Besuch des Kinderheims “Der kleine Prinz”

Apostolische Reise von Papst Franziskus nach Chile und Peru
(15.-22. Januar 2018)

Quelle
Begegnung mit Vertretern der Regierung und des öffentlichen Lebens sowie mit dem Diplomatischen Korps

Besuch des Kinderheims “Der kleine Prinz” – Ansprache des Heiligen Vaters
Puerto Maldonado, Freitag, 19. Januar 2018

Liebe Brüder und Schwestern,
liebe Kinder,

vielen Dank für diesen feinen Empfang und die Willkommensworte. Euch singen zu sehen, euch tanzen zu sehen, erfüllt mich mit grosser Freude. Danke.

Als man mir von der Existenz dieses Kinderheims „Der kleine Prinz“ und der Stiftung Apronia erzählte, habe ich gedacht, dass ich von Puerto Maldonado nicht fortgehen kann, ohne euch zu begrüssen. Ihr wolltet euch aus verschiedenen Unterkünften in diesem schönen Heim „Der kleine Prinz“ versammeln. Danke für die Bemühungen, die ihr angestellt habt, damit ich heute hier sein kann.

Wir haben gerade Weihnachten gefeiert. Das Herz wurde durch das Bild des Jesuskindes von Zärtlichkeit gerührt. Es ist unser Schatz und ihr Kinder seid der Widerschein und auch ihr seid unser aller Schatz, der schönste Schatz, den wir zu hüten haben. Vergebt die Male, in denen wir Grossen es nicht tun oder euch nicht die Bedeutung beimessen, die ihr verdient. Wenn ihr gross sein werdet, vergesst dies nicht. Euer Blick, euer Leben verlangen immer einen grösseren Einsatz und Arbeit, damit wir für die vielen anderen notleidenden Kinder nicht blind oder gleichgültig werden. Ihr seid zweifelsohne der wertvollste Schatz, den wir zu hüten haben.

Liebe Kinder des Heims „Der kleine Prinz“ und liebe Jugendliche der anderen Heime,

einige von euch sind nachts zuweilen traurig, euch fehlen Vater oder Mutter, die nicht da sind, und ich weiss auch, dass es Wunden gibt, die sehr wehtun. Dirsey, du warst tapfer und hast es uns mitgeteilt. Und du hast mir gesagt, dass »meine Botschaft ein Licht der Hoffnung sein möge«. Aber lass mich dir noch etwas anderes sagen: dein Leben, deine und euer aller Worte sind Licht der Hoffnung. Ich will euch für euer Zeugnis danken. Danke dafür, dass ihr Licht der Hoffnung für uns alle seid.

Es freut mich zu sehen, dass ihr ein Heim habt, wo ihr aufgehoben seid, wo man euch mit Zuneigung und Freundschaft hilft zu entdecken, dass Gott euch die Hände entgegenstreckt und euch Träume ins Herz legt. Das ist schön.

Welch gutes Zeugnis von euch jungen Menschen, die ihr diesen Weg durchschritten habt, die ihr gestern in diesem Haus mit Liebe erfüllt wurdet und heute eure eigene Zukunft gestalten könnt! Ihr seid für uns alle das Zeichen der unermesslichen Möglichkeiten, die jeder Person innewohnen. Für diese Jungen und Mädchen seid ihr das beste Beispiel, dem sie folgen können, die Hoffnung dessen, wozu auch sie im Stande sein werden. Wir alle benötigen Vorbilder, denen wir folgen können; die Kinder müssen nach vorne schauen und positiven Vorbildern begegnen können: »Ich will wie dieser, ich will wie diese sein«, hören sie und sagen sie. All das, was ihr jungen Menschen tun könnt, wie mit ihnen zusammen zu sein, zu spielen, Zeit zu verbringen, ist wichtig. Seid für sie, wie es der kleine Prinz sagte, die kleinen Sterne, die in der Nacht leuchten.[1]

