„Benedikt XVI. regte Vatikan-Kampf gegen Menschenhandel an“

Menschenhandel und Zwangsprostitution: nicht erst seit Franziskus verstärkt Thema im Vatikan

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Opfern des Menschenhandels wieder in einen „normalen Alltag“ zu helfen war das Anliegen der Vatikankonferenz, die an diesem Montag an der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften zu Ende ging. Dabei ging es unter anderem um Rechtsbeistand und Entschädigungen für die Opfer, aber auch um Strategien, um ihnen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu helfen. Kanzler der Akademie ist Bischof Marcelo Sánchez Sorondo. Der argentinische Geistliche erinnerte im Gespräch mit Radio Vatikan daran, dass das Engagement des Vatikans gegen Menschenhandel sich einer Anregung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. verdankt.

„Als Papst Benedikt von seiner letzten Deutschlandreise zurückkam und den neuen Botschafter der Bundesrepublik in Audienz empfing, hat er in seiner Rede gesagt, er sei geradezu erschrocken über das Phänomen der Prostitution über Internet. Prostitution – und er sprach da nicht nur von Zwangsprostitution oder Prostitution von Minderjährigen – sei, so sagte Papst Benedikt, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Alles andere seien nur Masken, die das Phänomen der Prostitution verdeckten. Und er erklärte auch, er hoffe, dass der Heilige Stuhl bei diesem Thema wachsam sei. Diese Anregung hat Papst Franziskus nach seinem Amtsantritt (2013) dann sofort aufgegriffen und hat neben das Problem der Prostitution auch die Themen Organhandel und Zwangsarbeit gestellt. Auch Franziskus erklärte, das seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Jetzt allmählich fangen einige Länder an zu begreifen, wie ernst und schwerwiegend Menschenhandel ist, sagt Bischof Sorondo. Zu dieser Bewusstseinsbildung hat aus seiner Sicht der Vatikan kräftig beigetragen. Dem Kanzler der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften geht es jetzt darum, dass Menschenhandel auch wirklich auf völkerrechtlichem Niveau als Verbrechen gegen die Menschlichkeit anerkennt wird.

„Auf unserer Sitzung ging es um die ‚best practice‘. Die beste Praxis haben aus unserer Sicht die nordeuropäischen Länder und mittlerweile auch Frankreich, das sie darin kopiert hat: Sie bestrafen die Freier von Prostituierten und stellen sie weitgehend den Menschenhändlern gleich. Wie wir bei der Tagung gehört haben, hat diese Praxis der Gerichte das Phänomen der Prostitution in Schweden – dem ersten Land, das sich dieses Gesetz gegeben hat – um fünfzig Prozent reduziert. Hoffen wir also, dass alle Länder der Welt nachziehen! Zum ersten Mal überhaupt wird da festgestellt, dass nicht das Opfer schuld ist am System. Ein weiterer, wichtiger Akzent unserer Tagung war die Wiedereingliederung von Opfern in die Gesellschaft – und da habe ich den Eindruck, dass Mexiko das von allen Ländern am besten hinbekommt.“

Mexiko gehe auf die Opfer von Menschenhandel zu und biete ihnen eine ganze Palette von Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten, erklärt der Geistliche. Hunderte von früheren Prostituierten arbeiteten mittlerweile als Köchinnen, Anwältinnen oder Designerinnen.

rv 06.11.2017 sk

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