Irland mit einem Bußakt im Namen der Kirche um Vergebung. 2019 lädt er die Vorsitzenden von Bischofskonferenzen zu einem Anti-Missbrauchs-Gipfel in den Vatikan ein. Eines der Ergebnisse ist das Dekret „Vos estis lux mundi“, das die Verpflichtung für Kleriker und Ordensleute einführt, Missbrauchsfälle zu melden. Außerdem hebt Franziskus bald darauf die päpstliche Schweigepflicht in Fällen von sexuellem Missbrauch auf.

Geschwisterlichkeit, Frieden und Einheit

Das Jahr 2019 bietet Gelegenheit zu drei grossen Gesten: Die erste ist die Unterzeichnung des “Dokuments über menschliche Geschwisterlichkeit“, das der Papst und der Grossimam von al-Azhar, Ahmed al-Tayyib, am 4. Februar in Abu Dhabi unterzeichnen. Das Dokument ist ein Meilenstein in den Beziehungen zwischen Christentum und Islam; es ermutigt zur Stärkung des interreligiösen Dialogs, fördert den gegenseitigen Respekt und verurteilt Terrorismus und Gewalt.

Die zweite Geste ist, im April, die Ausrichtung von geistlichen Exerzitien im Vatikan für die politischen und kirchlichen Führer des Südsudan. Franziskus versucht damit, zu einem Ende des Bürgerkriegs im Südsudan beizutragen. Die dritte Geste schliesslich ist eine ökumenische: Am 29. Juni übergibt Franziskus einer Delegation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel einige Reliquien des heiligen Petrus. Wie der Papst selbst in einem Brief an Patriarch Bartholomäus schreibt, soll dieses Geschenk “eine Bestätigung des Weges sein, den unsere Kirchen gegangen sind, um einander näher zu kommen“.

Gebet in der Pandemie

Im Jahr 2020, dem Jahr der Corona-Pandemie, bleibt Papst Franziskus den Gläubigen im Gebet nahe. Auf dem menschenleeren und regennassen Petersplatz zelebriert er kurz vor Ostern einen beeindruckenden Segens-Gottesdienst. Ausserdem lässt er zu, dass seine Frühmesse live aus der Santa-Marta-Kapelle in die Lockdown-Welt draussen übertragen wird; für viele Menschen ist das ein grosser Trost in diesem schweren Moment.

Im Februar wird das fünfte Apostolische Schreiben “Querida Amazonia“ veröffentlicht, das die Ergebnisse der Sonder-Bischofssynode für die panamerikanische Region von 2019 präsentiert; im Oktober folgt die Enzyklika “Fratelli tutti“, ein eindringliches Werben um eine Haltung der Geschwisterlichkeit auch in der Politik.

Reisen an die die Peripherie

Bei seinen Reisen versucht der lateinamerikanische Papst, auch vergessenen Regionen und Menschen wieder mehr Aufmerksamkeit durch die Weltöffentlichkeit zu verschaffen. Schon seine erste Reise, die ihn im Sommer 2013 auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa führte, diente diesem Ziel; und ähnlich verhält es sich auch mit seiner historischen Visite im Irak Anfang 2021.

vatican news, 13. März 2021

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