Kardinal Angelo Comastri, Kardinalvikar für den Vatikanstaat

Corona: Was wir von Papst Johannes Paul II. lernen können

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Historische Ton-Aufnahmen: Johannes Paul II. zu Krankheit und Tod

Corona: Was wir von Papst Johannes Paul II. lernen können

Er starb vor genau 15 Jahren: der heilige Papst Johannes Paul II. (1978-2005). Das Beispiel des polnischen Papstes kann auch in der Corona-Krise helfen, sagt im Interview mit Radio Vatikan Kardinal Angelo Comastri, Kardinalvikar für den Vatikanstaat.

Stefanie Stahlhofen und Alessandro Gisotti – Vatikanstadt

Johannes Paul II. starb nach einer langen Krankheit. Wie er damit umging und wie er seinen Glauben lebte, das könnte auch heute vielen Menschen Vorbild sein, meint Kardinal Comastri. Seiner Aussage nach ist die Corona-Pandemie auch eine Glaubensprüfung:

„Die Verbreitung der Epidemie, die Zunahme der Infizierten und die täglichen Todeszahlen haben die Gesellschaft völlig unvorbereitet getroffen. Bei vielen Leuten ist in dieser Situation eine spirituelle Leerstelle sichtbar geworden. … Das ist auch einer der Gründe dafür, dass die Epidemie Angst macht: weil viele Menschen den Glauben verloren haben. Johannes Paul II. war gläubig, er war ein überzeugter und kohärenter Glaubender. Der Glaube erhellte seinen Lebensweg.“

Das Licht des Glaubens trotzt den Schatten des Lebens

Dabei gab es auch viel Schatten im Leben des polnischen Papstes. Wohl allen bekannt das Attentat auf ihn 1981: als auf dem Petersplatz Schüsse fielen, Johannes Paul getroffen wurde und eine Notoperation brauchte. Er überlebte, litt jedoch lebenslang unter den Spätfolgen. Später kam eine Parkinson-Erkrankung hinzu. Nichtsdestotrotz hielt der Papst sich wacker und betete auch bis zuletzt öffentlich den Angelus – wenngleich seine Stimme oft kaum noch hörbar war.

„Johannes Paul II. wusste, dass das irdische Leben letztlich nur ein Sprint ist auf dem Weg zum grossen Fest: der Umarmung Gottes. Auf diese Begegnung müssen wir uns vorbereiten, wir müssen uns reinigen, uns von Stolz und Egoismus befreien, die jeder von uns kennt, um in der Lage zu sein, Ihn, der die unbedingte Liebe ist, zu umarmen. Johannes Paul II. begegnete seinen Leiden mit dieser Gesinnung, und auch in den dunkelsten Momenten (wie etwa beim Attentat) hat er nie seine Seelenruhe verloren. Warum? Weil er immer das Ziel des Lebens vor Augen hatte. An dieses Ziel glauben heute viele Leute nicht mehr. Deshalb geraten sie bei Leid in Verzweiflung, sie sind nicht in der Lage, über den Schmerz hinaus zu sehen.“

„Wir müssen uns reinigen, uns von Stolz und Egoismus befreien“

Der Generalvikar des Papstes für die Vatikanstadt rät im Interview mit den vatikanischen Medien dazu, sich Gott in jeder Situation anzuvertrauen. Er erinnert daran, dass Christen gerade in Momenten des Leids den Schmerz mit Jesus am Kreuz teilen. So lasse sich der Schmerz in eine Quelle der Kraft verwandeln, in ein „Gegenmittel gegen den menschlichen Egoismus“:

„Wir alle erinnern uns wohl den letzten Karfreitag mit Johannes Paul II. Die Szene, die das Fernsehen übertrug, ist unvergesslich. Der Papst, inzwischen kraftlos, hielt das Kruzifix in seinen Händen, sah es mit einer starken Liebe an, und da spürte man, dass er sagte: ,Jesus, auch ich bin am Kreuz wie du, aber zusammen mit dir erwarte ich die Auferstehung‘. Die Heiligen haben alle so gelebt“, sagt Kardinal Angelo Comastri im Interview mit uns.

Johannes Paul II. wurde im Jahr 2014 von Papst Franziskus heilig gesprochen.

vatican news – sst, 1. April 2020

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