Einige von euch jungen Menschen, die uns begleiten, kommen aus den indigenen Gemeinschaften. Mit Traurigkeit betrachtet ihr die Zerstörung der Wälder. Eure Grosseltern haben euch gelehrt, sie zu entdecken, in ihnen fanden sie ihre Ernährung und die Medizin, die sie heilte. Dies habt ihr zu Beginn hier gut dargestellt. Heute sind sie durch den Rausch eines falsch verstandenen Fortschritts verwüstet. Die Flüsse, an denen ihr gespielt habt und euch zu essen gaben, sind heute verschmutzt, verunreinigt, tot. Ihr jungen Leute, findet euch nicht mit dem ab, was gerade geschieht. Verzichtet nicht auf das Erbe eurer Grosseltern, verzichtet nicht auf euer Leben und eure Träume. Ich möchte euch gerne ermutigen zu studieren; qualifiziert euch, nutzt die Gelegenheit, die ihr habt, um euch zu bilden, diese Gelegenheit, die euch die Stiftung Apronia gibt. Die Welt braucht euch junge Menschen aus den angestammten Völkern, und sie braucht euch nicht maskiert, sondern genauso, wie ihr seid. Nicht als Bürger eines anderen Volkes maskiert; nein, so, wie ihr seid, so brauchen wir euch.  Findet euch nicht damit ab, das Schlusslicht der Gesellschaft zu sein, das nur als Anhängsel mitgezogen wird. Nein, nein, seid niemals Schlusslicht! Wir brauchen euch als Motor, der antreibt. Und ich empfehle euch eines: Hört euren Grosseltern zu, schätzt eure Traditionen, haltet eure Neugierde nicht zurück. Sucht eure Wurzeln und öffnet zugleich eure Augen für das Neue, ja … und zieht eure eigene Schlussfolgerung. Gebt das der Welt zurück, was ihr lernt, weil die Welt Originale braucht, wie sie wirklich sind, und nicht Kopien. Wir brauchen euch als authentische junge Menschen, die stolz darauf sind, zu den Amazonas-Völkern zu gehören und die der Menschheit eine wirkliche Lebensalternative bieten. Freunde, unsere Gesellschaften bedürfen oftmals der Kurskorrektur und ihr, die jungen Menschen der angestammten Völker, da bin ich sicher, könnt bei dieser Herausforderung sehr viel helfen, vor allem, indem ihr uns einen Lebensstil lehrt, der auf der Pflege und nicht der Zerstörung all dessen gründet, was sich unserer Habgier widersetzt.

Und noch etwas Wichtiges, was ich tun möchte, ist Pater Xavier [Arbex de Morsier, Gründer der Stiftung Apronia] zu danken. Pater Xavier hat viel gelitten und dies war schwer für ihn. Einfach nur danke, danke für Ihr Beispiel. Ich möchte den Ordensleuten danken, den Laienmissionarinnen, die eine wunderbare Arbeit tun und all den Wohltätern, die diese Familie bilden, den Freiwilligen, die ihre Zeit ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen, was wie erfrischender Balsam in den Wunden ist. Und ebenso möchte ich denjenigen danken, die die jungen Menschen in ihrer Identifikation mit Amazonien bestärken, und ihnen helfen, eine bessere Zukunft für ihre Gemeinschaften und für den ganzen Planeten zu schmieden.

Und jetzt, so wie wir sind, schliessen wir die Augen und bitten wir Gott, dass er uns seinen Segen gibt.

Der Herr segne euch und behüte euch; er lasse sein Angesicht über euch leuchten und sei euch gnädig; er wende euch sein Antlitz zu und schenke euch seinen Frieden! Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen. (vgl. Num 6,24-26; Segen im Jahreskreis I)

Und ich bitte euch um zwei Dinge: Betet für mich und vergesst nicht, dass ihr die kleinen Sterne seid, die in der Nacht leuchten.

[1] Vgl. Antoine de Saint-Exupéry, Der kleine Prinz, XXIV; XXVI.

© Copyright – Libreria Editrice Vaticana

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